Britisches Königshaus Kann es mit Harry keinen Frieden geben?
Prinz Harry würde sich gern mit seiner Familie wieder versöhnen. Sein jüngstes BBC-Interview hat aber am Wochenende Wirbel und viel neuen Unmut ausgelöst.
Prinz Harry würde sich gern mit seiner Familie wieder versöhnen. Sein jüngstes BBC-Interview hat aber am Wochenende Wirbel und viel neuen Unmut ausgelöst.
Wenn sich am Montag die Windsors auf dem Balkon des Buckingham-Palastes versammeln, wird die Abwesenheit des Fünften in der Thronfolge ihnen schmerzlicher bewusst sein denn je.
Nicht nur fehlt Prinz Harry, der jüngere Sohn des Königs, wie schon bei früheren Anlässen nun auch zum großen Auftakt der einwöchigen britischen Gedenkfeiern zum 80. Jahrestag des Kriegsendes. Harrys neueste bittere Bemerkungen über die Familie haben den Royals zugleich deutlich gemacht, dass es offenbar weiterhin keinen Frieden zwischen ihnen und dem „verlorenen Sohn“ geben kann.
Denn in einem viel beachteten halbstündigen Interview mit der BBC ist es dem nach Kalifornien abgewanderten Prinzen gelungen, die daheim gebliebenen Mitglieder der Königsfamilie erneut vor den Kopf zu stoßen und im Königshaus heftige Ressentiments auszulösen. Dabei hatte Harry erklärt, er sei auf Versöhnung aus und vergebe seinen Verwandten alles, was sie ihm angetan hätten in letzter Zeit.
Dass die Familie wiederum Harry vergeben kann, ist nicht sehr wahrscheinlich. Aus dem Umfeld der Royals war am Wochenende zu hören, dass man im Buckingham „die Augen himmelwärts gerichtet“ habe in Verzweiflung über Harrys beharrlichen Zorn und seinen Hang zur Indiskretion.
Anlass für die jüngsten Äußerungen des Prinzen war dessen Niederlage vor dem Berufungsgericht in London in der Frage, ob ihm, seiner Frau Meghan und den beiden Kindern des Paares bei Aufenthalten in Großbritannien der britische Staat die für andere Royals gültigen Sicherheitsmaßnahmen schuldig sei.
Das war nicht mehr der Fall, seit sich Harry und Meghan vor fünf Jahren aus dem Kreis der „arbeitenden Royals“ verabschiedet hatten, um ein eigenständiges Leben erst in Kanada und dann in den USA anzutreten. Gegen die entsprechende Herabstufung daheim in London hatte sich Harry vor Gericht gewehrt.
Äußerst empört hatte der 40-jährige Prinz am Freitag reagiert auf den für ihn enttäuschenden Ausgang des dreijährigen Prozesses, den er gegen das Londoner Innenministerium angestrengt hatte (und der ihn schätzungsweise 1,5 Millionen Pfund kosten wird). Ohne die betreffenden Garantien, erklärte Harry, sei es ihm „unmöglich“, seine Frau und seine Kinder je wieder mit ins Vereinigte Königreich zu bringen – und alles nur, weil man bei Hofe seine Bewegungsfreiheit kontrollieren wolle „mit diesem Sicherheitszeug“.
In diesem Zusammenhang warf Harry seinem Vater – König Charles – praktisch vor, nicht genug unternommen zu haben, um ihm zu helfen. Auch Premierminister Keir Starmer und Innenministerin Yvette Cooper forderte er auf, etwas zu seinen Gunsten zu tun. Leider habe er den Eindruck, meinte er, dass es sich hier um „ein abgekartetes Spiel des Establishments“ gehandelt habe: „So fühlt sich das jedenfalls an.“
Dabei, meinte Harry, wünsche er sich nichts mehr als eine Aussöhnung mit der Familie. Die allerdings ist schwierig geworden, nachdem Harry seinen Bruder William, Schwägerin Kate und die Frau seines Vaters, Königin Camilla, in den vergangenen vier Jahren mehrfach heftig angegriffen hat. Und einfacher habe Harry die Sache auch nicht gemacht mit seinen jüngsten Äußerungen, finden britische Hofberichterstatter und Kommentatoren jetzt.
Harry sei „eine traurige Figur“, urteilte die Londoner „Times“ am Wochenende. „Zum Verheilen alter Wunden hat sein öffentlicher Ausbruch nicht gerade beigetragen.“ So beklagte sich Harry bitter darüber, dass „mein Vater nicht mehr mit mir spricht wegen dieser Sicherheitsfrage“. Dabei habe es, nach all den Zerwürfnissen der letzten Jahre, „doch keinen Sinn, noch weiter zu streiten. Das Leben ist so kostbar. Ich weiß ja nicht, wie lange mein Vater noch zu leben hat.“
Letztere Bemerkung vor allem hat zu beträchtlicher neuer Unruhe und zu viel Unmut geführt in London. Seit König Charles vor 15 Monaten mit Krebs diagnostiziert wurde, hat man sich bei Hofe bemüht, dazu nichts Konkreteres verlauten zu lassen. Der Monarch selbst schweigt sich in diesem Punkt beharrlich aus. Über die Art und über den Ernst seiner Erkrankung ist so nichts bekannt geworden. Charles hat sich schlicht in die Arbeit gestürzt. Er will keine Schwäche zeigen und sein Amt nach Kräften versehen. Momentan planen er und Camilla eine Reise nach Kanada, zur Eröffnung des dortigen Parlaments.
Prinz Harrys Worte jedoch haben Spekulationen über den Gesundheitszustand des Königs neue Nahrung gegeben. Das bringt viele Royalisten gegen Harry auf. Statt darüber zu jammern, dass er seine alte Heimat schmerzlich vermisse, und dass seine Kinder ihren Großvater, den König, womöglich nie richtig kennenlernen würden, solle der Prinz lieber aufhören, die Windsors immer neu zu befehden, finden Harrys Kritiker. Besser wäre es, der Prinz würde schweigen – und wäre am Montag auf dem Balkon mit dabei.