Brauchen Paare gemeinsame Hobbys oder reicht es, wenn sie allein Kajak fährt? Foto: KI/Midjourney/Montage: Sebastian Ruckaberle
Gleiche Interessen zu haben und damit gemeinsam die Freizeit zu verbringen, das klingt für Viele nach der Idealvorstellung einer Beziehung. Aber kann man nicht auch so glücklich werden?
Sandra Markert
27.05.2026 - 06:00 Uhr
Viele Jahre sind die beiden schon zusammen. Besonders viel zu sagen haben sie sich nicht mehr und in der Freizeit geht jeder seine Wege. Aber sie vermissen die Nähe und den Austausch, der durch gemeinsame Unternehmungen entsteht. „Deshalb denken wir, wir sollten ein gemeinsames Hobby entwickeln.“
Immer wieder hört der Psychologe Michael Mary diesen Satz von Paaren, die zu ihm in die Beratung kommen. „Natürlich ist es schön, wenn ich in meiner freien Zeit gemeinsame Interessen mit meinem Partner teilen kann“, sagt Michael Mary. Man könne ein gemeinsames Hobby aber nicht einfach so entwickeln wie ein Projekt. „Sicher kann man zusammen Tennis ausprobieren oder wandern gehen. Und wenn es dann für beide schön ist, dann stärkt das die Beziehung auch“, so Paartherapeut Mary.
Das Problem mit dem Tempo
Nicht selten jedoch könnten sich Paare zwar für die gleichen Dinge begeistern, beispielsweise fürs Joggen. „Aber wenn sie dann gemeinsam joggen gehen, gibt es nur Streit, weil jeder ein anders Tempo bevorzugt“, sagt Mary. Wenn ein gemeinsames Hobby die Beziehung wirklich festigen solle, dann müssten dabei auch beide glücklich sein. „Andernfalls ist es besser, jeder Partner sucht sich in seinem Freundeskreis jemanden, um gemeinsam laufen zu gehen“, so Mary.
Denn zwingend nötig für eine glückliche Beziehung sei ein gemeinsames Hobby nicht. „Es spielt nur auf einer der drei Liebesbereichen eine Rolle, die eine Partnerschaft trägt“, sagt Michael Mary, der zu diesem Thema auch ein Buch geschrieben hat („So geht lieben“ Nordholt Verlag). Er nennt diese Ebene die freundschaftliche Liebesebene, auf der sich Paare ähnlich begegnen wie Freunde. Daneben gibt es noch die partnerschaftliche Liebesebene, in welcher es um die Rollen geht, die man als Paar in einer Familie oder in einer anderen Lebensgemeinschaft einnimmt sowie die leidenschaftliche Ebene.
Gemeinsame Liebesebene wichtig
„Auch wenn ich einen Menschen noch so sehr liebe, so sind doch in aller Regel nicht alle drei Ebenen und im gleichen Maße zu jeder Zeit mit einem Menschen möglich“, sagt Michael Mary. So gebe es Paare, die zwar leidenschaftlichen Sex hätten, darüber hinaus aber weder groß sozial verbunden seien noch ein tieferes, freundschaftliches Vertrauensverhältnis aufbauen würden. Andere wiederum hätten dagegen eine sehr erfüllte, glückliche Freizeit miteinander oder ein harmonisches Familienleben, dafür fehle es aber an der Leidenschaft füreinander.
„Wichtig ist, dass ich überhaupt eine gemeinsame Liebesebene habe“, erklärt Mary. Es sei auch ganz normal, dass sich diese Liebesebenen im Laufe einer Beziehung verändern und verschieben und mal das eine, mal das andere zentraler sei.
Gemeinsame Hobby eher zweitrangig
Auch für die Psychologin Stella Schultner ist es nicht entscheidend, ob ein Paar ein Hobby gemeinsam ausübt. „Natürlich ist das eine gute Möglichkeit, um gemeinsam schöne Momente zu erleben. Aber das kann ich auch auf anderen Wegen haben“, so Schultner, die in München als Love Coach arbeitet.
Im Alter sind Frauen oft noch aktiver als ihre Männer. Foto: IMAGO/imagebroker//Siegfried Kuttig
Was sie aber wichtig findet ist, sich für die Hobbies des Partners zu interessieren. „Auch dadurch schaffe ich Momente, in denen eine Bindung entsteht und das ist zentral für eine Beziehung." Um ein Hobby besser verstehen oder gezielter nachfragen zu können, kann es Schultner zufolge durchaus sinnvoll sein, dieses zumindest einmal selbst auszuprobieren oder mitzugehen und zuzuschauen. „Und manchmal macht es mir dann ja vielleicht auch nur deshalb Spaß, weil ich erleben darf, wie viel Freude der andere dabei hat“, sagt Stella Schultner.
Im Alter sind Frauen oft aktiver
Bei älteren Paaren erlebt die Psychologin nicht selten, dass Frauen im Ruhestand noch deutlich aktiver sind, Hobbys pflegen oder mehr verreisen als ihre Männer. Sie ermuntert sie dazu, diesen Interessen dann notfalls auch allein oder in einer Gruppe mit Freundinnen nachzugehen. „Eine Partnerschaft darf nicht nur aus Alltag und Routinen bestehen, ich brauche auch im Alter noch andere Erlebnisse“, sagt Stella Schultner.
Würden die Frauen dann zu Hause davon erzählen und der Partner ihre Begeisterung und Energie spüren, könne es durchaus passieren, dass dieser doch noch den Schritt gehe und seine Partner beim nächsten Wochenendausflug begleite.
Partner Freiraum für sein Hobby lassen
Sei dies nicht der Fall, findet sie es sehr wichtig, dem Partner dennoch den Freiraum zu geben, sein Hobby ausleben zu können. Eine Ausnahme sieht sie bei Freizeitbeschäftigungen, die gefährlich sind – wie etwa Motorradfahren für einen Familienvater. Oder Hobbies die extrem viel Zeit einnehmen.
„Neulich hatte ich ein Paar in der Beratung, wo er Bodybuilder war und das über Ernährung und Training den ganzen Tagesablauf bestimmt hat“, erzählt Stella Schultner. Früher sei auch die Frau Bodybuilderin gewesen, dann habe diese intensive Beschäftigung für eine starke Gemeinsamkeit gesorgt. „Als sie dann jedoch wegen der Familie damit aufgehört hat, war das extreme Hobby letztlich ein Trennungsgrund.“
So verbringen Paare ihre Freizeit
Die beliebteste Freizeitaktivität der Deutschen ist mit Abstand und bei rund 98 Prozent der Befragten: im Internet surfen. Das zeigt der neue Freizeit-Monitor der Hamburger Stiftung für Zukunftsfragen von 2025. Mit Abstand folgen Dinge wie Fernsehen oder Musik hören, die man als Paar auch gemeinsam machen könnte. Über wichtige Dinge reden oder anderswie gemeinsam Zeit mit dem Partner verbringen gaben 68 beziehungsweise 64 Prozent der Befragten als Freizeitbeschäftigung an, die sie regelmäßig mindestens einmal pro Woche ausüben. Persönlichen Hobbies nachgehen oder Sport treiben nannten 53 beziehungsweise 51 Prozent. Im Vergleich zum Jahr 2010 ist der Anteil der regelmäßig Joggenden von 10 Prozent im Jahr 2010 auf 21 Prozent im Jahr 2025 gestiegen. (sam)
Weitere Artikel zum Thema Liebes Leben finden Sie hier.