Breivik-Prozess Inspiriert von Wikipedia

Von gam 

Der angeklagte Attentäter Anders Breivik kann vor Gericht in Oslo nicht plausibel erklären, wie er zum Terroristen wurde.

Im Kreuzverhör: die Staatsanwaltschaft hat Breivik (Mitte) . Foto: AP
Im Kreuzverhör: die Staatsanwaltschaft hat Breivik (Mitte) . Foto: AP

Oslo - Gereizter und deutlich defensiver als bisher ist Anders Breivik am Mittwoch vor Gericht aufgetreten. „Dazu will ich mich nicht äußern“ und „dies wünsche ich nicht zu kommentieren“ waren seine am häufigsten benützten Phrasen, als die Staatsanwältin Inga Beijer Engh ihn in stets freundlichem, aber insistierendem Ton über seine Entwicklung zum Terroristen befragte. Wenn Breivik doch antwortete, verstrickte er sich in Widersprüche zu seinem 1800-seitigen „Kompendium“ und zu seinen Aussagen in Polizeiverhören. In seinem Pamphlet habe er sich „pompös“ geäußert, relativierte er nun, und vor der Polizei habe er „zu viel gesagt“. Als Inspiration konnte er nur „eine Person im Ausland“ nennen, die er zufällig im Internet gefunden habe.

Breivik verstrickt sich in Widersprüche

Engh konzentrierte sich auf Reisen nach Liberia und London im Jahr 2002, auf denen Breivik in Kontakt mit einem angeblich wegen Kriegsverbrechen gesuchten „serbischen Freiheitshelden“ sowie mit dem Orden der Tempelritter gekommen sein will. Von den „Knights Templar“ will er den Auftrag für seine Schrift erhalten haben. Zuvor hatte er von Treffen mit einer Reihe von „serbischen Kriegshelden“ gesprochen. Nun räumte er ein, dass er in London nur drei Gleichgesinnte getroffen habe. In Liberia sei er undercover als Unicef-Vertreter oder Diamantenhändler aufgetreten, um mit dem Serben zusammenzutreffen. Die Ankläger ließen durchscheinen, dass sie all das für Schwindel halten: in Liberia habe Breivik tatsächlich mit Diamantenschmuggel Geld verdienen wollen, sei aber gescheitert. Ob es das Treffen in London gegeben habe, ließen sie dahingestellt.

Auch auf Fragen nach Gründen für seine Radikalisierung konnte Breivik nur vage Auskunft geben. Er sprach von „persönlichen Erlebnissen“ und dem, was er vom Hörensagen wusste. Er behauptete, von einem „Muslim“ überfallen worden zu sein, der ihm die Nase brach. Als er später eine kosmetische Nasenoperation durchführen ließ, konnte der Arzt keine Spuren des Bruchs finden. Nach seinen angeblichen historischen Studien befragt, die ihm die Augen geöffnet hätten, fiel ihm nur das Onlinelexikon Wikipedia ein. In seinem Pamphlet hatte er den Kosovokrieg als Hauptgrund für die Gründung der Tempelritter genannt. Nun räumte er ein, dass er an diesem Krieg nur mäßig interessiert gewesen sei. gam

Anzeige