Buchpräsentation in Bad Cannstatt Ein geheimnisvoller Abend

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Eva-Maria Bast und Sibylle Schwenk haben in ihrem Buch „Cannstatter Geheimnisse“ viele spannende Geschichten aufgeschrieben. Vier dieser Geheimnisse haben die Autorinnen am Montag bei der Buchpräsentation auf dem Theaterschiff gelüftet.

Der StZ-Teamleiter für Bad Cannstatt Jürgen Brand hat mit den Autorinnen Eva-Maria Bast (mitte) und Sibylle Schwenk über ihr Buch gesprochen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko 8 Bilder
Der StZ-Teamleiter für Bad Cannstatt Jürgen Brand hat mit den Autorinnen Eva-Maria Bast (mitte) und Sibylle Schwenk über ihr Buch gesprochen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Bad Cannstatt - Jeder Cannstatter kennt sie. Die hölzernen Masken der Felben gehören zum Stadtbezirk wie der Wein und das Mineralwasser. Doch woher kommt diese Narrenfigur und warum werden die Bewohner der Sauerwasserstadt auch „Felbenköpfe“ genannt?

Dieses und viele andere Geheimnisse haben die Autorinnen Eva-Maria Bast und Sibylle Schwenk in ihrem Buch „Cannstatter Geheimnisse – 50 spannende Geschichten aus der Sauerwasserstadt“ aufgeschrieben, das in Zusammenarbeit mit der Stuttgarter Zeitung und den Stuttgarter Nachrichten entstanden ist. Vier dieser Geheimnisse haben die Autorinnen am Montag bei der Buchpräsentation auf dem Theaterschiff gelüftet. Der StZ-Lokalchef Holger Gayer begrüßte die rund 80 geladenen Gäste. Anschließend führte Jürgen Brand, der StZ-Teamleiter für Bad Cannstatt, durch den Abend.

16 Bände starke und preisgekrönte Buchreihe

„Wir wollen die Menschen, die mit der Stadtgeschichte verbunden sind, zu Wort kommen lassen“, erklärte Bast das Konzept des Buches. Bei den „Cannstatter Geheimnissen“, die Teil der inzwischen 16 Bände starken und preisgekrönten Buchreihe „Geheimnisse der Heimat“ sind, handele es sich um ein „Buch von Bürgern für Bürger“. Dementsprechend blieben die Autorinnen auch nicht lange alleine auf der Bühne des Theaterschiffs. Drei Geheimnisspaten kamen ebenfalls zu Wort, der Stadtführer Stefan Betsch, der Historiker Olaf Schulze und die Cannstatt-Reporterin Annina Baur.

Letztere verriet dem Publikum, dass sie, als sie vor einigen Jahren zum ersten Mal den „ohrenbetäubenden Lärm“ in den Platanen an der Daimlerstraße hörte, dachte „in Bad Cannstatt stimmt irgendetwas nicht“. Die Kollegen in der Zeitungsredaktion hätten ihr verraten, dass das so eigentümlich klingende Geräusch von den Gelbkopfamazonen stamme, die seit vielen Jahren am Neckar zu Hause sind. Die Geschichte der Cannstatter Papageien ist nun eines von 50 Geheimnissen, auf die Bast und Schwenk bei ihrer Spurensuche in Stuttgarts größtem und ältestem Stadtbezirk gestoßen sind.

Unterstützt wurden sie dabei von vielen geschichtskundigen Cannstattern. Olaf Schulze, der auch der stellvertretende Vorsitzende des Vereins Pro Alt Cannstatt ist, verriet den Autorinnen gleich mehrere Geheimnisse. Bei der Buchpräsentation auf dem Theaterschiff gab der Historiker offen zu, dass er, als er von dem Projekt erfahren habe, zunächst skeptisch gewesen sei. Sein Fazit zum Buch ist für die Autorinnen deshalb ein umso größeres Kompliment. „Die Hälfte der Geschichten ist so unbekannt, dass sie selbst für Insider überraschend sind“, sagte Schulze.

Baumlange Kerle mit knorrigem Gesicht

Denn auch wenn zum Beispiel die Häs- und Maskenträger des Kübelesmarktes vielen Bewohnern des Bezirks ein Begriff sind, so wissen doch längst nicht alle, was es mit den Cannstatter Felben eigentlich auf sich hat. Im 17. Jahrhundert fürchteten sich die Cannstatter vor den Soldaten des französischen Königs Ludwig XIV. In einer nebeligen Nacht glaubte der Wachhabende der Cannstatter Bürgerwehr die feindlichen Truppen am Neckar entdeckt zu haben. Doch als der Morgen graute und sich die Nebelschwaden lichteten, stellte sich heraus, dass es sich bei den baumlangen Kerlen mit knorrigem Gesicht nicht um die gefürchteten Soldaten, sondern nur um Felben handelte. Eine alte schwäbische Bezeichnung für eine Weide, mit deren Ruten früher Weinstöcke festgebunden wurden.

Dieses Geheimnis hat Stefan Betsch den Autorinnen erzählt. Der Stadtführer ist Mitglied im Kübelesmarkt, zur Buchpräsentation brachte er seine Felbenmaske mit. Aufsetzen durfte er sie jedoch nicht, denn das ist den Mitglieder der Narrenzunft vor dem Beginn der Fasnet am 6. Januar streng untersagt. Noch ein Geheimnis, das zuvor sicher nicht allen Besuchern auf dem Theaterschiff bekannt war.

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