Breitband in der Region Stuttgart Glasfaser gibt es fast nur in Kornwestheim

Vor zwei Jahren wurde eine große Breitband-Initiaitive ausgerufen. Seither hat sich wenig getan, weite Teile der Region haben kein schnelles Internet. 

Außerhalb von Kornwestheim gibt es kaum Glasfaserverbindungen in der Region. Foto: dpa
Außerhalb von Kornwestheim gibt es kaum Glasfaserverbindungen in der Region. Foto: dpa

Region Stuttgart - Zwischen Kaiserbach und Kornwestheim liegen gut 60 Kilometer. Doch was die Verfügbarkeit von schnellem Internet mit 50 Mbit pro Sekunde angeht, liegen Welten zwischen der Stadt im Stuttgarter Speckgürtel und der 2500-Einwohner-Gemeinde im Rems-Murr-Kreis. Sie bilden die jeweiligen Enden der Skala: In Kaiserbach haben weniger als zehn Prozent der Haushalte Breitband-Internet, der Ort ist das Schlusslicht in der Region.

In Kornwestheim hingegen haben über 95 Prozent der Gebäude moderne Glasfaserkabel – verlegt von der Deutschen Telekom als Modellprojekt. Bundesweit zwölf Pilotkommunen wurden 2012 so ausgestattet, dass ihre Bürger ein Musikalbum in wenigen Sekunden herunterladen können. Kornwestheim wurde ausgesucht, weil es sehr kompakt aufgebaut ist. Kaiserbach hingegen ist alles andere als kompakt – genau 43 Dörfer, Weiler oder Wohnplätze gehören zu der ländlichen Kommune.

Auch in Böblingen, Schorndorf oder Esslingen gibt es Lücken

Wie sieht es in der übrigen Region aus? Interessanterweise zeigt der Breitbandatlas der Bundesnetzagentur, dass selbst in Stuttgart nicht überall Highspeed-Surfen möglich ist. Das größte zusammenhängende Gebiet mit guter Verbindung reicht von Kornwestheim über Ludwigsburg bis nach Bietigheim-Bissingen. Selbst in Mittelzentren wie Böblingen/Sindelfingen, Esslingen oder Schorndorf gibt es Lücken im Netz. Dramatisch ist die Lage im Schwäbischen Wald und an den Rändern der Region – wie im südlichen Kreis Esslingen. Oder im Ludwigsburger Norden, wo Kirchheim/Neckar oder Großbottwar alt aussehen. In der Summe liegt die Region landesweit zwar vor dem Freiburger Umland, wo die rote Laterne hängt. Aber eben nicht vor Regionen wie dem Ostalbkreis oder Rottweil.

Politisch ist das Thema bei der Region angesiedelt. Ihr Ziel ist: Bis 2025 sollen alle Unternehmen Glasfaser-Zugänge haben. Daran mangelt es übrigens selbst in den Gewerbegebieten der Pilotstadt Kornwestheim. Bei den Privathaushalten sollen bis dahin 50 Prozent und bis 2030 alle angeschlossen sein. „Seit August liegt eine Grobplanung vor“, sagt Helmuth Haag von der Wirtschaftsförderung der Region. Und zwar für ein sogenanntes Backbone-Netz. In der ganzen Region sind dafür 1577 Kilometer Glasfaserkabel nötig. Die eine Hälfte soll durch die Anmietung bestehender Leitungen erreicht werden, die andere durch Neuverlegungen. Bis Ende 2017 soll die Berechnung der Kosten vorliegen.

Kreise und Kommunen sind sich uneins

Doch beim Regionalverband kann nur koordiniert werden. Für das Backbone-Netz sind die Landkreise am Zug. Die letzten Meter von den Abfahrten der Datenautobahn bis zu den Verteilerästen in den Wohngebieten hingegen müssen die Kommunen selbst organisieren. „Jede Kommune der Region würde mit mindestens zwei Anschlusspunkten versorgt“, erklärt Helmuth Haag das Ziel. Sonst würden die Daten vor den Stadttoren abgebremst.

In den Kreisen und Kommunen gibt es oft Streit über die passende Organisationsform. Im Kreis Ludwigsburg hat erst ein Bürgermeistertreffen den Durchbruch gebracht: Der Kreistag hat zwei Stellen bewilligt. Doch man ist weiter uneins, ob ein Zweckverband oder eine andere Struktur zum Ziel führt. Im Rems-Murr-Kreis will der Landrat Richard Sigel noch vor Weihnachten aktiv werden. Er hat seine Kollegen aus den Nachbarkreisen eingeladen. Man will die besonders benachteiligten Kommunen im Schwäbischen Wald zuerst angehen. In Stuttgart wird erst noch beraten, in Böblingen wartet man auf die Ergebnisse der Kostenberechnung.

Im Kreis Göppingen wird schon seit 2014 investiert. In der Kreisstadt bis hin zu Süßen oder Geislingen/Steige sind schnelle Zugänge gelegt. „Wir liegen damit auf Platz zwei der Region“, freut sich die Sprecherin des Landratsamtes, Julia Schmalenberger. Mit Strukturdebatten hat man sich nicht aufgehalten, der Wirtschaftsförderer koordiniert einen Arbeitskreis der Bürgermeister, ganz ohne Streit.

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