Brezel kommt per Taxi Wie ein Start-up traditionellen Bäckern helfen will

Brezeln liefert ein Start-up im Kreis Ludwigsburg in sechs Orten am Wochenende an die Haustür. Bestellt werden muss am Vortag (Symbolbild). Foto: Julia Schramm

Aus dem StZ Plus-Archiv: Hiesige Bäcker liefern mit Hilfe des Start-ups Brezel-Taxi an Wochenenden Laugengebäck und Co. an die Haustüre – auch in der Region Stuttgart. Was macht das Start-up vom Bodensee anders als die Konkurrenz? 

Digital Desk: Michael Bosch (mbo)

Ludwigsburg - Pierre Schmitt ist ein Kind des Südens – und dementsprechend weiß der gebürtige Überlinger gutes Laugengebäck zu schätzen. Weil er in seinem Leben die Heimat auch schon verlassen hat, hat er gelernt, dass es große Unterschiede, besonders bei Brezeln, gibt – selbst innerhalb des Schwabenlands.

 

Kleine Handwerksbetriebe zu unterstützen, das hat sich der 33-Jährige deshalb zur Aufgabe gemacht, obwohl er selbst gar kein gelernter Bäcker ist. Deshalb hat er vor einem Jahr mit zwei anderen das Start-up Brezel-Taxi gegründet. Das junge Unternehmen stellt eine technische Infrastruktur zur Verfügung, mit der Bäcker einfach einen Lieferservice aufziehen können. Unter anderem beinhaltet sie neben einer App für die Bestellung auch ein Navigationssystem für Fahrer; wenn der Bäcker das möchte, organisiert das Start-up auch die Fahrer und Fahrzeuge. „Die meisten haben für digitale Themen keine Zeit und keinen Kopf“, sagt Pierre Schmitt.

Den richtigen, guten Bäcker zu finden, ist schwierig

Die Idee ist nicht neu, Onlineanbieter, die den Lieferservices für die Bäcker übernehmen, gibt es mehrere. Das Brezel-Taxi will sich von ihnen unter anderem unterscheiden, indem es den Bäckern keine horrenden Rabatte abverlangt. Außerdem arbeitet das Start-up nicht mit jedem zusammen. Wer die Brezeln nur auf- und nicht selbst backt, der fällt durch. „Wir wollen feste Partnerschaften mit den Betrieben eingehen“, sagt der gelernte Wirtschaftsinformatiker Schmitt, der aus Neugierde vor seiner jetzigen Tätigkeit auch einige Praktika bei Bäckern absolviert hat. In Stuttgart ist sein Unternehmen noch auf der Suche nach einem Partner, erste Gespräche haben sie bereits geführt. „Richtig gute Bäcker“ zu finden, sei das schwierigst, so Schmitt.

Aus unserem Plus-Angebot: Gewerkschaft: K&U Bäckerei wird zerlegt

In Ludwigsburg haben Schmitt und seine Mitstreiter einen Partner-Bäcker gefunden. Über eine Empfehlung eines Bäckers aus Heilbronn kamen sie auf Felix Remmele. Der Geschäftsführer der Bäckerei Luckscheiter war schnell überzeugt. Zu Beginn der Pandemie hatte die Ludwigsburger Bäckerei einen eigenen Lieferservice eingerichtet, „wir mussten uns dann aber schnell auf unser Hauptgeschäft konzentrieren“, sagt der 31-Jährige. Kunden hätten auch immer mal wieder den Wunsch geäußert, dass es schön wäre, wenn sie etwas bestellen könnten. „Und wir können uns einen Markt in den Orten erschließen, in denen wir keine Filiale haben“, sagt Remmele. In den vergangenen Wochen kamen schon die ersten Ortschaften dazu. Jetzt liefern die Fahrer an Samstagen und Sonntagen die Luckscheiter-Waren von Freiberg bis Kornwestheim und von Möglingen bis Poppenweiler aus.

Wie funktioniert das Brezel-Taxi?

Andere Angebote, die mit dem Brezel-Taxi vergleichbar sind, seien ihm aber zu teuer gewesen. Umsonst bietet Brezel-Taxi seine Dienstleistung freilich auch nicht an. Auf den Preis für die Backwaren wird ein kleine Pauschale aufgeschlagen, das Liefern kostet 2,85 Euro extra. Das zahlen viele Kunden offenbar gern. Das Angebot gibt es im Kreis Ludwigsburg nun seit fünf Wochen, an jedem Wochenende – wenn die Lieferfahrzeuge unterwegs sind – kamen fast ein Drittel mehr Bestellungen hinzu. Inzwischen ergänzen auch andere Frühstücksutensilien, wie Marmelade, Honig oder Eier das Sortiment. Derzeit wird mit einem lokalen Metzger verhandelt. Den Verantwortlichen ist wichtig, dass alle Produkte regional sind.

Lesen Sie hier: Die Geheimrezepte der Bäckereien

Natürlich wissen Schmitt und Remmele, dass der Umwelt am meisten geholfen wäre, wenn die Kunden einfach zu Fuß zum Bäcker gehen würden. „In Innenstadtlagen ist das aber oft so eine Sache mit dem Parken“, sagt Schmitt. Und der Routenplaner sorge dafür, dass bei der Lieferung möglichst wenig Strecke zurückgelegt werden müsse. „Außerdem ist es doch besser, wenn nur ein Auto 25 Haushalte beliefert, und sie nicht alle separat das Frühstück holen müssen.“

Weitere Themen