Der Aufstieg der Modern-Metal-Giganten Bring Me the Horizon aus dem englischen Sheffield ließ sich in Stuttgart mustergültig mitverfolgen: 2010, 2013 und 2015 zerlegte die Band mit ihrem damals noch recht brutalen Sound das LKA, 2018 kam dann der Sprung in die Schleyer-Halle. Abgehängt damals zwar noch und nicht mal halb voll, aber dennoch ein Indiz für den unaufhaltsamen Weg nach oben. Jetzt, fünf Jahre nach dem letzten Gastspiel in Stuttgart, sind sie zurück in der größten Halle der Stadt. Und diesmal ist sie fast voll. 11 000 Menschen sind es an diesem Abend.
Das Bemerkenswerte: Bring Me the Horizon haben ihr letztes Album vor über vier Jahren veröffentlicht. Und sind im Schatten der Pandemie dennoch endgültig zu einer der größten Metal-Bands des Planeten geworden. Früh am Abend bereiten die beiden Support-Bands Static Dress und Poor Stacy das Feld für das erste große Highlight: A Day To Remember aus Florida zeigen rund 45 Minuten, wie nah sich die Genres Metal und Pop eigentlich sind: Brutale Breakdowns und tiefes Gurgeln treffen auf große, emporstrebende Melodien und harmonische Gesangslinien.
Sänger Oliver Sykes geht auf Tuchfühlung
Weswegen an diesem Mittwochabend alle nach Bad Cannstatt gekommen sind, wird danach sehr deutlich. Die Pausenmusik bricht abrupt ab, das Licht erlischt und die Schleyer-Halle erbebt vor Jubel. Ein lautes Publikum hatten Bring Me The Horizon schon immer. Es scheint aber, dass die Fans ihre Stimmbänder in den letzten Jahren eigens für diesen Abend gestählt haben.
Die folgenden 80 Minuten nutzen Frontmann Oliver Sykes und seine Band für eine eindrucksvolle Demonstration ihrer Stärke. Bring Me the Horizon konzentrieren sich überwiegend auf Material ab 2010, mit dem epischen „Can You Feel My Heart“ von ebenjenem Album eröffnen sie schon seit einiger Zeit ihre Konzerte. Der massive Beat und die verzweifelten Vocals setzen die Schleyer-Halle augenblicklich in Brand.
Im Verlauf der Show wird deutlich, wie viele Hits die Engländer mittlerweile in der Hinterhand haben: Das ironisch-rockige „Happy Song“, der massive Groove von „Mantra“ oder die epochale Pandemie-Hymne „Parasite Eve“ gehen der Band in beeindruckender Dichte und explosiver Wucht von der Hand. Als der früher sehr unnahbare Sänger bei „Drown“ dann auch noch auf Tuchfühlung mit dem Publikum geht, gibt es in den vorderen Reihen kein Halten mehr. Die perfekte Mischung aus Aggression und Gefühl. Rund 15 Jahre haben Bring Me the Horizon gebraucht, um von den Rüpeln aus der letzten Reihe zu einer der gefeiertsten Bands der harten Musik zu werden. Nicht auszudenken, wo sie in ein paar Jahren stehen werden.