Viel zu spät werden Kommunen und Kreise beim Breitbandausbau aktiv. Sie brauchen dafür aber Hilfe aus Berlin, kommentiert unser Redakteur Rafael Binkowski.

Politik: Rafael Binkowski (bin)

Stuttgart - Es ist ein wenig so wie in Hans Christian Andersens Märchen „Des Kaisers neue Kleider“. Jeder sieht, dass der Regent im Adamskostüm herumläuft und lobt dennoch die Pracht seines Kostüms, bis ein Kind ruft: „Der Kaiser ist ja nackt!“ Vielleicht hat den Politikern in Bund, Land und Kommunen ein solcher Weckruf gefehlt. Viel zu lange hat man sich in Sachen Breitband bei Sonntagsreden selbst auf die Schulter geklopft oder darüber diskutiert, welche staatliche Ebene zuständig ist. Dass selbst Länder wie Tschechien, Bulgarien oder Lettland beim Ausbau der Daten-Autobahnen weiter sind, sollte zu denken geben. Nicht nur der ländliche Raum, große Teile des Stuttgarter Umlands surfen im Schneckentempo.

Eine flächendeckende Versorgung mit Glasfaser-Infrastruktur gehört zur öffentlichen Daseinsvorsorge. Bei Wasserkanälen und Stromleitungen stellt das niemand infrage. Lahmes Internet ist ein Standortnachteil – und schließt den mündigen Bürger von wichtigen Teilen des öffentlichen Diskurses aus. Die Kommunen organisieren sich jetzt endlich. Bei der mühsamen Regierungsbildung in Berlin wird dem Thema eine hohe Priorität eingeräumt – bislang nur verbal. Es müssen Taten folgen. Dabei geht es nicht nur um Geld, sondern auch um Druck auf ein ehemals staatliches Unternehmen – die Deutsche Telekom.