Bürgerbeteiligung Bei der Ladeinfrastruktur reden in Aichtal alle mit
Aichtal bekommt noch in diesem Jahr drei neue Elektroladesäulen. Der Bürgermeister Sebastian Kurz erklärt, warum beim Planen das große Rad gedreht wurde und wie es weitergeht.
Aichtal bekommt noch in diesem Jahr drei neue Elektroladesäulen. Der Bürgermeister Sebastian Kurz erklärt, warum beim Planen das große Rad gedreht wurde und wie es weitergeht.
Das Prozedere klingt ungewöhnlich aufwendig. Normalerweise legen die Verwaltung und der Gemeinderat Standorte für Elektroladesäulen fest. In Aichtal hat jedoch der ganze Ort mitgeredet – über eine interaktive virtuelle Karte plus Meldeformular auf der Homepage der Stadt. Bürgerinnen und Bürger, aber auch Gäste oder Pendler, waren aufgerufen, Standortvorschläge für Ladesäulen online zu markieren und so ihre Ideen einzubringen.
Mehr als 40 Vorschläge waren eingegangen und wurden nach einer festgelegten Matrix bewertet, erklärt der Bürgermeister Sebastian Kurz. Nach einem Punktesystem wurden Faktoren wie Parkraum, Erreichbarkeit, Sichtbarkeit oder Stromanschluss bewertet. „Die Standorte mit der höchsten Zahl werden jetzt umgesetzt“, sagt er.
Das Rennen gemacht haben drei Örtlichkeiten: Ladesäulen mit je zwei Ladepunkten werden an der Mehrzweckhalle Grötzingen – dort wird sowieso eine Photovoltaikanlage aufs Dach gesetzt, die später auch die E-Station versorgen soll –, an der Festhalle Aich sowie am Hallenbad in Neuenhaus installiert. Ein vierter Standort am Hindenburgplatz in Grötzingen wurde noch zurückgestellt, da dieser ohnehin umgestaltet werden soll. „So schnell wie möglich“ sollen laut Sebastian Kurz die drei Areale nun bestückt werden. Der Gemeinderat habe bereits 60 000 Euro eingestellt, aktuell werde noch eruiert, ob die Stadt den Aufbau selbst übernehme oder einen Energieversorger mit ins Boot hole.
Der Nachholbedarf in Aichtal ist groß. „Als ich das Amt vor dreieinhalb Jahren angetreten habe, gab es nur eine öffentliche Ladesäule am Rathaus“, sagt Kurz, drei weitere seien mittlerweile über ein Carsharingprojekt hinzugekommen. Sprich: Auf gut 10 000 Menschen, die im Ort leben, kommen nur vier öffentliche Stromtankstellen. Trotz des Drucks, vorankommen zu müssen, spricht Sebastian Kurz davon, Prozesse objektiv und transparent gestalten zu wollen. „Die Menschen möchten in Entscheidungen eingebunden werden.“ Es gehe auch darum, die Bevölkerung für die Energiewende zu gewinnen und Gemüter zu befrieden. Der Wegfall von Stellplätzen führe stets zu Diskussionen, außerdem gebe es Einzelne, „die gegen E-Mobilität Stimmung machen“.
Die interaktive Karte auf der Homepage der Stadt ist nach wie vor verfügbar und kann weiterhin mit Vorschlägen bestückt werden. Auch der Planungsprozess für den Ausbau der E-Ladeinfrastruktur ist in Aichtal noch nicht abgeschlossen. Die drei nun beschlossenen Säulen sollen noch im Lauf dieses Jahres aufgebaut werden, kündigt Sebastian Kurz an, drei bis vier weitere sollen im kommenden Jahr folgen, sofern der Gemeinderat die Mittel freigibt. Einen Fundus an möglichen Standorten gibt es ja noch. „Von diesen Vorschlägen sind sehr viele geeignet.“