Britische Flüchtlingspolitik Camerons Tunnelperspektive

Die Polizei geht rüde gegen Flüchtlinge in Calais vor, die  nach Großbritannien wollen. Foto: AFP
Die Polizei geht rüde gegen Flüchtlinge in Calais vor, die nach Großbritannien wollen. Foto: AFP

Der britische Premier Cameron spielt mit seiner harten Abgrenzungspolitik denen in die Hände, die von Europa eh nichts wissen wollen, kommentiert Peter Nonnenmacher.

Korrespondenten: Peter Nonnenmacher (non)
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London - Lange hat man in London geglaubt, sich das Problem der Mittelmeer-Flüchtlinge vom Hals halten zu können. Bei Rettungsaktionen hat sich die Royal Navy bewusst zurück gehalten. Auch ein festes EU-Kontingent an angespülten Migranten hat Großbritannien nicht akzeptieren wollen. Nun aber hat der zäheste Teil der Flüchtlinge Calais erreicht und ein gewisses Chaos am Kanaltunnel ausgelöst.

Der Verkehr beginnt, ausgerechnet zur Haupturlaubszeit, ins Stocken zu geraten. Und ein Ende des Problems ist, wie Premier Cameron sagte, nicht abzusehen. Instinktiv sucht man sich auf der Insel abzugrenzen – buchstäblich mit höheren Zäunen, mit mehr Polizei, mit schärferen Gesetzen. Die Boulevardpresse verlangt bereits Armee-Einsätze. Von einer „Invasion“ ist, auch bei Politikern, die Rede.

Das mag in keinem Verhältnis zu den Realitäten stehen, weckt aber den Wunsch nach kollektivem Widerstand gegen finsteren Gefahren. Ein paar tausend armselige Gestalten verwandeln sich so schnell in eine nationale Bedrohung. Auch Camerons Beschwörung von „Schwärmen“, die einzufallen drohen, schafft keinen kühlen Kopf bei der Begutachtung der Lage. Es spielt nur denen in die Hände, die sich am liebsten ganz einzäunen und absondern würden – und denen weder an europäischer noch an sonstiger Solidarität etwas liegt.




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