Breitbandversorgung in Baden-Württemberg Holpern beim schnellen Internet

Von fal 

Der Neckar-Odenwald-Kreis dagegen feiert: Als erster Kreis ist er flächendeckend mit Breitband versorgt. Möglich gemacht hat dies eine Initiative aller Kommunen und dem Landkreis.

Der Landrat des Neckar-Odenwald-Kreises, Achim Brötel, Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) und der Geschäftsführer Technologie der Telekom Deutschland GmbH, Walter Goldenits (von links) setzen auf  Glasfaserkabel. Foto: dpa
Der Landrat des Neckar-Odenwald-Kreises, Achim Brötel, Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) und der Geschäftsführer Technologie der Telekom Deutschland GmbH, Walter Goldenits (von links) setzen auf Glasfaserkabel. Foto: dpa

Buchen - Zur Feier des Tages hat Achim Brötel, der Landrat des Neckar-Odenwald-Kreises, eine Krawatte in passender Farbe angezogen: magenta. Denn die Telekom war nach einer europaweiten Ausschreibung das einzige Unternehmen geblieben, das bereit war, „unseren goldrichtigen Weg mitzugehen“, sagt Brötel. Innerhalb von zwei Jahren wurden 233 Kilometer Glasfaserkabel verlegt und 429 Schaltkästen in den 27 Kommunen des Landkreises errichtet oder hochgerüstet. Stolz verkündete Brötel deshalb am Freitag in der Stadthalle Buchen: „Wir sind der erste Landkreis in Baden-Württemberg, der flächendeckend mit 50 Megabit pro Sekunde versorgt ist.“

Ein Selbstläufer war das beileibe nicht. Denn das Land förderte lange nur Modelle, bei der ganz neue Glasfasernetze aufgebaut werden. Im Neckar-Odenwald-Kreis nutzt man dagegen auf den letzten 500 Metern zwischen Verteilkasten und Endverbraucher weiter die bestehenden Kupferkabel. So kam es aber, dass der Neckar-Odenwald-Kreis nicht nur keinen Cent Fördergeld bekam, sondern sich lange Zeit in rechtlich unsicherem Rahmen aufhielt. Doch für einen so ländlich geprägten Kreis sei das schnelle Internet überlebenswichtig, sagte Brötel. Frei nach Gorbatschow heißt es: „Wer zu spät bekommt, den bestraft das Leben.“ Der Neckar-Odenwald-Kreis wurde dagegen bestraft, weil er zu früh angefangen hat. Mittlerweile gibt es Bundes- und Landesfördermittel.

Noch 2018 sollen 250 Megabit pro Sekunde möglich werden

Doch heute ist der Kreis allen voraus: Nach der Zustimmung der Bundesnetzagentur werden im Frühjahr bis zu 100 Megabit pro Sekunde freigeschaltet; bis Mitte 2018 sollen über das „Super-Vectoring“ sogar 250 Megabit pro Sekunde möglich werden. 40 Millionen Euro wurden investiert, ein Viertel tragen der Landkreis und Kommunen.

Selbst in der hochindustriellen Region Stuttgart schaut man da neidisch auf Buchen und Mosbach. Der Versorgungsgrad liegt in der Region erst bei rund 70 Prozent, landesweit sind es 77 Prozent. Im Landkreis Esslingen stockt der Ausbau auch deshalb, weil sich die Kommunen nicht auf ein gemeinsames Vorgehen einigen können. Die fehlende Kooperationsbereitschaft der Kommunen ist tatsächlich ein Problem für den Ausbau; die hohen Hürden für Fördergelder sind ein anderes. Agrarminister Peter Hauk (CDU), dessen Heimat im Neckar-Odenwald-Kreis liegt, betonte in Buchen aber, dass die Landesregierung pragmatischer geworden sei. 2017 schüttete man 133 Millionen Euro aus.

Deutschland liegt beim Ausbau nur im Mittelfeld in Europa

In einer Studie der Bertelsmann-Stiftung von 2017 üben die Autoren ebenfalls Kritik. Dem Engagement von Kommunen und Landkreisen seien rechtliche Grenzen gesetzt, die unbedingt verändert werden müssten. Zu lange habe man allein auf die Privatwirtschaft gesetzt, obwohl der Ausbau gerade in ländlichen Gebieten nicht attraktiv ist für Unternehmen wie die Telekom. Daneben müssten die Akteure, so die Studie, unbedingt besser miteinander kooperieren. Spanien etwa habe Regelungen gefunden, die den Wettbewerb beflügelten. Was den Anschluss per Glasfaser anbetrifft, liegt Deutschland sogar abgeschlagen auf dem fünftletzten Platz mit weniger als zehn Prozent Anschlussquote.

Im Neckar-Odenwald-Kreis besteht das Netz nun dagegen zu 80 Prozent aus Glasfaser. Der Telekom-Technikchef Walter Goldenits schwärmte von der unvergleichlichen Zusammenarbeit aller Beteiligten. Auch Zeit- und Kostenrahmen wurden eingehalten – das kann man nicht von allen Projekten im Land sagen.