Bei einer Gläubigerversammlung im Forum am Schlosspark in Ludwigsburg wurden am Mittwoch erste Ergebnisse des Insolvenzverfahrens der Paulus Wohnbau präsentiert. An fünf Projekten soll schon bald weitergearbeitet werden, sieben weitere sind wohl ebenfalls gerettet. Zudem gibt es Hinweise zur aktueller Lage des angeschlagenen Unternehmens – und einen Seitenhieb.
Laut einer Pressemitteilung des Büros des Insolvenzverwalters Holger Leichtle waren rund 100 Gläubiger bei der Veranstaltung anwesend und bekamen neue Informationen zu den mindestens 25 Paulus-Bauprojekten. Diese lassen sich im Grunde in vier Kategorien unterteilen.
Übersicht über die Bauprojekte
Die erste Kategorie umspannt acht Projekte, für fünf davon gibt es bereits Fortführungsvereinbarungen. Die Bauarbeiten sollen demnach in den kommenden Tagen fortgesetzt werden. Unter diesen Projekten befinden sich unter anderem Gebäude in Steinheim-Höpfigheim, Sindelfingen-Maichingen und Leinfelden-Echterdingen. Für die drei restlichen Projekte gebe es „aussichtsreiche Verhandlungen“. Die Nachfrage, ob die Eigentümer wegen der Verzögerung mit Mehrkosten rechnen müssen, beantwortete der Insolvenzverwalter am Mittwoch unterdessen nicht.
Die zweite Kategorie betrifft sieben Projekte, die laut Pressemitteilung „unter Regie einer weiteren Bank, durch deren Beauftrage oder durch Dritte“ fertiggestellt werden. Dazu gehören Projekte in Heilbronn und Wiernsheim. Die Nachfrage, um welche Bank und welche „Dritte“ es sich dabei handelt, lies der Insolvenzverwalter unbeantwortet.
Zehn weitere Projekte gehören zur dritten Kategorie. Die stehen noch auf der Kippe – „hier sind wir weiter in Verhandlungen mit Banken“, sagt Holger Leichtle. Die vierte und letzte Kategorie sind Paulus-Projekte im Entwicklungsstadium, diese werden aller Voraussicht nach verkauft.
Die Pressemitteilung enthält jedoch weitere Infos, einige mit Sprengstoff. Beispielsweise heißt es fast beiläufig, dass Bestandsobjekte der insolventen Paulus-Wohnbau voraussichtlich veräußert werden. Es könnten also bald Grundstücke und Liegenschaften im Besitz der Paulus Wohnbau verkauft werden.
Kritik zwischen den Zeilen
Zudem schwingt zwischen den Zeilen Kritik des Insolvenzverwalters Holger Leichtle an der Paulus Wohnbau mit. Zur Erinnerung: Geschäftsführer Erwin Paulus wollte das Insolvenzverfahren zu Beginn in Eigenverwaltung durchziehen, was jedoch am Veto der Banken scheiterte. Durch diesen Versuch der Eigenverwaltung habe man „Zeit für Verhandlungen mit Banken, Lieferanten und Bauherren verloren“, heißt es in der Pressemitteilung.
Zudem scheint die Lage der angeschlagenen Paulus Wohnbau immer kritischer. Laut Pressemitteilung werden die Gehälter der verbleibenden Paulus-Mitarbeiter seit rund zwei Monaten von einem sogenannten Maßkredit finanziert, also einem Kredit mit besonders niedrigen Monatsraten.
19 Mitarbeitern musste gekündigt werden, fünf weitere haben gekündigt. Aktuell werde der operative Geschäftsbetrieb mit zwölf Mitarbeitern aufrechterhalten. Die Situation scheint so dramatisch, dass angeblich ein Umzug in kleinere Büroräumlichkeiten ansteht. Und das, obwohl die Paulus Wohnbau erst im vergangenen Sommer in die brandneue Zentrale mitten in Pleidelsheim gezogen ist.
Erwin Paulus beantwortet seit einigen Wochen keine Anfragen mehr, auch am Mittwoch blieben ein Anruf und eine Mail unbeantwortet. Die Hoffnung schwindet, dass sich die Paulus-Unternehmensgruppe von der Insolvenz erholt.