Brauchen wir eine Islam-Konferenz? Gebote für den deutschen Islam

Gehört der Islam zu Deutschand? Die Frage wird auf der Islamkonferenz heiß diskutiert. Foto: dpa

Die geplante Neuauflage der Islam-Konferenz hätte viele Themen zu besprechen. Vor allem geht es darum, dass auch Muslime das Gebot der religiösen Toleranz akzeptieren, kommentiert Armin Käfer.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Armin Käfer (kä)

Berlin - In einer für die Identität unseres Landes sehr bedeutsamen Frage spielen die urwüchsigen Deutschen keine zentrale Rolle. Die Frage lautet: Gehört der Islam zu Deutschland? Mit Blick auf die Zukunft ist das von größerem Belang als altes Blut-und-Boden-Denken. Womit wir wieder bei den vermeintlich urwüchsigen Deutschen wären. Manche, die sich dafür halten, haben vielleicht Vorfahren, die in einem Landstrich zuhause waren, der heute zu Polen oder Tschechien zählt. Andere zählen zu ihren Urahnen womöglich einen römischen Legionär, Hugenotten aus Frankreich oder welsche Landsknechte. Die Zugehörigkeit zu Deutschland ist keine Frage des Stammbaums, sondern eine der Werte, der Sprache, der Kultur und der Traditionen im Umgang miteinander.

 

Der Dialog bleibt wichtig

Das sind allesamt Themen, die bei der Islamkonferenz zu besprechen wären, die im Herbst neu beginnen soll. Die eingangs zitierte Frage hat Bundesinnenminister Horst Seehofer ja schon pauschal verneint, womit er sich eigentlich als Gastgeber disqualifiziert. Diese ewige Frage, auf die wir nur widersprüchliche Antworten finden, seit sie gestellt wird, ist ohnehin falsch formuliert. Wenn sie uns weiterbringen soll, müsste sie anders lauten – nämlich so: Welcher Islam gehört zu Deutschland?

Damit wäre ein zentrales Problem der Islamkonferenz angesprochen. Gewiss, der Dialog bleibt unverzichtbar. Für fast fünf Millionen Mitmenschen ist der Islam bevorzugte Religion. Viele von ihnen besitzen auch einen deutschen Pass – womit sich Streitereien, ob sie zu Deutschland gehören, formal erledigt haben. Es ist für uns von existenziellem Interesse, diese wachsende Minderheit zu integrieren. Deshalb wäre es selbstverständlich wünschenswert, dass die Muslime nicht nur hier arbeiten, leben und ihre Moscheen bauen – sondern sich mit Deutschland identifizieren. Nur so könnte aus dem Islam in Deutschland irgendwann ein deutscher Islam werden. Bis dahin bleibt ein weiter Weg zu gehen.

Kinderehen, Extremismus – das muss besprochen werden

Islamgläubige, die zu Deutschland gehören wollen, müssen anerkennen, dass Religion Privatsache ist und in gesellschaftlichen Fragen keine herausgehobene Autorität genießt. Sie müssen akzeptieren, dass Religionsfreiheit auch das Recht einschließt, religiöse Ansichten abzulehnen, sie zu kritisieren, womöglich gar zu verspotten. Sie müssen Normen überdenken, die dem orientalischen Mittelalter verhaftet bleiben. Sie müssen lernen, was Toleranz im 21. Jahrhundert bedeutet.

Das sind Fragen, über die sich die Islamkonferenz schnell verständigen sollte. Sie muss rasch auf die wirklich heiklen Themen zu sprechen kommen und dazu verbindliche Absprachen treffen: patriarchale Familienstrukturen, Kinderehen, Polygamie, Extremismus, muslimischer Antisemitismus. Nicht zuletzt geht es um ganz alltägliche Angelegenheiten: etwa darum, dass Kopftücher in Kitas und Grundschulklassen tabu sein sollten – und Badekleidung in der Fasson eines Burkini bei uns schon vor 100 Jahren aus der Mode kam.

Ungeachtet seiner prinzipiellen Voreingenommenheit ist Gastgeber Seehofer dafür zu loben, dass er das Monopol der Islamverbände als Fürsprecher der deutschen Muslime aufbrechen will. Seine Vorgänger nahmen fatalerweise hin, dass diese Verbände unabhängige Köpfe von der Islamkonferenz weggemobbt haben. Dabei repräsentieren sie nur eine Minderheit der Muslime in Deutschland – eine konservative, verstockte und damit problematische Minderheit. Dabei hat sich längst eine Zivilgesellschaft entfaltet, die das Skelett des deutschen Islam werden könnte: muslimische Anwälte, Ärzte, Künstler, Intellektuelle, Handwerker und Unternehmer. Leute aus solchen Milieus sollten Seehofers bevorzugte Ansprechpartner sein.

Das Ziel der Islamkonferenz steht jedenfalls schon fest: Sie muss sich baldmöglichst selbst abschaffen.

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