Am Donnerstagabend sollte entschieden werden, wann die Bürger der Kommune über die Zukunft des ehemaligen Wellenbads und des stillgelegten Campingplatzes bestimmen dürfen. Doch der Gemeinderat war nicht beschlussfähig.

Adelberg - Auf diese Gemeinderatssitzung haben viele Adelberger hingefiebert. Am Donnerstagabend sollte entschieden werden, wann die Bürger der Kommune über die Zukunft des ehemaligen Wellenbads und des stillgelegten Campingplatzes bestimmen dürfen. Doch die Sitzung fiel sehr zur Verwunderung von rund 40 interessierten Besuchern aus: das Gremium war nicht beschlussfähig.

Zwei Plätze waren ohnehin unbesetzt, weil sich zwei Gemeinderäte aus dem Gremium zurückgezogen haben und ihre Nachfolger noch nicht eingeführt sind. Nun hatten sich kurzfristig auch noch die Räte Hartmut Kull, Achim Braunmüller, Claus Kieser und Andreas Roß und somit die gesamte Fraktion Wir für Adelberg entschuldigen lassen. Mit nur fünf von elf Mitgliedern darf aber nichts entschieden werden. Und dadurch scheinen nun auch der nächste Termin für den Bürgerentscheid, der 10. November, und die Bürgerversammlung am 24. Oktober in Gefahr.

Ein Biovital-Parc ist geplant

Wie berichtet, hatte eine Bürgerinitiative das ewige Hin und Her im Gemeinderat satt gehabt und einen Bürgerentscheid darüber beantragt, ob das Freizeitgelände an die Investorengruppe rund um den Geschäftsmann Wolfram Wäscher verkauft werden soll. Die einzige Bedingung der Unterzeichner des Bürgerbegehrens ist: das Gelände dürfe nicht unter Wert veräußert werden. Wäscher will den Campingplatz aufwerten, unter anderem mit Bungalows, und im Montemaris einen Biovital-Parc mit Wellness- und Gesundheitsangeboten, aber auch Möglichkeiten wie Indoor-Golf entwickeln. Das Konzept wurde mit der Hochschule Biberach erarbeitet. Der Erbpachtvertrag der Eishalle und des Kinder-Spielelands soll übernommen werden.

Bereits vor der Sommerpause hatte die Bürgermeisterin Carmen Marquardt den morgigen Sonntag als Termin für den Bürgerentscheid festlegen wollen, um dafür in Verbindung mit der Bundestagswahl eine möglichst hohe Beteiligung zu erreichen. Der Gemeinderat ging das Tempo nicht mit. Er hielt die Zeit für zu kurz und wollte erst jetzt über einen neuen Termin beraten. Zumal der Wert des Geländes in einem Gutachten ermittelt worden war, das bislang unter Verschluss gehalten wurde. Nun ist wenigstens das Gutachten mit den Unterlagen der ausgefallenen Gemeinderatssitzung öffentlich ebenso wie das Angebot der Investorengruppe um Wäscher, zu der auch ein Adelberger Unternehmer zählt, der jedoch um nichts in der Welt namentlich erwähnt werden will. Und dieses Gutachten widerspricht all jenen im Ort, die davon ausgingen, das Montemaris sei mindestens noch eine Million Euro wert.

Investor bietet mehr, als das Gelände wert ist

Dem Gutachten zufolge ist das aufgelassene Wellenhallenbad mit einer Saunalandschaft und einer Fläche von 1,9 Hektar, auf der weitere Bauten stehen, gerade noch knapp 135 000 Euro wert. Der Campingplatz (6,7 Hektar), dessen Ausstattung nicht mehr konkurrenzfähig und teilweise sehr sanierungsbedürftig ist, soll immer noch mindestens 665 000 Euro bringen. Das Angebot der Investorengruppe liegt bei 150 000 Euro für das Montemaris und 700 000 Euro für den Campingplatz. Sämtliche notwendigen Investitionen wollen die Investoren selbst stemmen.

Sondersitzung wird einberufen

Nun will die Bürgermeisterin Carmen Marquardt für den 30. September eine Sondersitzung des Gemeinderats einberufen, nicht zuletzt, weil die Kommune immer noch ohne gültigen Haushalt für dieses Jahr agiert. Auch darüber hätte am Donnerstagabend beraten werden sollen. In der Sondersitzung genügen dann drei Stimmen zur Beschlussfassung.

Unabhängig davon wollen Vertreter der Bürgerinitiative, die das Bürgerbegehren auf den Weg gebracht haben, nun prüfen, welche rechtlichen Möglichkeiten sie haben, um einzufordern, dass der Bürgentscheid in Bälde stattfindet.

Kommentar

Statt Streitkultur nur noch lähmender Streit

Boykott? - Für die Adelberger muss das Hickhack zwischen der Verwaltung und einem Großteil des Gemeinderats unerträglich sein. Nun haben endlich mehr als doppelt so viele Adelberger wie nötig dafür votiert, selbst über die Zukunft des Montemaris bestimmen zu dürfen. Doch wieder geht es nicht voran. Es wird vertagt, vernebelt, taktiert. Jeder Bürgervertreter sollte den Bürgerwillen aber respektieren und alles dafür tun, dass die Bürger umfassend informiert werden und möglichst zeitnah ihre Entscheidung treffen können.

In Adelberg ist man davon weit entfernt. Es riecht nach Boykott, dass urplötzlich genau jene Räte am Donnerstagabend verhindert waren, die bekanntlich gegen einen Verkauf des Montemaris an den Investor Wolfram Wäscher sind, dem sie nicht über den Weg trauen. Nun sollte man den Räten einen Boykott nicht unterstellen. Eine Tatsache ist aber, dass der Zeitpunkt dieses kollektiven Verhindertseins äußerst unglücklich ist.

Sicher war es gut, dass die Räte vor der Sommerpause das Tempo herausgenommen haben. Von einem überhasteten Bürgerentscheid im Eilverfahren hätte niemand etwas gehabt. Nun ist es aber an der Zeit, das Verfahren und die Information der Bürger voranzutreiben. Sie haben ein Recht auf einen offenen und ehrlichen Wettstreit der Meinungen. Dazu zählen durchaus auch Vorbehalte gegenüber dem Konzept der Investorengruppe und Zweifel an der Sinnhaftigkeit eines Verkaufs des Geländes. Doch von einer solchen Streitkultur ist der Adelberger Gemeinderat weit entfernt. Es bleibt nur lähmender Streit.