Brauner Filz: „Der Staat gegen Fritz Bauer“ Patronen in der Post

Von Kathrin Horster 

Während der vom bald darauf verstorbenen Gerd Voss gespielte Fritz Bauer in Ricciarellis Film als Randfigur vorkommt und das Hauptaugenmerk auf den Ermittlungsarbeiten im Vorfeld der Auschwitz-Prozesse liegt, widmet sich Kraume dem physischen und mentalen Kraftakt Bauers, der sich immer öfter mit handfesten Drohungen auseinandersetzen muss.

Einmal wird ihm ein Brief ins Büro geschickt; „Jude verrecke“ steht auf der Karte, eine einzelne, in eine Hakenkreuzfahne gewickelte Patrone liegt der Botschaft bei. Szenen wie diese wirken beunruhigend und lassen wenig Raum für Hoffnung, man könne die im Verborgenen vernetzten Nazis aufspüren und für alle Zeit hinter Schloss und Riegel bringen. In Anbetracht der schwierigen Aufarbeitung der NSU-Verbrechen in unserer Gegenwart wirkt dieser Gedanke beängstigend aktuell.

Ringen um Wahrheit

Bei aller historischen Genauigkeit, die sich noch in den kleinsten Ausstattungs­details zeigt: Kraumes Film ist mehr als eine faktentreue Nacherzählung, er macht Bauers zähes, bis zur Selbstaufgabe reichendes Ringen um Wahrheit nachvollziehbar. Auch die von Lars Kraume und seinem Drehbuchautor Olivier Guez frei erfundene Episode um Bauers homosexuellen Mitarbeiter Karl Angermann fügt sich glaubwürdig in die Darstellung. Denn anhand dieser beiden Charaktere zeigen Kraume und Guez, wie wirksam unmenschliche Gesetze und vor allem Angst zwischenmenschliche Beziehungen in jener Zeit zerstören konnten.

Der Staat gegen Fritz Bauer. Deutschland 2015. Regie: Lars Kraume. Mit Burghart Klaußner, ­Ronald Zehrfeld, Lilith Stangenberg, Sebastian Blomberg, Laura Tonke, Dany Levy, Robert ­Atzorn. 105 Minuten. Ab 12 Jahren.

Termin: Zur Vorstellung am Samstag, 3. Oktober, um 15 Uhr sind Lars Kraume und Burghart Klaußner im Kino Atelier am Bollwerk anwesend.