Der Bebauungsplan steht
In der Sondersitzung des Weilheimer Gemeinderats hat Weilheims Bürgermeister Johannes Züfle von Erfolgen bei den Verkaufsverhandlungen berichtet: „Beim Grunderwerb ist es unter sehr großen Anstrengungen gelungen, zwei der drei als zentral und für die Ansiedlung von Cellcentric als wichtig bezeichneten Verträge notariell zu beurkunden.“ Ein Dritter steht noch für diese Woche aus. Züfle hofft, dass auch dieser Vertrag zeitnah geschlossen werden kann. Immerhin liege vom Verkäufer eine schriftliche Willensbekundung vor, seine Flächen veräußern zu wollen. Eine weitere Hürde hat Weilheim am Dienstag genommen. Bei zwei Gegenstimmen und einer Enthaltung hat der Gemeinderat mit großer Mehrheit den Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan Rosenloh gefasst. Dieser ist damit rechtskräftig. Der Weg für weitere Verhandlungen mit Cellcentric ist damit frei.
Cellcentric-Chef Matthias Jurytko begrüßte am Mittwoch die Entwicklung ausdrücklich: „Ich habe mich sehr über die erfreulichen Nachrichten aus Weilheim gefreut.“ Sein Dank gehe an den Weilheimer Bürgermeister wie an alle anderen Mitarbeiter der Verwaltung, die an den „intensiven Verhandlungen der vergangenen Wochen“ beteiligt gewesen seien. Sollte alles nach Plan laufen, wollen Weilheim und Cellcentric die Verhandlungen über den Kaufvertrag im Januar fortsetzen. Zwar gebe es auch da noch zahlreiche Details zu klären. Jurytko: „Wir gehen jetzt aber davon aus, dass wir im ersten Quartal definitiv einen Verkaufsabschluss hinkriegen.“
Verzögerungen bei den Grundstücksverhandlungen
Bis dann tatsächlich die Bagger im Rosenloh rollen, werden allerdings noch mindestens zwölf Monate ins Land gehen. Matthias Jurytko: „Für den Bebauungsplan gibt es ja ein einjähriges Einspruchsrecht. Diese Frist müssen und werden wir natürlich abwarten.“ Durch die Verzögerungen bei den Grundstücksverhandlungen habe man rund ein Jahr verloren. Der ursprünglich ins Auge gefasste Start der Weilheimer Großproduktion von Brennstoffzellen Anfang 2026 lasse sich nicht halten. Nun gehe es darum, mit „intelligenten Lösungen“ die verlorene Zeit so gut wie möglich wettzumachen.
Matthias Jurytko: „Wir werden jetzt zunächst unsere bestehenden Kapazitäten nutzen. Wir haben ja in der Esslinger Pliensauvorstadt bereits eine kleine Serienproduktion. Die werden wir so lange nutzen, bis wir die Großvolumenproduktion zum gegebenen Zeitpunkt in Weilheim starten können.“ Der geplante zeitgleiche Bau von Produktionshalle, Verwaltung und Forschungsabteilung lasse sich unter den neuen zeitlichen Herausforderungen allerdings so nicht mehr verwirklichen. Cellcentric will deshalb in Stufen die Produktion, die Forschung und erst am Schluss auch die Administration vom bestehenden Standort im Kirchheimer Stadtteil Nabern nach Weilheim vollziehen. Dieser erste Bauabschnitt soll, sagt Matthias Jurytko, „bis zum Ende der Dekade“ abgeschlossen sein.
Ungeklärte Besitzverhältnisse am Rand des Rosenloh stören zunächst nicht
Das alles könne aber, so der Cellcentric-Chef, wirklich nur geschehen, wenn nun auch der letzte Besitzer von den zentralen Flächen im geplanten Gewerbegebiet diese der Stadt Weilheim zur Verfügung stelle. Dass es, wie Bürgermeister Züfle in der Sitzung auch einräumte, in Randbereichen des neuen Gewerbegebiets noch immer einige ungeklärte Besitzverhältnisse gibt, stört Cellcentric nicht. Jurytko: „Unterschreibt der Grundbesitzer, können wir auf den dann vorhandenen Flächen alle geplanten Volumen und Kapazitäten des ersten Bauabschnitts verwirklichen.“
Möglicherweise führt die Entwicklung dazu, dass Weilheim die erst vor einer Woche vom Verband Region Stuttgart beschlossene Bürgschaft in Höhe von 21 Millionen Euro für den Kauf von 57 Prozent der Flächen im Rosenloh gar nicht benötigen wird. Dennoch lobt der Cellcentric-Chef das außergewöhnliche Engagement der Region in den höchsten Tönen. Nur dadurch sei es möglich gewesen, die notwendige Ruhe in die Verhandlungen zu bringen, um sie zu einem erfreulichen Ergebnis führen zu können.
Diese Rolle spielt die Region beim Cellcentric-Deal
Unterstützung
Weil das Projekt den finanziellen Rahmen der Stadt Weilheim sprengt, hat das als Aufsichtsbehörde zuständige Regierungspräsidium eine Absicherung verlangt. Daraufhin hatte sich der Verband Region Stuttgart in einer bisher einmaligen Aktion bereit erklärt, für den Kauf jenes Teils der Flächen, auf denen das Projekt von landespolitischer Bedeutung entstehen soll, eine Bürgschaft zu übernehmen.
Volumen
Da Cellcentric 15,5 Hektar der knapp doppelt so großen Rosenloh-Fläche nutzen will, hat die Region bis zu 21,1 Millionen Euro, das entspricht rund 57 Prozent der Gesamtkosten, als Bürgschaft zur Verfügung gestellt. Durch diese Absicherung ist es der Stadt Weilheim nun möglich, die bisher notariell vereinbarten Flächen zu erwerben. Viele Kaufoptionen enden am 31. Dezember. Die Bürgschaft ermöglicht es nun, die Verhandlungen zwischen Cellcentric und der Stadt Weilheim in Ruhe zu Ende zu führen.