Brandserie Ludwigsburg Gestanden aber nichts verraten

Der Brandstifter hatte es vor allem auf teuere Autos abgesehen. Foto: dpa 21 Bilder
Der Brandstifter hatte es vor allem auf teuere Autos abgesehen. Foto: dpa

Dass er die 19 Brände rund um Ludwigsburg gelegt hat, räumte der mutmaßliche Serienbrandstifter in einer knappen Erklärung ein, aber nicht warum er es getan hat. Die Ermittler haben im Gericht am Mittwoch versucht, auch diese Frage zu klären.

Ludwigsburg: Melanie Braun (meb)
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Kreis Ludwigsburg - Heilbronn - Er hat alle 19 Brandstiftungen, die ihm zur Last gelegt werden, eingeräumt. Doch es bleibt weiter im Dunkeln, was den 30-jährigen Angeklagten angetrieben hat, der die Polizei im Kreis Ludwigsburg und darüber hinaus monatelang in Atem gehalten hat und sich derzeit vor dem Heilbronner Landgericht verantworten muss. Der Angeklagte selbst äußerte sich nicht zu den Tatvorwürfen. Er ließ lediglich einige dürre Zeilen von seiner Anwältin verlesen.

Die Polizei tappt bei der Suche nach dem Motiv auch im Dunkeln

Darin ließ er mitteilen, dass es stets „spontane Entschlüsse“ gewesen seien, die Feuer zu legen. Zudem habe er dabei meist unter Alkoholeinfluss gestanden. „Ich hatte immer spontan das Bedürfnis, Brände zu legen“, ließ er mitteilen. Dass dabei derart massive Schäden entstanden seien, tue ihm leid. Außer dieser spärlichen Erklärung war am zweiten Verhandlungstag gestern nichts mehr zum Tathergang von dem Angeklagten zu erfahren.

Auch die zwei Polizisten, die sich intensiv mit der Brandserie und dem mutmaßlichen Täter beschäftigt haben und gestern vor Gericht als Zeugen aussagten, haben keine Antwort auf das Warum. Ihm habe der Angeklagte stets gesagt, „es überkomme ihn“, so ein Polizeibeamter. Zudem habe er den Eindruck, der mutmaßliche Brandstifter finde die Taten „cool“. Doch seine Aussagen seien oft verwirrend gewesen, etwa: „Das Auto war nicht zu übersehen, da habe ich es angezündet“ oder „Autos anzünden ist für mich normal, wie rauchen“. Auch habe den Angeklagten – anders als andere Brandstifter – sein eigenes Feuer nicht mehr interessiert. Er habe gesagt: „Ich gehe dann weg. Es hatte seine Chance, zu brennen oder nicht.“

Hat der Angeklagte noch mehr Brände gelegt?

Im Übrigen gehe er davon aus, dass noch nicht alle Taten bekannt seien, so der Polizeibeamte. Der 30-Jährige habe seine Taten stets zunächst abgestritten – um sie dann doch zuzugeben. Zwischendurch habe er sogar davon erzählt, bundesweit gezündelt zu haben. Angeblich habe er den Triebkopf eines ICE in Brand gesetzt und in einem Braunkohlewerk Feuer gelegt, „aber das konnte man nicht verifizieren“. Auch dass er die Taten betrunken begangen hat, glaubt eine Beamtin nicht. „Er war zu besessen von seinen Autos, um es zu wagen, betrunken damit zu fahren“, so die Zeugin.

Dem 30-jährigen Mann aus dem Kreis Ludwigsburg wird vorgeworfen, zwischen Oktober 2011 und April 2013 insgesamt 19 Brände gelegt zu haben. Vor allem Luxuskarossen gingen in Flammen auf, aber auch Firmen und Warenlager hatte er im Visier. Der Schaden wurde zunächst auf insgesamt rund neun Millionen Euro geschätzt. Inzwischen hat die Firma Dürr, deren Lagerhalle komplett abbrannte, ihren Schaden von zwei auf rund elf Millionen Euro nach oben korrigiert – sollte sich das bestätigen, würde der Gesamtschaden rund 18 Millionen Euro betragen.

Der Großteil der Taten wurde im Kreis Ludwigsburg begangen, aber auch im Raum Bretten und Bruchsal war der Mann aktiv. Anfang 2013 häuften sich die Brände derart, dass die Polizei eine 30-köpfige Ermittlungsgruppe bildete, um dem Feuerteufel auf die Schliche zu kommen. Bei einer ersten Festnahme im März erwischte man ihn bei einem Einbruch, er stritt aber jegliche Brandstiftung ab. Im April wurde er auf frischer Tat ertappt, seitdem befindet er sich in Untersuchungshaft.




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