Homeschooling, Homeoffice, Streaming-TV – die Corona-Pandemie hat deutlich gezeigt: Nie war ein schneller Internetanschluss so wichtig wie heutzutage. Und obwohl der Breitbandausbau in der Landeshauptstadt nun zügig voranschreitet, gibt es immer wieder weiße Flecken. Doch was tun, wenn man einfach nicht an das schnelle Glasfasernetz angebunden wird? Bisweilen kommt es dabei auch zu Kuriositäten, wie ein Beispiel zeigt.
Bis zum Jahr 2030 sollen 90 Prozent aller Haushalte angeschlossen sein
In einem groß angelegten Förderprojekt investiert die Landeshauptstadt rund 12,6 Millionen Euro in den Ausbau der Leitungen in den bislang unterversorgten Gebieten. 90 Prozent kommen als Zuschüsse von Bund und Land. Das ambitionierte Ziel: bis zum Jahr 2030 sollen so 95 Prozent aller Haushalte in der Landeshauptstadt mit einem schnellen Internetanschluss versorgt werden. Bislang haben die Telekommunaktionsunternehmen die Randgebiete gescheut, da ein Ausbau zu unrentabel war. Davon war der Obertürkheimer Stadtteil Uhlbach vor wenigen Jahren auch noch betroffen, und auch Rotenberg scheint nach wie vor ein weißer Fleck zu bleiben.
„Die Alternative wäre gewesen, den Standort aufzugeben“
„Die Alternative wäre gewesen, unseren Firmenstandort in Uhlbach aufgeben zu müssen“, erklärt Unternehmer Walter Zinser. Denn entgegen dem heutigen Vorgehen lautete noch vor rund acht Jahren die Strategie der Telekommunikationsunternehmen, zunächst den Ausbau in ländlichen Bereichen voranzutreiben. Und Uhlbach zählt trotz seines dörflichen Charakters nun einmal zur Landeshauptstadt. Ein Breitbandausbau war daher nicht geplant, „aber für uns unausweichlich“, erklärt der Geschäftsführer und Firmeninhaber. Denn seit mehr als 20 Jahren hat der Software-Hersteller Palette CAD seinen Hauptsitz in der Behlesstraße. Das weltweit tätige Unternehmen – CAD steht für Computer Aided Design, frei übersetzt: die Konstruktion am Computer – ist einer der führenden Entwickler von 3D-Planungsprogrammen für das Handwerk. Daher ist ein schneller Internetzugang und vor allem auch eine ausfallsichere Verbindung die Grundvoraussetzung für die nach wie vor 25 bis 30 in Uhlbach ansässigen der insgesamt mehr als 100 Mitarbeiter.
50 000 Euro für die rund 500 Meter lange Leitung
Doch was tun? Bereits 2014 war der kleine Wengerterort an das Glasfasernetz angeschlossen, „die Leitung endete aber am Uhlbacher Platz“, erinnert sich Zinser. Auch eine Anfrage, ob nicht speziell für das Software-Unternehmen eine Glasfaserleitung verlegt werden könnte, wurde zunächst verneint. Und auch mit dem Angebot, die Kosten für die Kabelverlegung selbst zu finanzieren, stieß Zinser zunächst auf Granit. Dann 2016 die überraschende Wende: „Auf einmal bekamen wir das Angebot, dass wir doch einen Anschluss bekommen könnten, wenn wir das selbst bezahlen.“ Immerhin 50 000 Euro hat der Unternehmer für die rund drei Monate dauernden Arbeiten in die Hand genommen. Für ihn eine wertvolle Investition.
Dennoch ärgert sich Zinser. Denn im Zuge der Arbeiten auf der rund 500 Meter langen Strecke vom Uhlbacher Platz über die Götzenbergstraße bis zur Behlesstraße hatte er angeboten, dass auf Wunsch zumindest die direkten Anwohner mit dem schnellen Internet versorgt werden könnten. Doch der Anbieter lehnte aufgrund von Zuständigkeitsproblemen ab. Denn bislang wird weiter zwischen gewerblichen Kunden – wie der Palette CAD – und Privatkunden unterschieden. „Ein Skandal“ aus Sicht von Zinser, hätte zumindest doch die Götzenbergstraße bereits zu diesem Zeitpunkt mit dem Glasfaseranschluss versorgt werden können.
Mindestens 16 Mbit sind für einen Haushalt notwendig
Seitdem verfügt aber zumindest Palette CAD über eine feste Glasfaserverbindung mit einem Gigabit Leistung. „Das könnten wir im Bedarfsfall auch noch aufstocken“, hat sich der 68-Jährige versichern lassen. Ein Datenvolumen, das deutlich höher liegt als üblich. Schließlich verfügt der Software-Entwickler aufgrund seines hohen Bedarfs – auch für die direkte Verbindung mit den Kunden – über ein eigenes Cloud-Rechenzentrum. „Das ist sicher für einen normalen Haushalt überdimensioniert“, weiß Zinser. Laut Experten sind mindestes 16 Mbit für Single-Haushalte notwendig, ab zwei Personen wird eine 50-Mbit-Leitung empfohlen und für Familien mit Kindern sollten es wenigstens 100 Mbit sein.
Immer noch weiße Flecken im Glasfasernetz
Zahlen, von denen viele Stuttgarter nach wie vor nur träumen können. Inzwischen ist beim Blick auf den Breitbandatlas des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur zumindest Uhlbach fast komplett mit dem schnellen Internet ausgestattet. Für Rotenberg sieht das immer noch anders aus. Auch die neuesten von der Stadt vorgestellten Pläne sehen zunächst einmal den Ausbau in weiten Teilen des Ortskerns von Unter- und Obertürkheim vor. Bislang ist daher nicht abzusehen, wann dann wirklich auch Rotenberg an der Reihe sein sollte. Bleibt zu hoffen, dass auch dort der Ausbau zumindest in absehbarer Zeit über die Bühne geht. Ohne, dass weitere kuriose Stilblüten wie in Uhlbach von Nöten sind.