Bügeleisen-Ausstellung in Weinstadt Glühende Sammelleidenschaft für heiße Eisen

Von Annette Clauß 

Eher zufällig ist Hans Böhm aus Aichwald zum Sammler von Bügeleisen geworden. Heute ist er stolzer Besitzer von rund 900 Exemplaren. 120 Stück sind nun im Württemberg-Haus in Beutelsbach zu sehen.

Hans Böhm aus Aichwald hat sein erstes Sammlerstück im Ungarnurlaub erstanden Foto: Frank Eppler
Hans Böhm aus Aichwald hat sein erstes Sammlerstück im Ungarnurlaub erstanden Foto: Frank Eppler

Weinstadt - Über Menschen, die sagen, sie hätten noch ein Eisen im Feuer, kann Hans Böhm eigentlich nur milde lächeln. Denn der 73-Jährige aus Aichwald besitzt um die 900 Bügeleisen aus aller Welt. 120 Exemplare aus der schwergewichtigen Sammlung, die er in 30 Jahren zusammengetragen hat, zeigt er nun im Württemberg-Haus in Weinstadt-Beutelsbach. Die Bandbreite reicht vom handlichen, schlichten Exemplar aus dem 17. Jahrhundert über reich verzierte Prachtstücke des 19. Jahrhunderts bis hin zu Kuriositäten wie einem ägyptischen Fußbügeleisen, einem Knopflochbügeleisen oder dem stabförmigen Tolleisen, das zum Glätten von Hauben und Bändern diente.

„Anfangs dachte ich, ich bin der Einzige, der Bügeleisen sammelt“, sagt Hans Böhm, der es inzwischen besser weiß: Allein in Deutschland gebe es einen Kreis von rund 100 Sammlern, der sich kenne und auch ab und zu treffe. Hinzu komme sicherlich noch eine Dunkelziffer von weiteren Fans, die nur für sich im Stillen Bügeleisen sammelten. Dass vorwiegend Männer sich für diese Haushaltsgeräte begeistern, führt der Aichwalder unter anderem darauf zurück, dass die Sammlerstücke häufig restauriert und repariert, entrostet und um Teile ergänzt werden müssen. Die Metallbearbeitung sei eben eher eine Männerdomäne.

In Württemberg bügelte Frau mit der „Ochsenzunge“

Frau denkt sich da, dass viele Geschlechtsgenossinnen aus nachvollziehbaren Gründen wohl eher ein abgekühltes Verhältnis zum heißen Eisen haben. Doch wer Vorbehalte am Eingang des Württemberg-Hauses zurücklässt, merkt schnell: die Welt der Bügeleisen ist vielfältig, interessant und bietet auch etwas fürs Auge.

„Ich hätte mir nie träumen lassen, was es alles gibt“, berichtet Hans Böhm über die Anfänge seiner Sammelleidenschaft. 1988, im Sommerurlaub in Ungarn, hat er mehr oder weniger aus Langeweile sein erstes Exemplar bei einem Trödler gekauft. Das damals erstandene Kohlebügeleisen mit seiner elegant-geschwungenen Form aus Messing ist in Beutelsbach nicht ausgestellt, aber ein ähnliches Exemplar der Marke Fagler aus dem 19. Jahrhundert. Doch auch andernorts, zum Beispiel in Stuttgart, spezialisierten sich Unternehmer auf die Produktion von Bügeleisen. Im württembergischen Raum sehr verbreitet war die vorne spitz zulaufende und oben abgerundete „Ochsenzunge“.

Das Mangelbrett als Vorläufer

Hans Böhm zeigt in Beutelsbach die ganze Bandbreite: vom Mangelbrett als Vorläufer des Bügeleisens über dessen frühe Formen – aus Metall gegossene oder geschmiedete Stücke, die im Ofen oder Feuer erhitzt wurden – über mit Kohle, Stadtgas, Esbit-Brennwürfel oder Spiritus beheizte Varianten bis hin zu den ersten Elektrobügeleisen.

„Der Nachteil der frühen Modelle war, dass der Griff so heiß wurde wie das Eisen“, sagt Hans Böhm. Die Hausfrau behalf sich mit Lappen, die sie zum Schutz der Finger drumherum wickelte. Eine findige Leidensgenossin in den USA, bekannt als Mrs Potts, entwickelte im Jahr 1871 einen abnehmbaren Griff, der die Finger schonte und die Bügelzeit verkürzte, denn nun konnte ein Unterteil im Ofen erhitzt werden, während mit dem anderen gebügelt wurde. Vermutlich stamme daher der Spruch „Ich habe noch ein Eisen im Feuer“, sagt Hans Böhm. Dass Mrs Potts Erfindung des Wechselgriffs weltweit viele Nachahmer fand, kann man in der Ausstellung an etlichen Modellen mit teils reichlich komplizierten Ösen-, Schraub- und Federkonstruktionen sehen. Und dann feststellen: keines davon ist so einfach, aber genial wie Mrs Potts Variante.

Ein Modell mit verräterischem Glöckchen

Ein weiteres Modell aus Nordamerika stammt aus der Zeit um 1880. „In Sammlerkreisen nennt man das Modell Sklaveneisen“, erzählt Hans Böhm und bewegt das Eisen hin und her. Es ertönt ein bimmelndes Geräusch, erzeugt von einem unsichtbar ins Eisen eingelassenen Glöckchen. Gönnte sich die Haushaltshilfe mal eine kurze Verschnaufpause, kehrte sofort eine verräterische Stille ein.

Hier kann man die Ausstellung sehen

Stücke aus Hans Böhms Sammlung sind bis zum 20. September im Württemberg-Haus in Weinstadt-Beutelsbach, Stiftstraße 11, zu sehen. Der Eintritt ist frei, die Öffnungszeiten sind derzeit freitags 14 bis 17 Uhr, samstags 14 bis 18 und sonntags 13 bis 17 Uhr.