Bürgerbeteiligung in Korntal-Münchingen Eine Stadt auf Meinungsfang

Die Stuttgarter Straße wird saniert. Im Fokus ist bei der Neugestaltung auch der Stiegelplatz. Foto: Simon Granville
Die Stuttgarter Straße wird saniert. Im Fokus ist bei der Neugestaltung auch der Stiegelplatz. Foto: Simon Granville

Korntal-Münchingen setzt neuerdings verstärkt auf Bürgerbeteiligung. Weil die Resonanz der Einwohner auf zwei Umfrageaktionen die Verwaltung positiv überrascht hat, hat sie nun konkrete Pläne für den künftigen Umgang mit den Ansichten der Bürger.

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Korntal-Münchingen - Straßensanierung, Kommunikation, Wohnen: Zu diesen Themen wollte und will Korntal-Münchingen die Meinung der Bürger hören. Weil es bei denen gut ankommt, dass sie mitreden dürfen, sollen, plant die Stadtverwaltung, sie auch in Zukunft nach Möglichkeit mit ins Boot zu holen. „Das große Interesse der Bürger an den städtischen Belangen bestärkt uns, diese Strategie der Bürgerbeteiligung weiter auszubauen und in künftigen Projekten jeweils angemessen zu berücksichtigen“, sagt der Bürgermeister Joachim Wolf (parteilos).

Einfluss nehmen können die Bürger konkret auf die Neugestaltung der Stuttgarter Straße im Stadtteil Münchingen. An der Erkundungstour mit Fragen zur Gestaltung und Verkehrssicherheit beteiligten sich insgesamt 263 Personen einzeln oder in Gruppen, sodass 113 Antwortbögen zusammenkamen, teilt die Rathaussprecherin Angela Hammer mit.

Die Stuttgarter Straße als eine der Hauptverkehrsachsen soll für gut 4,8 Millionen Euro von der Kreuzung Hauptstraße im Westen bis zu den Bahngleisen im Osten des Stadtteils – eine Strecke von rund 750 Metern – umgebaut und neugestaltet werden, um attraktiver für Fußgänger, Radfahrer und Anwohner zu werden. Trotz der verkehrlichen Nutzung solle die Aufenthaltsqualität verbessert werden.

Im Fokus steht dabei auch der Stiegelplatz: Er sei aufgrund seiner zentralen Lage im Ort, der wichtigen Einzelhandelslage mit Modehaus, Bäckerei, Metzgerei und Lebensmittelladen, ein Treffpunkt und von städteplanerischer Bedeutung. „Viele Veranstaltungen und Feste finden auf diesem Platz und um ihn herum statt“, sagt Angela Hammer. Außerdem sei er mit dem ÖPNV-Haltepunkt auch verkehrstechnisch von zentraler Bedeutung.

Bürgermeister: „Unsere Erwartungen wurden weit übertroffen“

Gemeinsam mit der Stadtverwaltung entwickelte ein Stuttgarter Büro für Stadtentwicklung und Landschaftsarchitektur jene Erkundungstour mit fünf Stationen – und nun wertet es die Antwortbögen aus. Bei der Informations- und Diskussionsveranstaltung samt interaktiver Mitmachaktion am 18. Mai um 17.30 Uhr werden die Ergebnisse vorgestellt und besprochen, bevor sie abgewogen und als Planungsaufgabe an sechs Planerteams in das Wettbewerbsverfahren weitergegeben werden. „Diese sechs Arbeitsgemeinschaften aus Landschaftsarchitekten, Stadtplanern und Verkehrsplanern werden sich im Laufe des Jahres im Zuge einer Planungskonkurrenz mit dieser Aufgabe befassen und erste Vorplanungen ausarbeiten“, informiert Angela Hammer.

Ebenfalls „unsere Erwartungen weit übertroffen“, wie der Bürgermeister Wolf sagt, habe die Resonanz auf die Umfrageaktion zur Kommunikation der Stadt mit den Bürgern. Die Internetseite der Stadt erhält ein neues Gesicht, und im Zuge des derzeit laufenden sogenannten Relaunches hat die Stadtverwaltung einen Überarbeitungsprozess zur Präsentation der städtischen Inhalte begonnen.

Um herauszufinden, wie sie das Kommunikationsangebot für die Bürger verbessern kann und die Kommunikation mit ihnen optimieren, erstellte die Studentin Catharina Bellm, die in Korntal-Münchingen aufgewachsen ist, einen Fragebogen rund um das Amtsblatt, die Homepage und den Facebook-Kanal. 152 Personen haben laut der Stadtverwaltung online mitgemacht, 96 Menschen ihre Fragebögen in Papierform abgegeben.

Auch bei der Innenentwicklung können die Bürger mitreden

Auch über die Auswertung dieser Umfrageaktion informiert die Verwaltung die Bürger. Der Rathauschef sagt, dass sich so viele Menschen die Zeit genommen hätten, die Stuttgarter Straße zu erkunden und ihre Ideen abzugeben, sei fantastisch. „Genauso wertvoll und hilfreich sind für uns die zahlreichen Rückmeldungen zu unseren Informationsangeboten.“ Aus den Ergebnissen würden „konsequente Schlüsse“ gezogen.

Auf die Frage, warum die Stadtverwaltung auf Bürgerbeteiligung setzt, lautet die Antwort: „Sie arbeitet im Auftrag des Bürgermeisters und des Gemeinderats zum Wohle der Stadt und ihrer Bürger. Sie gestaltet maßgeblich das Zusammenleben mit, sei es als Schul- oder Kitaträger, als Betreiber der Büchereien, im Ordnungswesen oder bei der Entwicklung neuer Wohn- und Gewerbeflächen.“ Dabei unterliege jede Stadt auch immer einem Wandel. Um diesen erfolgreich zu durchlaufen, brauche es die Akzeptanz der Adressaten der Entscheidungen. „Für diese Akzeptanz ist es maßgeblich, die Bürger durch Informationen oder Beteiligungsprozesse teilhaben zu lassen.“ Zudem könnten die Bürger durch Beteiligung aktiv ihre Stadt mitgestalten – was zu mehr Zufriedenheit und Identifikation mit dem Wohnort führe.

Bei der städtischen Innenentwicklung mitreden können die Bürger aktuell noch bis 9. Mai: Die Umfrage dreht sich rund um Lebensqualität, Wohnraumangebot und Wohnbau. Zur Einführung in das Thema finden die Korntal-Münchinger auf der Internetseite der Stadt ein Präsentationsvideo zum Innenentwicklungskonzept, ebenso den Fragebogen und weitere Informationen zur Teilnahme.




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