Brückeneinsturz in Genua Die Brücken von Riccardo Morandi

Von /dpa 

Nach dem Brückeneinsturz von Genua rücken auch die anderen vom italienischen Ingenieur Riccardo Morandi geplanten Brücken in den Blick. Wie ist ihr Zustand?

Ein Feuerwehrmann schaut auf die Überreste des Polcevera-Viadukt in Genua. Am 14. August 2018 stürzte um 11.30 Uhr  ein Teil der Brücke von etwa 250 Metern Länge rund um den westlichen Pylon ein. Dabei starben mindestens 40 Menschen. Foto: AP 20 Bilder
Ein Feuerwehrmann schaut auf die Überreste des Polcevera-Viadukt in Genua. Am 14. August 2018 stürzte um 11.30 Uhr ein Teil der Brücke von etwa 250 Metern Länge rund um den westlichen Pylon ein. Dabei starben mindestens 40 Menschen. Foto: AP

Genua/Stuttgart - Experten betonen immer wieder die große Rolle der Wartung für den Zustand von Brücken. Auch ist heutzutage die Verkehrslast viel höher als sie in der Planungszeit älterer Brücken war. Gleichwohl sind schon einige von Riccardo Morandis (1902-1989) Bauwerken in die Kritik geraten.

Der Italiener lehrte Brückenbau an der Universität Florenz und an der Universität Rom. Morandi galt als Meisteringenieur, der sich auf Spannbetonbrücken spezialisierte. Die TU München verlieh ihm 1979 die Ehrendoktorwürde. Elf Brücken plante er, mehrere in Italien, aber auch Riesenprojekte in Libyen oder Venezuela.

Morandi-Brücken

Im Westen von Venezuela überspannt die rund 8,6 Kilometer lange General-Rafael-Urdaneta-Brücke den Maracaibo-See. Im April 1964 riss ein Öltanker zwei Stützpfeiler ein. Sieben Menschen, die über die Brücke fuhren, kamen dabei ums Leben. Es wurden auch Stimmen laut, die den Planern vorwarfen, die Möglichkeit einer solchen Kollision nicht bedacht zu haben. Die Brücke ist heute wieder in Betrieb.

In Kolumbien baute Morandi in den 1970er Jahren nahe der Hafenstadt Barranquilla die Pumarejo-Brücke über den Magdalena-Fluss. Aufgrund ihres Designs steht die Brücke schon länger in der Kritik, weil sie recht niedrig ist und damit die Durchfahrt großer Schiffe verhindert.

Polcevera-Viadukt in Genua

Auch der Polcevera-Viadukt in Genua stand schon vor seinem Einsturz in der Kritik. Bereits vor zwei Jahren forderte Antonio Brencich, ein Statikexperte der Universität der norditalienischen Hafenstadt, im Jahr 2016 in einem Interview mit der Zeitung „Corriere della sera“ den Neubau. „Wir sollten es wie bei einem Auto betrachten: Wenn man es regelmäßig reparieren muss, dann sollte man sich ein neues kaufen“, bekräftigte er nun angesichts des Unglücks in der „FAZ“.

In unserer Bildergalerie stellen wir die von Riccardo Morandi konzipierten Brücken vor.