Brauchtum in Fellbach und Kernen Oeffingen hält an der Maibaum-Tradition fest

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Das Maibaumaufstellen ist nicht ungefährlich: Anders als auf den Fildern hält Fellbach-Oeffingen aber an der Tradition fest und der 33 Meter hohe Stamm wird aufgestellt.

Die Helfer vom Gewerbeverein Oeffingen schmücken den Maibaum am Tennhof. Foto: Eva Herschmann
Die Helfer vom Gewerbeverein Oeffingen schmücken den Maibaum am Tennhof. Foto: Eva Herschmann

Fellbach/Kernen - Nachdem im vergangenen Jahr in Baden-Württemberg beim Maibaumstellen zwei Menschen ums Leben gekommen sind, geht in manchen Aufstellerkreisen die Angst um. Die Sicherheitsrichtlinien für die Aufstellung von Maibäumen haben sich zwar nicht geändert, dennoch wird beispielsweise in Echterdingen zum ersten Mal seit den 70er-Jahren kein Maibaum vor dem Rathaus aufgestellt. Der Vereinsring, der dafür zuständig ist, hat die Aufstellung abgesagt – aus Sicherheitsbedenken. Jörg Schiller vom Gewerbeverein Oeffingen und sein Team hingegen ziehen den Baum an diesem Samstag vor Publikum nach oben, und auch in Rommelshausen wird in diesem Jahr wieder im Beisein von Zuschauern aufgestellt.

Der Gewerbeverein Kernen zieht den Maibaum bei der Hocketse hoch

Der Gewerbeverein Kernen zieht – anders als im Vorjahr – den Maibaum im Rahmen der Hocketse hoch, die um 11 Uhr beginnt. „Wir beginnen gegen 15 Uhr damit, den Baum nach oben zu hieven“, sagt Michael Heumann. Allerdings werde man während der Aufstellung den Marktplatz komplett räumen. „Alle müssen in eine sichere Zone gehen, den erforderlichen Sicherheitsabstand halten wir so locker ein.“

Die Sicherheitszone bei der Aufstellung soll die doppelte Länge des Maibaums betragen, so zumindest steht es in den Vorschriften, die seit vielen Jahren gelten. „Vor drei Jahren hat mal jemand anonym beim Ordnungsamt angerufen und gemeint, was wir machen sei viel zu gefährlich“, sagt Jörg Schiller vom Gewerbeverein Oeffingen. Daraufhin hätten sie mit dem damaligen Fellbacher Ordnungsamtsleiter Werner Rögele alles durchgesprochen. „Wir haben erläutert, wie wir absichern, und wir waren uns einig, dass wir nach bestem Wissen und Gewissen handeln.“ Den Maibaum unter Ausschluss der Öffentlichkeit aufzustellen ist für ihn keine Option. „Das Spektakel gehört einfach dazu. Dann würden wir es lieber ganz bleiben lassen, und es gebe keinen Maibaum mehr. Das Ganze lebt doch davon, dass die Leute zuschauen können.“ Gefahren sieht Jörg Schiller keine. Dass der Baum, der in Oeffingen samt Spitze 33 Meter hoch ist, umfalle, sei unwahrscheinlich. Erst hänge er an Haken, sodass er selbst bei Sturm nicht wanke, die Spitze und die Zunftzeichen seien dabei sogar extra gesichert. „Und wenn er erst mal im Loch steht, ist er zwei Meter tief im Boden versenkt.“

Gegen Sachschaden ist der Gewerbeverein versichert

Dass anderenorts die Aufstellung abgesagt wird, sei dennoch auch in Oeffingen ein Thema gewesen. „Wir werden jetzt mal eine Gefährdungsbeurteilung schreiben, wo genau drinsteht, was alles nacheinander wie gemacht werden muss.“ Gegen Sachschaden sei der Gewerbeverein versichert. Bei einem Personenschaden – falls die Staatsanwaltschaft Ermittlungen aufnehme – sei zunächst der Vorsitzende des Gewerbevereins im Visier, sagt Jörg Schiller: „Und dann ich als Verantwortlicher für die Maibaumaufstellung.“ Sie seien aber nicht blauäugig, sie könnten Gefahren abschätzen, und zudem seien Fachleute am Start. „Nach unserem Ermessen ist unsere Aufstellung sicher. Wenn ich davon nicht überzeugt wäre, dann wäre es kritisch.“

Das sieht Ordnungsamtsleiter Peter Bigalk genauso. „Aus meiner Sicht wissen die Herren, was sie tun und machen dürfen. Ich habe Vertrauen, es sind erfahrene Leute. Ich gehe davon aus, dass der Maibaum ordnungsgemäß aufgestellt wird.“ Davon geht auch Oberbürgermeisterin Gabriele Zull aus, schließlich hat die Rathaus-Chefin ihr Kommen – und eine Rede – angekündigt.

Wenn der Maibaum-Stamm, der erst vor drei Jahren auf dem Kappelberg geschlagen wurde, in ein paar Jahren ausgetauscht werden muss, könnte sich Jörg Schiller allerdings vorstellen, eine Nummer kleiner zu werden. „Dann haben wir nicht mehr so viele Scherereien und es deutlich leichter. Allerdings, wenn man alle Eventualitäten ausschließen will, können wir bald gar nichts mehr machen und haben auch keine Lebensqualität mehr.“




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