Britisches Königshaus Kates Neustart im neuen Heim

Geben sich naturverbunden: Prinz William und Kate Middleton, hier bei einem Besuch einer Farm in Darlington. Foto: imago images

Sie ist das beliebteste Mitglied der königlichen Familie. Doch hat die Prinzessin von Wales auch klare Vorstellungen davon, was sie will.

Korrespondenten: Peter Nonnenmacher (non)

Hübsch ist es ja, das kleine Landgut, in das der Prinz und die Prinzessin von Wales demnächst mit ihren Kindern ziehen wollen. Forest Lodge, mit seinen Gärten, seinen Waldstücken und dem Tennisplatz hinterm Haus, steht an einem der schönsten Flecken in den Ländereien der Windsors, in Windsor Great Park.

 

Hier kann sich vor allem Kate offenbar den „Neustart“ vorstellen, von dem sie gesprochen hat nach ihrer Krebsbehandlung und in der Hoffnung auf ein „normaleres“ Leben für George, Charlotte und Louis und natürlich für sich selbst und für William. Insbesondere hat sie schon klar gemacht, dass ihr nächstes Zuhause ein „forever home“ sein soll – eine Wohnstätte auf Dauer, auch für die Zeit, in der William einmal König von England und sie Königin sein wird.

Da lässt es sich zur Not auch wohnen: Forest Lodge im Windsort-Park. Foto: imago/Heritage Images

Spötter aus dem republikanischen Lager finden es natürlich leicht übertrieben, dass man bei Hofe jetzt von einem bescheideneren Lebensstil der Waleses spricht. Immerhin ziehen Kate und William von Adelaide Cottage mit seinen vier Schlafzimmern in ein Landhaus mit acht. 16 Millionen Pfund soll die 328 Jahre alte Forest Lodge wert sein. Kaum ein Normalsterblicher im Königreich könnte sich ein solches Zuhause und dessen Unterhalt leisten – mögen sich die Prinzessin und der Prinz von Wales neuerdings auch als „Royals mit kleinem r“ verstehen.

Andererseits hebt sich Forest Lodge schon deutlich ab von den großen Palästen, in denen zu leben die Windsors von altersher gewohnt waren. Onkel Andrews fürstliche Behausung auf dem Windsor-Gelände zum Beispiel verfügt über mehr als 30 Zimmer (obwohl ihn kaum mehr jemand besuchen kommt).

In Forest Lodge soll es auch keine dort wohnenden, also rund um die Uhr verfügbaren Dienstboten geben. Möbel hat man sich teils aus überschüssigen Beständen der Familie kommen lassen. Und ihre Kinder zur Schule zu bringen, wollen die Eltern weiter nach Kräften selbst bewerkstelligen. Kate vor allem scheint fest entschlossen, ihren 12, 10 und 7 Jahre alten Sprösslingen ein halbwegs entspanntes Familienleben im kleinen Kreis – und in enger Verbindung zur Natur – zu sichern, statt sie in der steifen Atmosphäre eines Schlosses aufwachsen zu sehen.

Wie sehr sie selbst sich „in freier Natur geborgen“ fühlt, hat die 43-jährige Prinzessin ja wiederholt erklärt, zumal seit ihrer Krebs-Diagnose und Behandlung. Dass es ihr wieder ganz gut gehe, hat Fragen nach ihrem Gesundheitszustand zwar nicht zum Verstummen gebracht. Allgemein akzeptiert ist freilich, dass sie fürs erste weniger royale Pflichten übernimmt, nicht nur um sich zu schonen, sondern auch weil sie mehr Zeit mit ihrer Familie verbringen will.

Sie will nicht bloß repräsentieren

Tatsächlich sind die „aktiven Royals“ um König Charles generell dabei zu überdenken, in welchem Masse sich die Rolle der Krone zu verändern habe. All die traditionellen Fahrten durchs Land, die zahllosen Auftritte, die pflichtschuldigen Einweihungen, das Durchschneiden roter Bänder – all das scheint jetzt ebenso an Bedeutung zu verlieren wie die Zurschaustellung prunkvoller Fassaden, die noch unter Queen Elizabeth so wichtig war.

Nicht dass Kate Middleton, bürgerlicher Herkunft und noch als Prinzessin die Personifikation des englischen Mittelstandes, es an Pflichtbewusstsein je hätte fehlen lassen. Aber zusammen mit William hatte sie es früh schon mehr auf Wirkung, auf sozialpolitischen „impact“, als auf blosses Repräsentieren angelegt.

Ihre Kampagne für einen „besseren Start“ für Kleinkinder ins Leben etwa ist ihr von Anfang an wichtig gewesen. Mehr Nähe zu den Untertanen der Krone war für sie ebenfalls angesagt. Statt sich etwa zu Terminen mit Kindern chauffieren zu lassen, hüpfte sie lieber gleich zu ihnen in den Minibus.

Insbesondere in den Covid-Jahren gelang es ihr, sich mit ihren Auftritten Tag für Tag mehr Popularität zu verschaffen. Seither haben Großbritanniens königstreue Medien, die Harry und Meghan nie für deren „Flucht nach Amerika“ vergaben, sie zum Liebling der Nation erkoren. Nun, da sie etwas seltener in Erscheinung tritt, warten Fotografen und Hofberichterstatter umso erwartungsvoller auf sie.

Sie selbst weiß, dass sie heute – laut Meinungsumfragen – das populärste Mitglied der königlichen Familie ist. Diese Ehre kam früher stets Königin Elizabeth zu. Ihre Krankheit habe ihr jedenfalls, sagt sie, in vielen Dingen zu einer „rundum neuen Perspektive“ und zu mehr Klarheit verholfen. Auch ihren Mitbürgern könne sie nur raten, in einer „zunehmend komplexen und digitalen Welt“ öfter mal Telefon und Computer abzuschalten. Durchgehend erreichen wird man sie in Forest Lodge also nicht.

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