Als Herzstück der Parksiedlung verliert der Herzog-Philipp-Platz stark an Bedeutung. Geschäfte der Grundversorgung haben sich mit den Jahren zurückgezogen. Bars und Gaststätten ziehen nicht unbedingt das Publikum aus dem Ostfilderner Stadtteil an. „Vielen Menschen fehlt die Aufenthaltsqualität“, brachte Quartiersmanagerin Isabell Fischer die Kritik vieler Anwohner auf den Punkt. Damit der Platz kein sozialer Brennpunkt wird, will die Stadt gegensteuern. In der voll besetzten Lindenturnhalle fand der Auftakt zur Bürgerbeteiligung statt. „Land und Stadt stellen 1,3 Millionen Euro an Fördergeldern zur Verfügung“, sagte Reinhardt Kampmann, der Chef der Stadtentwicklungsgesellschaft (SEG) Ostfildern.
Mit den Ideen der Anwohner möchte die Stadt nun die Neugestaltung des Herzog-Philipp-Platzes angehen, der zunehmend verkommt. Das große Interesse der Bürgerinnen und Bürger an der Auftaktveranstaltung zeigte, wie sehr der Platz den Menschen am Herzen liegt. „Wir brauchen Ihre Ideen für die Neugestaltung“, sagte Anni Schlumberger von der Tübinger Beratungsfirma Human IT Services, die den Prozess begleitet. Sie sprach mit SEG-Chef Kampmann über die Pläne für den zentralen Platz. „Unser Wunsch ist, dass die Menschen im Stadtteil den Platz wieder verstärkt nutzen.“ Dass das klappt, hat für Kampmann das Stadtteilfest am 1. Juli gezeigt. Nicht nur der rührige Bürgerverein, auch die Bewohner haben den Platz dabei mit ihren Aktivitäten belebt. Damit die Neugestaltung Bürgersache wird, gibt es eine Steuerungsgruppe für den Prozess. Besonders freut sich Kampmann darüber, „dass junge Leute mit über die Zukunft des Stadtteils nachdenken.“
Ein Hotel mit Frühstücksraum
Neue Perspektiven für den Herzog-Philipp-Platz haben auch Studierende der Universität Kaiserslautern beschäftigt. Ihr Professor Wolfgang Kergaßner lebt in der Parksiedlung und hatte dort lange ein Architekturbüro. Für ihre Bachelorarbeit durften die Absolventen, die er betreut, neue Nutzungen für den Platz entwerfen. „Der Platz muss belebt werden“, sagt Kergaßner. Ihm schwebt ein Hotel vor „mit einem Restaurant oder Hotel mit Frühstücksraum, das zum Platz hin offen ist.“ Aber auch eine Bäckerei für die Passanten, die zur U-Bahn oder zum Bus über den Platz laufen, hält er für unverzichtbar. „So, wie der Platz jetzt aussieht, hat da kein Betrieb dieser Art eine Chance.“ Die Betreiber der Lokale, Bars, des Saunabetriebs und des gut sortierten russischen Supermarkts wolle man „bei den Plänen mitnehmen“, sagte Reinhardt Kampmann. Erste Gespräche habe es schon gegeben.
„Wir stehen am Anfang“, gab Moderatorin Anni Schlumberger zu bedenken. An Pinnwänden durften die Anwohner erste Ideen für den Stadtteil aufschreiben. Das Spektrum der Vorschläge reichte vom Trinkbrunnen über ein gemütliches Café zum Verweilen bis hin zu mehr Spielmöglichkeiten für Kinder. Ein Problem stellt für viele der Verkehr da. Parkende Autos rauben dem Platz Aufenthaltsqualität. „Viele wünschen sich Ladesäulen, um die Elektromobilität voranzubringen“, sagte Projektleiter Christoph Ruth von der SEG. Die Landschaftsarchitektin Birte Neugebauer vom Stuttgarter Büro Schreiberplan hat erfahren, „dass den Menschen Wegeverbindungen fehlen.“
Im Herbst soll es eine Bürgerwerkstatt geben, in der die Vorschläge vertieft werden. „Ich hätte mir Beispiele aus anderen Städten gewünscht, wie so ein Platz aussehen kann“, sagte Ingrid Bondorf. Sie lebt seit 30 Jahren in der Parksiedlung und gehört zur Steuerungsgruppe. „Entscheidend ist, dass unsere Vorschläge auch in die Umsetzung einfließen“, sagte Ulrich Voss. Der Vorsitzende des Bürgervereins Parksiedlung will den Prozess kritisch und konstruktiv begleiten.