Brückenbau in Esslingen Neubau der Pliensaubrücke: Pläne werden konkreter

Der Mittelteil der Pliensaubrücke gilt als marode und unattraktiv – und wird seit Jahren von hohen Gittern verunziert. Foto: Roberto Bulgrin

Der Mittelteil der Esslinger Pliensaubrücke wird neu gebaut; und wegen der Zunahme an Fußgängern und Radfahrern breiter als zunächst geplant. Davon wird auch der Merkelpark betroffen sein – und Umleitungen nötig werden.

Die Esslinger Pliensaubrücke ist hoch frequentiert. Nicht nur viele Fußgänger, sondern auch zahlreiche Radlerinnen nutzen die Verbindung zwischen Pliensauvorstadt und Innenstadt. Doch neben dem regen Verkehr hat auch der Zahn der Zeit an der Substanz der Brücke genagt. Vor allem der Mittelteil der Querung über dem Neckar ist marode und soll deshalb neu gebaut werden, wie der Gemeinderat im vergangenen Jahr beschlossen hat. Inzwischen sind die Planungen vorangeschritten.

 

Mehr Fußgänger und Radfahrer gezählt

So ist jetzt klar, dass die rund 12,3 Millionen Euro teure neue Brücke etwas breiter werden soll als ursprünglich vorgesehen. Denn eine Verkehrszählung im Juni hat ergeben, dass offenbar mehr Fuß- und Radverkehr über die Pliensaubrücke läuft als noch bei den letzten Verkehrszählungen in den Jahren 2018 und 2020.

Deshalb plant man die neue Querung nun mit sechs Metern Breite statt der ursprünglich vorgesehenen fünf Meter und die Rampe in den künftigen Neckaruferpark hinunter soll fünf statt der bislang geplanten vier Meter breit werden – auch weil man den Fuß- und Radverkehr auf der gesamten Pliensaubrücke getrennt voneinander führen will, um Konflikte zu vermeiden und die Sicherheit zu erhöhen. An den Übergängen zur Steinbogenbrücke und zur Bahnbrücke mit dem Treppenabgang zum Promenadenweg wird die Brücke auf bis zu 8,50 Meter aufgeweitet.

Barrierefreie Rampe in den künftigen Neckaruferpark hinunter

Zudem hat man sich mit der Arbeitsgruppe Barrierefreiheit auf eine knapp 100 Meter lange Rampe von der Pliensaubrücke in den künftigen Neckaruferpark hinunter geeinigt, die mit mehreren Podesten durchsetzt ist. Auch ein Leitsystem für blinde und sehbehinderte Menschen ist geplant. Bis die Rampe tatsächlich genutzt werden kann, wird es aber noch dauern. Denn fertiggestellt wird die neue Brücke nach derzeitigen Plänen voraussichtlich erst im Jahr 2027 – und während der Bauarbeiten wird der Fuß- und Radverkehr über die Vogelsangbrücke umgeleitet. Dort will man dem Autoverkehr eine Fahrspur abknapsen, die dann den Radlerinnen und Radlern zur Verfügung gestellt wird.

Auch im Merkelpark wird sich einiges ändern. Denn durch den Park und über die Pulverwiesenbrücke wird die Baustraße für den Neubau der Pliensaubrücke eingerichtet. Zwar sollen schwere Arbeiten wie der Rückbau des Tragsystems der bestehenden Brücke oder der Abtransport von Erde und Bauschutt über das Wasser mittels Pontons, Materialschiffen oder Schwimmkränen erfolgen. Dennoch könnten viele Maschinen und Materialien nur über den Landweg angeliefert werden, weshalb die Baustraße durch den Merkelpark nötig werde. „Alles via Schiff zu erledigen, wäre viel zu teuer, zu aufwendig und zu langwierig“, gibt Thomas Gruseck vom Esslinger Tiefbauamt zu bedenken.

Zumal die Baustraße auch noch genutzt werden könne, wenn die neue Brücke fertig ist, und zwar für den zweiten Bauabschnitt des Neckaruferparks. Wenn dieser fertiggestellt ist, soll die Baustraße dann zurückgebaut und der Parkweg in neuer Form angelegt werden, nämlich breiter und mit neuem Belag. Damit ergebe sich dann künftig insgesamt auf knapp drei Kilometern Länge ein durchgängig komfortabler Fuß- und Radweg von der Siemensstraße bis zur Pulverwiesenbrücke einschließlich der Anbindung an die Pliensaubrücke, kündigt die Stadt an.

Im jüngsten Ausschuss für Bauen, Mobilität und Klimaschutz kamen die Pläne gut an. Vor allem der von den Planern anvisierte leichte und filigrane Bau als Ersatz für den maroden Mittelteil der Pliensaubrücke wurde in dem Gremium gelobt – zumal die aktuelle Brückenmitte als optisch unattraktiv gilt und seit Jahren von hohen Gittern verunziert wird. Der CDU-Rat Herbert Schrade lobte zudem, dass der historische Pliensauturm künftig besser zur Geltung komme. Allerdings kritisierte er, dass die Stadt sich bei ihren Planungen auf nur eine einzige Verkehrszählung als Grundlage stütze.

Stadträte loben Pläne für neue Brücke

Carmen Tittel, Fraktionsvorsitzende der Grünen, erklärte: „Wir sind froh, wenn es bald losgeht und die extrem hässliche Querung endlich ersetzt wird.“ Sie gebe aber zu bedenken, dass das unebene Pflaster rechts und links auf der Steinbogenbrücke dazu führe, dass sich alle in der Mitte drängten. Damit eine getrennte Führung von Fuß- und Radverkehr Sinn ergebe, müsse man das Pflaster abschleifen, sagte Tittel. Das bekräftigte Andreas Klöpfer von der Ratsgruppe WIR/Sportplätze erhalten – und forderte zudem den Bau eines zweiten Neckarstegs zwischen Pliensauvorstadt und Esslinger Zentrum: „Der Verkehr wird hier weiter zunehmen, da braucht man einen neuen Steg.“

Rena Farquhar, Fraktionschefin der FDP, lobte zwar die geplante Trennung von Fuß- und Radverkehr auf Brücke und Rampe, sieht aber Probleme für Radler, die künftig von der Rampe aus in Richtung Merkelpark fahren wollen. Denn sie müssten eine 180-Grad-Kurve bewältigen und dabei noch den Verkehr auf dem Weg am Neckarufer im Blick behalten. Das bestätigte Thomas Gruseck: „Es ist keine ganz optimale Lösung, aber sie ist den Gegebenheiten geschuldet.“ Die Entwurfsplanung soll voraussichtlich im Frühjahr 2025 fertig sein – dann kann der Baubeschluss erfolgen.

Historie der Neubaupläne

Bauwerk
Die Pliensaubrücke besteht im Wesentlichen aus drei Teilen: der historischen Steinbogenbrücke aus dem 13. Jahrhundert über der B 10, dem vor etwa 20 Jahren gebauten Pliensausteg über den Bahngleisen und der 1964 gebauten und inzwischen maroden Stahlbetonbrücke als Mittelteil über dem Neckar.

Pläne
Bereits 1998 hatte die Stadt einen Wettbewerb zum Neubau einer Fußgängerbrücke über Neckarstraße, Gleise und Schifffahrtskanal ausgelobt und einen Siegerentwurf gekürt. Im Anschluss wurde der Pliensausteg errichtet. Die Erneuerung der Verbindung über den Neckar bis zur Steinbogenbrücke hingegen wurde aus finanziellen Gründen verschoben. Weil die Pläne inzwischen als nicht mehr zeitgemäß gelten, wird die Erneuerung der Stahlbetonbrücke jetzt neu geplant.

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