Brennstoffzelle Cellcentric: Kretschmann freut sich zu früh
Anders als es der Ministerpräsident vor drei Wochen behauptet hat, ist der Bau der europaweit größten Brennstoffzellenfabrik in Weilheim noch nicht in trockenen Tüchern.
Anders als es der Ministerpräsident vor drei Wochen behauptet hat, ist der Bau der europaweit größten Brennstoffzellenfabrik in Weilheim noch nicht in trockenen Tüchern.
Da hat sich der baden-württembergische Ministerpräsident wohl zu weit aus dem Fenster gelehnt: Bei der Regierungserklärung zur Wasserstoffstrategie im Land hat Winfried Kretschmann vor drei Wochen den Eindruck erweckt, das Projekt von Cellcentric sei bereits in trockenen Tüchern. „Mit Erfolg“, so Kretschmann damals wörtlich, habe er sich „persönlich reingehängt“, damit das Joint Venture von Daimler Truck und Volvo in Weilheim/Teck (Kreis Esslingen) „seine Brennstoffzellenfabrik bei uns im Land bauen kann“.
Geplant seien eine „hochmoderne, ökologisch durchdachte und in die Landschaft eingebettete Fabrik und 800 neue zukunftsfähige Arbeitsplätze“. Kretschmann wörtlich: „Ein Erfolg, über den ich mich sehr freue und über den wir uns alle freuen können. Denn es ist ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg zur Technologieführerschaft.“
Doch von einem Durchbruch kann in Weilheim zumindest momentan noch keine Rede sein. Noch immer hat die Stadt nicht alle Grundstücke erworben, die für die Verwirklichung des ersten Bauabschnitts des Cellcentric-Projekts im neuen, 30 Hektar großen Gewerbegebiet Rosenloh benötigt werden. Für den Verkauf fehlen bei einigen wenigen, aber für die Bebauung des Gewerbegebiets unabdingbaren Flächen die Unterschriften der bisherigen Besitzer.
Darauf hat der Weilheimer Stadtrat Bernd Kautter am Dienstag in der Gemeinderatssitzung hingewiesen, in der der Offenlegungsbeschluss für den Bebauungsplan gefasst worden ist. Während sich die Stadt also verwaltungstechnisch auf einem guten Weg befindet, könnte die Frage des Grunderwerbs das Projekt noch stoppen.
Denn der ursprünglich von Cellcentric angepeilte Baustart, das erste Quartal 2023, ist längst verstrichen. Ende 2025 soll die Brennstoffzellenfabrik stehen und spätestens Anfang 2026 ihre Produktion aufnehmen. Die Zeit drängt also. Für das Joint Venture erklärte Cellcentric-Geschäftsführer Matthias Jurytko am Mittwoch: „Wir freuen uns, dass das Bebauungsplan-Verfahren die nächste formale Hürde genommen hat. Dies ist ein wichtiger Meilenstein für das Projekt. Wir sind zuversichtlich, dass auch die ausstehenden Grundstücke in naher Zukunft durch die Stadt erworben werden können. Ein Beginn der Baumaßnahmen ist weiterhin für das Jahr 2023 geplant.“
Das Weilheimer Rathaus wird ein wenig konkreter. Es bestätigt aber indirekt, dass auch knapp ein Jahr nach dem ursprünglich angepeilten Termin – Bürgermeister Johannes Züfle hatte damals den 1. Juli 2022 als absolute Deadline für die Grundstücksverhandlungen genannt – noch nicht alle Verträge wasserdicht sind. Die Hauptamtsleiterin Daniela Braun formuliert es so: „Mittlerweile sind 96 Prozent der Flächen im Rosenloh der Stadt Weilheim zugesagt. Wir sind zuversichtlich, dass die für die Umsetzung des Gewerbegebiets ausstehenden Grundstücke in naher Zukunft der Stadt ebenfalls zugesagt werden.“
Winfried Kretschmann hat ein ganz anderes Problem. Denn auch bei der Angabe der Arbeitsplätze, die bei Cellcentric neu entstehen sollen, lag er daneben: In Wirklichkeit handelt es sich um höchstens 500 neue Arbeitsplätze. Im Zuge der Verlagerung der Cellcentric-Forschung und -Verwaltung nach Weilheim werden auch 300 bereits existierende Arbeitsplätze nach Weilheim verlagert. Aus dem Staatsministerium hieß es am Mittwoch: Der Ministerpräsident habe in der Regierungserklärung lediglich darauf verwiesen, „dass sein persönlicher Einsatz mit Blick auf den positiv beschiedenen Bürgerentscheid ein Erfolg war“.