Bücherbusse in Stuttgart Literatur rollt seit 50 Jahren zu den Kindern

Am 25. Februar 1971 rollte zum ersten Mal der Bücherwagen durch Stuttgart und brachte Lesefutter in die abgelegeneren Stadtteile. Foto: Stadtbibliothek Stuttgart (z)
Am 25. Februar 1971 rollte zum ersten Mal der Bücherwagen durch Stuttgart und brachte Lesefutter in die abgelegeneren Stadtteile. Foto: Stadtbibliothek Stuttgart (z)

Die Bücherbusse Max und Moritz sind heute aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken. Sie bringen Medien in die etwas abgelegeneren Wohngebiete. Das Interesse ist nach wie vor groß, dennoch stehen Veränderungen an.

Filderzeitung: Alexandra Kratz (atz)

Filder - Sabine Fischer-Uhl, die Leiterin der Fahrbibliothek, hat bunte Luftballons bestellt. Mit diesen möchten sie und ihr Team den Bücherbus schmücken, wenn dieser heute Nachmittag vor der Deutsch-Französischen Grundschule in Sillenbuch steht. Denn es gibt was zu feiern: Die Fahrbibliothek Stuttgart wird 50 Jahre alt. Am 25. Februar 1971 war der sogenannte Bücherwagen das erste Mal unterwegs. Ausgestattet mit etwa 4000 Büchern brachte er Lesefutter in acht verschiedene Stadtteile, darunter Heumaden, Sillenbuch, Büsnau, Fasanenhof, Birkach und nach der Fertigstellung des Hochhauskomplexes auch den Asemwald.

Schon nach zwei Monaten hatte der Bücherwagen etwa 2000 treue Fans, mehr als die Hälfte waren Kinder. Und schon 1972 wünschte sich der damalige Büchereileiter Wolfgang Thauer einen zweiten Bus, um alle Gebiete ohne Stadtteilbibliothek mit Literatur versorgen zu können. Doch der Bücherwagen Moritz musste noch knappe fünf Jahre auf seinen Bruder Max warten. Diesen übergab Oberbürgermeister Manfred Rommel nämlich erst am 31. Januar 1977 seiner Bestimmung.

In den Bücherbussen sind immer die neuesten Medien

Im Laufe der Jahre wurde Moritz zweimal und Max einmal ersetzt, da die Technik den neuen Umweltauflagen nicht mehr gerecht wurde. Auch die Zahl der Haltestellen wurde immer wieder angepasst. Aktuell besuchen die beiden Busse nachmittags 21 Stadtteile beziehungsweise Wohngebiete. Die Bücherbusse sind die Aushängeschilder der Stadtbibliothek. „Wir haben immer das Neuste dabei“, sagt Sabine Fischer-Uhl. Was nicht im Bus ist, kann bestellt werden und wird beim nächsten Mal geliefert. Denn die Fahrbibliothek hat in ihrem Magazin im ehemaligen Theater im Depot am Ostendplatz knapp 39 000 Medien. Darunter sind auch viele DVDs, Konsolenspiele und sogar die bei kleinen Kindern beliebten Tonies, eine neue Form des Hörspiels. Doch auch das klassische Buch habe keinesfalls ausgedient, sagt Sabine Fischer-Uhl. „Wie sollen die Kinder sonst lesen lernen?“, fragt sie. Und die, die es bereits können, ließen sich noch immer von Romanen für ihr Alter begeistern.

Birgit Weinmann war viele Jahre lang die Chefin der Fahrbibliothek. Das Besondere in den Bücherbussen sei der enge Kontakt, der über die Jahre zu den sehr treuen Lesern entstehe. „Ich habe manchen als Kind begrüßt und viele Jahre begleitet, bis er oder sie wieder selbst Kinder hatte“, erzählt Birgit Weinmann, die mittlerweile die Stadtteilbibliothek Degerloch leitet. Einer anderen Frau habe sie Informationen rund um das Thema Alzheimer zusammengestellt, als sie diese dringend brauchte. „Da sind schon sehr schöne Beziehungen entstanden, die über das hinausgehen, was wir sonst machen.“ Für die Kinder seien Max und Moritz oft eine echte Attraktion. „Die Jungen sind von den großen Fahrzeugen beeindruckt. Die Mädchen schätzen das heimelige Innere; es ist kuscheliger als in einer Stadtteilbibliothek“, sagt Birgit Weinmann.

Im Lockdown können Bücher bestellt werden

Dennoch, in den vergangenen Jahren kamen nachmittags immer weniger Kinder zu den Bücherbussen. Ein Grund dafür ist, dass mehr ganztags in der Kita oder in der Schule sind. Darum stehen Veränderungen an. Künftig könnte ein Bus speziell für die Kitas und Schulen bereit stehen. Dort würden die Kinder – so wie bisher auch – das Bibliothekswesen und die Welt der Bücher kennen lernen. Die Lehrer und Erzieher hätten die Möglichkeit, verschiedene Programme dazu zu buchen. Der andere Bus würde dann nachmittags die verschiedenen Haltestellen in den Stadtteilen bedienen. Noch sind das aber Gedankenspiele. Corona hat den Zeitplan durcheinander gebracht. Auf Lesefutter muss aber auch im Lockdown niemand verzichten. Denn es besteht die Möglichkeit, über den Medien-Abhol-Service der Stadtbibliothek Bücher und anderes zu bestellen und an den Haltestellen abzuholen. Bildungseinrichtungen können sich Medienkisten zu verschiedenen Themen zusammenstellen lassen.




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