Buchempfehlung Die Geschichte ist nichts für ungeübte Leser

Von Waltraud Daniela Engel 

Helga Wacker vom Sonnenbergverein magdie Sprache von Siegfried Lenz. Aber auch trotz der Leidenschaft für Sprache, liest sie gern zwischendurch einen Kriminalroman.

Helga Wacker mag es anspruchsvoll. „Schweigeminute“ von Siegfried Lenz ist nicht leicht zu lesen, aber gehaltvoll. Aber manchmal darf es auch ein Krimi sein. Foto: Waltraud Daniela Engel
Helga Wacker mag es anspruchsvoll. „Schweigeminute“ von Siegfried Lenz ist nicht leicht zu lesen, aber gehaltvoll. Aber manchmal darf es auch ein Krimi sein. Foto: Waltraud Daniela Engel

Stuttgart-Möhringen - Siegfried Lenz ist ein Meister des Erzählens“, sagt Helga Wacker. Deshalb hat die ehemalige Lehrerin des Königin-Charlotte-Gymnasiums auch die Novelle „Schweigeminute“ als ihr Lieblingsbuch auserkoren. Das Werk von Lenz aus dem Jahr 2008 spielt während einer Trauerfeier an der Schule für eine verunglückte Englischlehrerin. Die Lehrerin war während eines Schiffsausflugs in die Schiffsschraube gestürzt und kurz darauf im Krankenhaus verstorben.

Der achtzehnjährige Schüler Christian lässt während einer Schweigeminute seine Gedanken und Gefühle Revue passieren und erinnert sich an das aufkeimende Liebesverhältnis zu seiner jungen Lehrerin. „Dieses heikle Liebesverhältnis ist nur sehr dezent dargestellt. Das hat mich wirklich fasziniert“, sagt Wacker. Der Autor überlässt es dem Leser, ob die Liebesbeziehung künftig von den Protagonisten gelebt worden wäre, oder nicht.

Freude an der Erzählstruktur

„Ein Lieblingsbuch muss Tiefgang haben“, sagt Wacker. Aber auch eine reizvolle Erzählstruktur und die Thematik eines Buches sind der Germanistin wichtig. Gerade bei Siegfried Lenz müsse der Leser „die sprachliche Differenzierung zu schätzen wissen und die Feinheiten der verschiedenen Erzählperspektiven erkennen können“. Aufmerksam ist Wacker auf die Novelle durch eine Kritik geworden. „Vielleicht hat mich diese tatsächlich veranlasst, das Buch zu lesen.

Ich hatte lange nichts mehr von Lenz gehört, obwohl ich ihn sehr mag“, sagt sie. Trotzdem sei das Buch eher ungeeignet für Leseungeübte: „ Man muss an der sprachlichen Qualität und der Erzählstruktur Freude haben. Der Inhalt wird nicht fortlaufend erzählt. Da braucht man schon ein wenig Übung, um die verschiedenen Erzählperspektiven zu erkennen“, sagt Wacker.

Aber auch trotz der beruflich bedingten Leidenschaft für Sprache – Wacker unterrichtete mehr als 30 Jahre lang Deutsch, Englisch und Französisch – liest sie gern zwischendurch einen Kriminalroman. „Wenn man so ein paar Leichen zählen kann, ist das schon nicht schlecht“ sagt Wacker und lacht. Bei Krimis bevorzugt sie aber eher das Englische. Da kann sie auch mal zwei Bücher gleichzeitig lesen: „Aber nur in zwei verschiedenen Sprachen.“

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