Verspätete Briefe in Stuttgart Wie die Post das Problem lösen möchte

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Die Weihnachtskarten kommen erst nach dem Fest an, und die Konzerttickets liegen erst nach dem Termin im Briefkasten. Nach etlichen Beschwerden entschuldigt sich die Deutsche Post nun für das Chaos bei der Briefzustellung.

Auf der Filderebene sind Briefe in den vergangenen Wochen oft verspätet oder noch gar nicht zugestellt worden. Foto: dpa/Monika Skolimowska
Auf der Filderebene sind Briefe in den vergangenen Wochen oft verspätet oder noch gar nicht zugestellt worden. Foto: dpa/Monika Skolimowska

Filder - Von dieser Woche an könnte alles besser werden. Denn am Montag haben drei neue Mitarbeiter bei der Deutschen Post im Zustellungsbereich Filder ihre Arbeit aufgenommen. In der Region habe man derzeit einen sehr engen Personalbestand, räumt der Pressesprecher Gerold Beck ein und erklärt so, dass in vielen Stadtbezirken auf den Fildern Post immer wieder nur mit deutlicher Verzögerung zugestellt wurde.

Das bestätigen etliche Reaktionen auf die Berichterstattung unserer Zeitung. „Hier in der Agnesstraße ist das seit Wochen ein Dauerproblem. Es kommt nichts, und wenn, dann gebündelt, immer aber viel zu spät“, sagt Eberhard Weiss. Er wohnt an der Agnesstraße in Degerloch und nennt ein paar Beispiele, welche kuriosen Blüten die verspätete Postzustellung treibt: „Konzertkarten für die Samstagaufführung, verschickt am Montag, 9. Dezember, kamen am Dienstag, 16. Dezember, also eine Woche später – nach dem Konzert. Und Weihnachtspost, Poststempel vom 16. und 22. Dezember, kam am 30. Dezember an.“ Die gesamte Nachbarschaft sei „verschnupft“.

Probleme hat es auch in Stuttgart-Rohr und Stuttgart-Heumaden gegeben

In Heumaden trifft man sich derweil am Kontoauszugsdrucker. Das berichtet Charlotte Schuh, denn weil im Stadtteil kaum noch Post in den Briefkästen sei, also auch keine Kontoauszüge, würden sich viele Menschen diese direkt bei der Bank abholen. „Das Thema Nicht-Zustellung ist flächendeckend in Heumaden feststellbar“, sagt Schuh und ergänzt: „Bislang kam bei uns am Brachetweg am 20. Dezember einmal Post, dann am 30. Dezember und dann wieder am 3. Januar.“ Schuh spricht von einem Desaster. „Die Post täte gut daran, das Problem nicht herunterzuspielen.“ Eine Entschuldigung sei angezeigt. „Man kann nicht laufend das Porto erhöhen und die Dienstleistung total herunterfahren“, kritisiert sie. Mittlerweile hätten viele Menschen im Stadtteil die Befürchtung, dass die Rückstände nie mehr aufgearbeitet werden und die liegen gebliebene Post irgendwo verrottet. Schuh hat sich inzwischen schriftlich beschwert und auch Nachbarn geraten, das zu tun. Sie spricht von einem Vertrauensbruch.

Auch in Rohr gab es in den vergangenen Wochen immer wieder Probleme mit der Briefzustellung. „Wir haben schon seit Längerem die Vermutung, dass hier ein systematisches Problem vorliegt“, sagt Susanne Köhrer. Am 2. Januar habe die Familie zwei Briefe aus Möhringen erhalten, die dort jeweils am 19. Dezember abgestempelt worden seien. „Die Laufzeit betrug also genau 14 Tage“, so Susanne Köhrer. Bereits im November habe sie sich beschwert, nachdem sie fünf Tage lang auf einen Brief aus Heilbronn habe warten müssen. Passiert sei aber nichts. „Das Problem ist, dass es völlig unklar ist, wo man sich in einem solchen Fall beschweren soll“, sagt Köhrer und ergänzt: „Wir vermuten, dass die Briefträger mit der Masse der Briefe und der Größe der Bezirke völlig überlastet sind und keinerlei Reserven vorgehalten werden.“

Die Deutsche Post findet nicht genügend Personal

Gerold Beck erklärt auf Nachfrage unserer Zeitung, dass es gerade vor Weihnachten einerseits „extrem hohe Sendemengen“ gegeben habe und man andererseits personell extrem dünn besetzt gewesen sei. „Personalausfälle und -abgänge erschweren momentan die tägliche pünktliche Auslieferung im Filderbereich“, sagt Beck. Ende Dezember klang das noch anders. Damals ließ er gegenüber unserer Zeitung verlauten, dass er „speziell für den Filderraum keine besonderen Schwierigkeiten feststellen könne“.

Nun sagt Beck: „Natürlich halten wir auch Vertretungen vor. Aber wir finden einfach nicht die Menge an Kräften, die wir bräuchten.“ Die Post sei bemüht, „mit verschiedenen Maßnahmen und ordentlicher Bezahlung geeignetes Personal zu gewinnen“. Schließlich zahle man einen Stundenlohn von 14 Euro. Klar sei, dass die Austräger selbst keine Schuld treffe. „Die Kollegen vor Ort geben ihr Bestes. Auch wenn die Bezirke in aller Regel mit einer Kraft besetzt sind, so kommt es doch vor, dass die Zustellkraft wegen der einzuhaltenden täglichen Höchstarbeitszeit die Zustelltour an ein paar Tagen abbrechen muss, bevor wirklich alle Kunden im Bezirk bedient waren“, erklärt der Pressesprecher. Die Mitarbeiter seien in solchen Fällen angehalten, die Zustellung am nächsten Tag an der Stelle zu beginnen, an der sie diese am Tag zuvor unterbrochen hatten. Dadurch solle ausgeschlossen werden, dass Kunden an mehreren aufeinander folgenden Tagen keine Post erhalten. „Scheinbar konnte dies aber in einigen Fällen nicht überall eingehalten werden – dafür entschuldigt sich die Deutsche Post“, so Beck.




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