Breitband-Ausbau Weiße Flecken schwinden – so ist die Glasfaser-Versorgung im Kreis Ludwigsburg

Im Kreis Ludwigsburg schreitet der Glasfaser-Ausbau voran – bis 2030 soll er mit 90 Prozent Versorgung abgeschlossen sein. Foto: dpa/Sina Schuldt

Während sich manche Gemeinden nach Jahren plötzlich auf die Suche nach einem neuen Anbieter machen müssen, sind andere Teile schon fast vollständig mit Glasfaseranschlüssen versorgt.

Ludwigsburg : Anna-Sophie Kächele (ask)

Mal war es der Netflix-Film, der stockte, mal die E-Mail, die ewig im Postausgang festhing – bis irgendwann gar nichts mehr ging und nur ein neuer Router mit Verstärker half. Im Marbacher Stadtteil Rielingshausen ist man eine langsame Internetverbindung gewöhnt. Wer zuhause am Rechner arbeitet, musste lang sehr geduldig sein. Dabei steckte die Lösung in Form eines kleinen Fähnchens schon jahrelang im Vorgarten: das Zeichen dafür, dass dieses Haus bald einen Glasfaser-Anschluss haben sollte.

 

Vor wenigen Wochen hat sich das Unternehmen „Unsere Grüne Glasfaser“ (UGG) dann in Erdmannhausen, Freudental und Löchgau sowie Rielingshausen überraschend zurückgezogen. „Die erschwerten technischen Bedingungen und gestiegenen Kosten beim Ausbau lassen für die Projekte keinen eigenwirtschaftlich finanzierten Glasfaserausbau mehr zu“, schreibt der Sprecher. Doch wie sieht die Versorgung im restlichen Landkreis aus?

Landkreis ist mit Ausbau vor der Zeit

Die kurze Antwort: deutlich besser. Im Kirchheim, Großbottwar und Murr ist der Ausbau fast vollständig abgeschlossen und auch in Ludwigsburg und Kornwestheim verfügt ein Großteil der Haushalte über einen Anschluss. „Unser Ziel war es, bis zum vergangenen Jahr 50 Prozent zu erreichen, das ist uns bereits 2024 gelungen“, sagt Viktor Kostic, Geschäftsführer vom Zweckverband Kreisbreitband Ludwigsburg. Ende 2025 habe man dann einen Versorgungsgrad von 60 Prozent gehabt.

Man sei also guter Hoffnung, bis 2030 den Ausbau abzuschließen. Dann sollen 90 Prozent der Gebäude im Landkreis einen Glasfaser-Anschluss haben, oder wie es Kostic formuliert „die Technologie der Zukunft“. Auch im Vergleich in der Region Stuttgart könne sich der Ausbau im Kreis Ludwigsburg sehen lassen.

Mit Blick auf die Karte fällt deutlich auf, in welchen Gemeinden der Ausbau zwar teilweise in vollem Gange ist, aber noch vergleichsweise wenig Menschen einen Hausanschluss haben. In Hessigheim hat die Deutsche Glasfaser beispielsweise Mitte Januar 2026 die ersten Haushalte an das Glasfasernetz angeschlossen. „Schrittweise kommen wir voran und wir freuen uns, dass wir die ersten Hausanschlüsse erfolgreich aktivieren konnten“, sagte damals Kai Hölscher, Regionalmanager Kommunale Kooperationen Süd von Deutsche Glasfaser.

Die Gemeinde Benningen erhielt zwar 2022 eine Breitbandförderung von 200.000 Euro, womit die weißen Flecken – das bedeutet Gebiete, in denen die Versorgung unter 30 Mbit/s liegt – beseitigt werden konnten. In der Fläche bleibt Benningen aber Schlusslicht. „In Benningen hat in großen Teilen die damalige Firma Kabel BW Glasfaserkabel der ‚ersten Generation’ gelegt“, erklärt Bürgermeister Klaus Warthon. Da deswegen bei ihnen die Grundversorgung weit über dem Kreisdurchschnitt liege, habe man sich mit einem der hinteren Plätze beim Ausbau der Telekom begnügen müssen.

Nachdem die Telekom schon vorbereitende Investitionen in Benningen getätigt habe, mache es für uns Sinn, so der Bürgermeister weiter, dass dieses Unternehmen tätig wird. Dort sei Benningen schon im Jahr 2024/25 vorgesehen gewesen. „Wir hoffen, dass wir im nächsten Jahr zum Zuge kommen.“

„Wir sind auf die Bürger angewiesen“

In Affalterbach ist die Apfelbachschule seit Dezember 2024 durch eine Bundesförderung ans Glasfasernetz angeschlossen – in der Fläche fehlen die Anschlüsse aber noch. Am flächendeckenden Ausbau hatte zuletzt die UGG Interesse bekundet und wollte diesen eigenwirtschaftlich ausführen. „Der für 2025 geplante Baustart wurde jedoch verschoben“, erklärt die Gemeinde. Das Unternehmen habe das mit geänderten Prioritäten begründet und wolle sich in diesem Jahr nochmals dazu äußern. „Bei den „weißen Flecken“, die sich in Affalterbach größtenteils im Gewerbegebiet und bei den Aussiedlerhöfen befinden, sind wir schon deutlich weiter“, heißt es von der Stadt. Die Telekom setze den Ausbau in diesem Jahr um.

Auch in Sachsenheim gebe es laut Viktor Kostic noch einige Adressen in den weißen Flecken. Die unterversorgte Adressen surfen durch Fördermittel von Bund und Land künftig jedoch mit Bandbreiten bis ein Gigabit pro Sekunde im Internet. Wer sich für einen Hausanschluss entscheidet, bekommt den kostenlos ins Haus und kann dann zwischen 300, 500 und 1000 Mbit/Sekunde wählen. Viktor Kostic macht aber auch klar: „Wir sind auf die Bürger angewiesen – wo Glasfaser verfügbar ist, sollte man tunlichst mitmachen.“ Derzeit nutzen zwischen 40 und 50 Prozent der Bürger den Glasfaseranschluss, viele bleiben noch beim TV-Kabel. „Der Schwob sagt häufig, des langt’s mir no“, sagt Kostic. „Aber selbst wenn man ihn gerade noch nicht braucht – man hat die Technologie dann zumindest schonmal verlegt.“

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