Bregenzer Festspiele Die Seebühne sucht neuen Kapitän

Die eindrucksvolle Seebühnenkulisse zur Oper „André Chénier“ Foto: dpa
Die eindrucksvolle Seebühnenkulisse zur Oper „André Chénier“ Foto: dpa

Die Oper „André Chénier“ wird auch in diesem Jahr die Ränge der Seebühne in Bregenz füllen. Derweil sucht das Präsidium nach einem Intendanten.

Kultur: Tim Schleider (schl)
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Bregenz - Ruhig und beständig – so liegt bei schönem Wetter nicht nur die eindrucksvolle Seebühne am österreichischen Bodenseeufer, so entwickelten sich in den vergangenen Jahren auch die Bregenzer Festspiele Schritt für Schritt zum renommierten Opern- und Musikfestival – beliebt beim Publikum, geachtet von den Kritikern. Dass es anders als ursprünglich verkündet nun wohl doch nicht gelingt, noch vor Beginn der diesjährigen Saison am Mittwoch einen neuen Intendanten zu präsentieren, passt da so gar nicht ins Bild. „Ich nehme zu laufenden Personalverfahren keinerlei Stellung“, verkündet der Pressesprecher Axel Renner am Telefon ungewohnt knapp. Und weitere Nachfragen ernten nur stoisches Schweigen.

Seit 2003 ist der Brite David Pountney Festspielchef in Vorarlberg. Er macht seine Sache sehr gut; so ganz begriffen hat man darum auch nicht, warum er nach der Saison 2014 unbedingt (und gegen seinen eigenen Wunsch) gehen muss. Das Festspielpräsidium sprach in diesem Zusammenhang von „frischem Blut“, das Bregenz nötig habe. Diesbezüglich fand man im vergangenen Jahr tatsächlich auch eine überzeugende Lösung: Roland Geyer hat seit 2006 dem Theater an der Wien mit einem anspruchsvollen Musiktheaterprogramm zu großem Ansehen verholfen und wollte nach seiner Berufung im vergangenen Jahr auch Bregenz zu weiterem Renommee als europäisches Opernfestival verhelfen, „in einer Reihe mit Aix-en-Provence, Glyndebourne und Bayreuth“. Doch just über dieses Konzept geriet er in Streit mit dem Festspielpräsidium und sagte seinen Vertrag im Januar ebenso prompt wie allgemein überraschend wieder ab.

Seitdem sind die Vorarlberger also erneut auf der Suche – nach einem künstlerischen Intendanten, dem es nichts ausmacht, nun wie eine zweite Wahl auszusehen. Bis einschließlich 2014 hat David Pountney die Spielpläne konzipiert; im kommenden Sommer inszeniert er selber auf der Seebühne Mozarts „Zauberflöte“, die den Bregenzer Haushaltsregeln gemäß zwei Sommer lang gezeigt wird; für das Festspielhaus sind weitere anspruchsvolle Uraufführungen konzipiert. Bei den enormen Anstrengungen und dem großen Vorlauf, die eine Seebühnen-Produktion mit sich bringt, müsste in diesem Herbst aber eigentlich auch schon das Werk für 2015 feststehen. Das wird ohne neuen Intendanten aber nicht möglich sein. Die Bregenzer stecken irgendwie gehörig in der Bredouille – und keiner versteht so recht, warum sie das offenbar unbedingt wollten.




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