Brenz-Medaille Außergewöhnliche Auszeichnung

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Die Kirchengemeinderäte Hartmut Neipp und Werner Rabe haben die Brenz-Medaille in Bronze erhalten. Noch nie wurde diese Auszeichnung der Landeskirche in Sillenbuch verliehen.

Hartmut Neipp (l.) und Werner Rabe haben die bronzene Brenz-Medaille erhalten. Foto: z
Hartmut Neipp (l.) und Werner Rabe haben die bronzene Brenz-Medaille erhalten. Foto: z

Sillenbuch - Rund 1320 Stunden seines Lebens hat Hartmut Neipp in Kirchengemeinderats-Sitzungen verbracht. Das sind 55 Tage rund um die Uhr. 30 Jahre war er in dem Gremium der evangelischen Luther-Gemeinde, 18 Jahre als gewählter Vorsitzender. Vergangenen Sonntag wurde er im Gottesdienst für die neuen und ausscheidenden Räte verabschiedet.

Die Summe der Sitzungsstunden hat sein Mitstreiter Werner Rabe ausgerechnet in seiner Abschiedsrede für Neipp erwähnt. Rabe selbst hat derweil noch mehr Stunden auf dem Buckel, er wurde 1979 Kirchengemeinderat. Die Pfarrer Hans-Ulrich Gehring und Wolfgang Berner-Föhl nominierten beide aufgrund dieser Treue für die bronzene Brenz-Medaille und durften Neipp und Rabe am Sonntag diese Auszeichnung der Landeskirche überreichen.

Perplex und sprachlos

„Ich war total perplex und sprachlos“, erzählt Hartmut Neipp von dem Moment in der Kirche, mit dem er nicht gerechnet hatte. „Die Überraschung ist wirklich gelungen“, pflichtet ihm Werner Rabe bei. Die Auszeichnung ist eine Rarität. Seit 1992 wird die nach dem schwäbischen Reformator benannte Johannes-Brenz-Medaille von der Evangelischen Landeskirche verliehen – in Bronze und Silber. Voraussetzung ist ein mindestens 30 Jahre andauerndes ehrenamtliches Engagement.

Besonders freue ihn, dass das Ehrenamt durch die Auszeichnung mal wieder in den Vordergrund gerückt wird, sagt Hartmut Neipp. Doch der 69-Jährige zeigt sich trotz seines Stolzes bescheiden. „Es gibt sehr viele, die schon 30 Jahre mit der Kirche verbunden sind“, sagt er. Das bestätigt Pfarrer Wolfgang Berner-Föhl. Immer wieder gebe es Anerkennung für das Engagement vieler Gemeindemitglieder. Doch Neipps und Rabes Einsatz gehe über das normale Engagement hinaus. Sie zeigten einen „Wahnsinnseinsatz“, wie Berner-Föhl sagt und hätten ihre Arbeit auf „eine dermaßen gute Art gemacht“. Darum habe er sie bei der Landeskirche vorgeschlagen. „Eine Brenz-Medaille hatten wir in Sillenbuch noch nie“, verdeutlicht der Pfarrer die Bedeutung der Auszeichnung.

Ansport und Abschiedsgeschenk

Werner Rabe ist im Dezember erneut in den Kirchengemeinderat gewählt worden. Der 58-jährige Vorsitzende des Bauausschusses hat damit sechs weitere Jahre vor sich. Ein Leben ohne Engagement kann sich der Geometer beim Stuttgarter Vermessungsamt nicht vorstellen. Nachts schlafe er nur vier Stunden, damit er alles unter einen Hut bekommt. Denn er trägt nicht nur zusätzlich zum Hauptberuf Zeitungen aus, sondern ist zudem in der Freiwilligen Feuerwehr in Sillenbuch aktiv. Auch für dieses Ehrenamt wurde Rabe kürzlich geehrt: Zum einen für 25 Jahre Mitgliedschaft und zudem mit dem Ehrenabzeichen in Bronze für 24 Jahre als erster stellvertretender Kommandant. Für die Brenz-Medaille muss er nun einen weiteren Ehrenplatz neben diesen Auszeichnungen finden, erzählt Rabe.

Auch Hartmut Neipp weiß noch nicht, wo im Haus er die Medaille samt Urkunde platzieren wird. Noch soll sie schnell greifbar sein. „Sie ist sehr schön, und es gibt viel darauf zu sehen“, sagt Neipp. Während die Auszeichnung für Rabe Ansporn ist, weiterzumachen, ist sie für Neipp ein Abschiedsgeschenk. Er sei bewusst ausgestiegen, auch weil genügend Junge nachrücken wollten, sagt der 69-Jährige. Er freue sich auf die Ruhe, trotzdem werde er die Arbeit vermissen. Und auch Rabe wird bei der zukünftigen Arbeit etwas fehlen. Er werde Hartmut Neipp vermissen, sagt er. „Er fehlt mir jetzt schon.“

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