Die gute Nachricht vorweg: Die Schließung des Brauhauses Lamm im Leutenbacher Ortsteil Weiler zum Stein soll nicht lange andauern. „Das Brauhaus ist vorübergehend geschlossen. Wir bedanken uns bei allen Gästen für Ihre Treue. Eure Lämmer“, steht momentan auf der Tafel am Eingangsbereich. Und auch wer nichts ahnend die Nummer des Gasthauses wählt, um einen Tisch zu reservieren, hört eine Bandansage, in der mitgeteilt wird, dass „aufgrund eines Pächterwechsels“ geschlossen sei und man sich in dringenden Fällen an die Besitzerin des Gebäudes wenden könne. Eben diese Besitzerin ist guter Dinge, dass der Zustand nicht lange anhalten wird. „Die Suche nach einem neuen Pächter läuft, denn wir haben großes Interesse daran, dass bald wieder Gastronomie in dem Haus ist“, sagt Sandra Stoll. Es gebe bereits einige Ideen und Wünsche, die seien aber noch nicht spruchreif.
Im Mai 2018 hatte Jens Markel das alteingesessene Gasthaus übernommen
Im Mai 2018 hatte Jens Markel das alteingesessene Gasthaus schräg gegenüber dem Rathaus von Weiler zum Stein als relativ junger Pächter übernommen. Er führte den Gasthof, der anno 1838 erstmals erwähnt wurde und zu dem eine eigene Brauerei, ein großer Biergarten und ein separates Gästehaus gehören, im Sinne früherer Zeiten fort – nämlich mit einem familiären Umgang mit den Gästen.
Umso mehr vermissen eben diese Gäste nun die gutbürgerliche Küche in der urigen Wirtschaft mit eigener Brauerei. Sowohl für auswärtige Besucher als auch für die Ortschaft selbst ist das wohl ein Verlust, schließlich konnte hier schwäbisch gespeist, wechselnde Bierspezialitäten ausprobiert oder sogar mit kleinen Gesellschaften gefeiert werden.
Auch der Bürgermeister hat großes Interesse an der Gastronomie im Ort
Deshalb hat auch Bürgermeister Jürgen Kiesl ein großes Interesse daran, dass die Gaststätte weitergeführt wird. „Es gibt ja sonst nur noch die Vereinsgaststätte im Ort“, sagt er. Vor nicht allzu langer Zeit habe es in Weiler zum Stein noch vier Gaststätten gegeben, sagt Kiesl und berichtet, dass er zuversichtlich sei, dass die Besitzerin der Immobilie, mit der er in Kontakt sei, einen neuen Pächter finde.
Der ehemalige Pächter, Jens Markel, will sich bisher nicht dazu äußern, warum er im Lamm aufgehört hat. Fest steht, dass er die Geschichte des Brauhauses mit Leiden- schaft und Begeisterung pflegte. Das Festhalten an Bewährtem schloss auch die hauseigene Brauerei mit ein. Die Stammgäste, die seit Jahrzehnten im Lamm einkehren, schätzten das. Die Älteren hielten dem jungen Wirt im historischen Gemäuer die Treue und konnten drei verschiedene Hausbiere genießen: ein Helles, ein Weizen und ein Saisonbier. Im Saal mit eigener Theke und Bierleitung im ersten Stock erzählen viele historische Dokumente und Fotografien an den Wänden von der Vergangenheit des Brauhauses. Alte Elemente in den Gaststuben, wie die schmucken Türen und verzierten Fenster, wurden mit neuen Holzeckbänken und Wandverkleidung aufgepeppt, ohne jedoch den historischen Charme dadurch zu zerstören.
Es bleibt abzuwarten, was ein neuer Pächter verändern und welche Elemente er beibehalten wird – und wann er das beliebte Brauhaus zu neuem Leben erweckt. Für die Besitzerin der Immobilie ist zumindest für den Biergarten ein Neustart im Sommer wahrscheinlich. „Alles Weitere muss sich finden“, sagt Sandra Stoll.