Jakobschule in Stuttgart Die Drogenszene weitet sich aus

Von Martin Haar 

Der Fünf-Punkte-Plan von OB Fritz Kuhn greift im Brennpunktgebiet, doch die Drogendealer ziehen weiter. Eltern der Jakobschule in Stuttgart beklagen eine nachlassende Polizeipräsenz.

Die    Lage an der Jakobschule hat sich etwas beruhigt – viele Forderungen der Eltern   wurden bisher erfüllt. Foto: Michael Steinert
Die Lage an der Jakobschule hat sich etwas beruhigt – viele Forderungen der Eltern wurden bisher erfüllt. Foto: Michael Steinert

S-Mitte - Drogenspritzenfunde bei der Jakobschule waren seit vier Jahren ein Thema, das viele Gemüter bewegte: Eltern, Schüler, Anwohner, Schulleitung und die Polizei. Verbesserungen wurden zunächst nicht erreicht. Die Verwaltung – namentlich Schulbürgermeisterin Isabel Fezer (FDP) – reagierte zögerlich. Erst das engagierte Eingreifen von Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) führte zu nachhaltigen Ergebnissen.

Kuhn ordnete im vergangenen Herbst einen Fünf-Punkte-Plan an, der bis heute wirkt, aber dessen Inhalte der Schulbürgermeisterin Fezer nicht präsent sind, wie ihr aktuelles Interview mit dem TV-Sender Regio-TV zeigt. Sie offenbarte darin Unkenntnis. Der Fünf-Punkte-Plan sieht vor, den Schulweg, den Schulhof und die Grünflächen um die Jakobschule von Drogenbesteck zu befreien. Auch die Polizeipräsenz soll dauerhaft erhöht werden.

Die Sorgen der Eltern, dieser Maßnahmen-Katalog könnte aus finanziellen Gründen im Jahr 2018 an Kraft verlieren, bewahrheiten sich bisher nicht in der ganzen Breite. Allerdings meint Elternbeiratsvorsitzende Mihaela Manachidis zu erkennen, dass „die Polizeipräsenz nachlässt“.

Blutgetränkte Wattepads auf den Stufen

Das grundsätzliche Problem lässt sich so nicht aus der Welt schaffen. Drogen gehören im Brennpunkt Leonhardsviertel zum Alltag. So werden im Viertel laut des Caritas-Sucht- und Drogenexperten Rainer Lang „täglich zwischen zwei und acht Drogenspritzen“ gefunden. Manchmal gibt es drastische Ausreißer, wenn beispielsweise Blut oder blutgetränkte Wattepads auf den Stufen der Wächterstaffel ein schreckliches Bild abgeben.

Bezirksvorsteherin Mitte, Veronika Kienzle, bestätigt indes, dass der Fünf-Punkte-Plan wirkt: „Dadurch hat sich die Situation an der Jakobschule verbessert. Das ist erfreulich. Aber nun gibt es Klagen von Anwohnern.“ Der Grund dafür ist laut Kienzle eine Ausweitung der „Drogenszene auf die Staffeln am Charlottenplatz, der Hohenheimer Straße und der Neuen Weinsteige. Die Szene erstreckt sich nun auf das ganze Quartier“. Gerade die Staffeln seien für Drogendealer ein idealer Platz, um Geschäfte abzuwickeln, da sie nur von zwei Seiten einsehbar seien. Kienzle ist sich nicht sicher, „ob man dieses Dauerthema im Stadtbezirk und dem Leonhardsviertel jemals in den Griff bekommen wird“.

Wunsch nach mehr Sauberkeit im Umfeld

Gemessen an der Gesamtsituation in der Stadtmitte ist auch die Elternbeiratsvorsitzende Mihaela Manachidis im Großen und Ganzen nicht unzufrieden mit den Wirkungen des Fünf-Punkte-Programms für die Jakobschule. Auch die Maßnahmen, die über den OB-Plan hinaus gehen, stimmen sie zufrieden: „Das Schultor ist nun um 17.15 Uhr geschlossen.“ Mihaela Manachidis kann noch über weitere Fortschritte berichten: „Die Hausmeisterwohnung wird nun renoviert.“

Eine gute Nachricht sei auch, dass „die Caritas weiterhin einbezogen bleibt und zwei Mal am Tag die Umgebung reinigt und Fixerbesteck einsammelt“. Aber offenbar kommt auch das Engagement der Caritas an ihre personellen Grenzen. Daher fordert Mihaela Manachidis: „Die Caritas braucht für diese Arbeit auf Dauer kommunale finanzielle Unterstützung.“ Zudem gibt es aus Sicht der Elternbeiratsvorsitzenden weitere Punkte, deren Umsetzung im Sinne der Schülersicherheit wünschenswert seien. Zum Beispiel die Verbesserung der Beleuchtung des Schulgeländes sowie die Erhöhung des Schulzaunes. Doch diese Forderung nach einem höheren Zaun lehnt Schulbürgermeisterin Isabel Fezer im Fernsehinterview kategorisch ab: „Ich möchte aus dieser Schule keinen Hochsicherheitstrakt machen.“

Bleibt der Wunsch von Mihaela Manachidis nach mehr Sauberkeit im nahen Umfeld der Jakobschule: „Die Baumbeete sind immer noch verwüstet und voller Hundekot.“ www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.drogenszene-in-s-mitte-diskussionen-um-schulschliessung.765fb7f1-af8c-490f-89e9-a5ea3794faa7.html www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.fuenf-punkte-plan-des-ob-wirkt-fezer-verspricht-saubere-und-sichere-jakobschule.eac1c63f-bd01-4114-beed-ab62d8fe2c1b.html

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