Braucht es Polizei im Freibad? Auch im Kreis Esslingen steigt die Zahl der Übergriffe

Wernau sieht für sein Freibad keinen Polizeibedarf. Foto: /Robin Rudel

Auch in den Freibädern im Kreis Esslingen sinkt offenbar die Hemmschwelle. Eine dauerhafte Polizeipräsenz wird aber bislang nicht gefordert. Wann muss die Polizei einschreiten?

Region: Corinna Meinke (com)

Soll es angesichts einer zunehmenden Zahl von Übergriffen in Freibädern ständige Polizeipräsenz geben? Das hatte die Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) nach Provokationen und Randale in zahlreichen öffentlichen Bädern in den vergangenen Tagen jüngst gefordert. Mithilfe der Polizei soll bei respektlosem Verhalten gegenüber dem Bäderpersonal und sexuellen Übergriffen gegenüber Gästen härter durchgegriffen werden.

 

Diese Frage nach der Polizeipräsenz wird von den Bäderbetreibern im Kreis Esslingen differenziert beantwortet, wiewohl es in mehreren Freibädern bereits Übergriffe gegeben hat. Auch in den beiden Esslinger Bädern ist es in dieser Saison bereits vereinzelt zu Belästigung, Pöbeleien, Randale, Provokation von Besuchern gekommen. Daraufhin wurden „wenige Platzverweise ausgesprochen“, erklärt Dirk Fausten von den Stadtwerken Esslingen (SWE). Beim Blick auf die vergangenen fünf Jahren sei eine Zunahme von Verstößen gegen die Haus- und Badeordnung festzustellen. Außerdem beobachte die SWE, „dass die Hemmschwelle bezüglich Entgleisungen in Ton und Form heute schneller überschritten wird“.

„Eine regelmäßige Präsenz der Polizei in den Freibädern kann die bestehenden Sicherheitskonzepte gegebenenfalls unterstützen“, sagt der SWE-Betriebsleiter. Die SWE betreiben das Neckarfreibad und das Hallen-Freibad im Stadtteil Berkheim. Fausten ergänzt für seine Bäder aber: „Aufgrund der geringen Anzahl an kritischen Vorfällen in unseren Bädern sehen wir zum heutigen Zeitpunkt eine dauerhafte Präsenz der Polizei in den Bädern nicht als erforderlich an, zumal die Zusammenarbeit mit der Polizei Esslingen immer reibungslos funktioniert und die Polizeibeamtinnen und -beamten nach unserer Einschätzung schnell, zielgerichtet und erfolgreich agieren.“

An Tagen mit Hochbetrieb setzen die SWE Sicherheitspersonal ein. Durch dessen Präsenz könne man in schwierigen Situationen deeskalierend auf die Beteiligten einwirken. Auch das Bäderpersonal sei geschult, die Eskalation einer schwierigen Situation möglichst frühzeitig zu verhindern.

Kein Sicherheitspersonal im Einsatz

Einen regelmäßigen Einsatz von Polizei in den Schwimmbädern hält der Wernauer Bürgermeister Armin Elbl „in schwierigen, besonders gefährlichen und renitenten Fällen auf jeden Fall für die beste Lösung, da die Polizei die Störenfriede und Schläger auch wirksam aus dem Bad bringen kann.“ Dies sei einer Security und dem eigenen Freibadpersonal nur in Extremfällen möglich.

Sicherheitspersonal war im Wernauer Freibad nach Elbls Worten aber bisher nur in den Hochzeiten der Coronapandemie im Einsatz. Derzeit sei kein weiterer Einsatz geplant, „da unser eigenes Personal mit den Badegästen noch selbst zurechtkommt“, erklärt der Verwaltungschef.

Während es für das vergangene Wochenende bis Sonntagabend keine Meldungen aus dem Kreis Esslingen gab, musste die Polizei vor einer Woche mehrfach in verschiedenen Freibädern durchgreifen: Im Esslinger Neckarfreibad gab es eine Schlägerei, in Lenningen belästigte ein 42-Jähriger mehrere Badegäste, und in Kirchheim wurde ein 20-Jähriger aus dem Bad gewiesen, nachdem er eine 15-Jährige im Strudelbecken offenbar am Po berührt hatte.

Weitere Themen