Brexit Politik der Dampframme

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Premierministerin Theresa May verbaut sich mit ihrer Schimpftirade jeden Ausweg, kommentiert der London-Korrespondent Peter Nonnenmacher.

Angriffslustig: Theresa May Foto: dpa
Angriffslustig: Theresa May Foto: dpa

London - Am Mittwoch fanden auch Tory-Politiker, die Theresa May bisher die Treue gehalten hatten, dass sie einen Schritt zu weit gegangen sei. Dass sie im Namen eines nebulösen „Volkswillens“ ihr Parlament mit üblen Beleidigungen traktierte, war für die Wenigsten in Westminster noch annehmbar. Mit der Dampframme populistischer Tiraden nämlich zog die Premierministerin gegen die Volksvertretung zu Felde. Schuld der Abgeordneten sei es, wütete sie, dass es zur jetzigen Krise gekommen sei. Fassungslos fragten sich Parlamentarier aller Lager, wessen Schuld das wohl gewesen sei.

Man konnte sich des Eindrucks eines kollektiven Nervenzusammenbruchs an der Themse nicht mehr erwehren. Mit ihrem Ruf nach einem neuen, „endgültigen“ Brexit-Datum – dem 30. Juni – provozierte May zornige Brexiteers, die überhaupt keine Verschiebung wollen, und brachte frustrierte Proeuropäer, die mehr Zeit verlangen, erst richtig in Rage. Auf die Vorstellungen der EU nahm sie, wie üblich, gar keine Rücksicht. Mittlerweile hat sie sich praktisch jeden Ausweg verbaut. Alles, was ihr Stunden vor der Abreise nach Brüssel blieb, waren Eildebatten im Parlament, Notsitzungen des Kabinetts, fiebrige Botschaften. Will da jemand behaupten, dass sich der Grad des Brexit-Chaos nicht immer noch etwas steigern lässt?