Bürgerdialog in Bad Überkingen Mehr Kommunikation im Kreis wagen

Natürlich lieferte auch die Helfenstein-Klinik einmal mehr Diskussionsstoff beim Bürgerdialog. Foto: Rainer Lauschke

Die Kreisverwaltung lädt in Bad Überkingen zum Bürgerdialog und bietet einen Austausch zu Themen, die die Menschen besonders bewegen. Rund 80 Interessierte kommen – weniger als erwartet.

Abfallwirtschaft, Weiterbau der B 10 und Nachnutzung der Helfenstein-Klinik: Beim Bürgerdialog in Bad Überkingen wurde diskutiert, was im Raum Geislingen besonders im Blickpunkt der Öffentlichkeit steht. Rund 80 Teilnehmer kamen zum Austausch in die Authalhalle – darunter „in großer Zahl“ Vertreter aus der Kreis- und Kommunalpolitik, wie Landrat Edgar Wolff feststellte.

 

Die Landkreisverwaltung wollte mit der Veranstaltung Meinungen und Kritik aufnehmen – insbesondere aus der Raumschaft des oberen Filstals und der Albhochfläche – und aus erster Hand informieren. Nachdem sich Interessierte zunächst anmelden mussten, hat die Verwaltung nach 44 Anmeldungen den Bürgerdialog für alle geöffnet. Dennoch kamen weniger Teilnehmer als erwartet. Das Schlagwort des Dialogs, der um halb neun begann, hieß Kreisbewusstsein.

Landrat verspricht besser Kommunikation

„Das Ziel des Kreisbewusstseins ist es, dass sich die Menschen in allen 38 Gemeinden mit der Kreispolitik identifizieren können“, sagte Wolff. Dass es durch die Diskussion über die Helfenstein-Klinik einen Dämpfer erhalten hatte, ist dem Landrat bewusst. „Auch die Auskreisungsthematik ist sicherlich ein Hintergrund, warum wir mit diesem Bürgerdialog in einer Ortschaft des oberen Filstals als erstes aufschlagen und uns der Diskussion stellen wollen“, sagte er. Eine Erkenntnis, die das Landratsamt schon vor der Veranstaltung hatte, sei, dass es zwar viel informiere, das aber noch nicht ausreiche. „Wir müssen in Sachen Kommunikation besser werden“, gestand der Landrat ein.

Joachim Beck, der frühere Direktor der Evangelischen Akademie in Bad Boll, führte durch das rund fünfstündige Programm, in dem die Bürger den Austausch mit Fachexperten aus der Verwaltung und mehr als 20 Kreisräten suchten. Sechs Themen hatte das Landratsamt für die „Inseln“ ausgesucht.

In der Diskussionsrunde fassten die Fachleute zusammen, was die Menschen in ihrer Themeninsel bewegte. Der Tenor lautete: Kommunikation ist das A und O. Das berichtete etwa Julian Kuhn, der zur Systemumstellung bei der Abfallwirtschaft und den künftigen Themen der Kreislaufwirtschaft Rede und Antwort stand. „Laut und hitzig“ sei es zugegangen. Besonders heiß wurden die Müllgebühren 2023 diskutiert. „Was wir mitnehmen, ist die bessere Kommunikation nach außen“, resümiert er.

Neben dem Müll ist auch der Verkehr häufig Aufregerthema im Kreis. „Mobilität bewegt die Gemüter“, stellte Amtsleiter Jörg-Michael Wienecke fest. Wenn es um den Weiterbau der B 10 und den Albaufstieg an der A 8 geht, komme immer die gleiche Frage: „Warum dauert das so lang?“

Den Menschen dauern viele Vorhaben „zu lang“

Beim Thema Radverkehrskonzeption werde zwar die Bemühung des Kreises geschätzt, doch auch hier vernehme man immer die gleiche Botschaft: „In diesem Land dauert vieles zu lang. Trotzdem wird gesehen, dass vieles auf den Weg gebracht wird“, so der Leiter des Amts für Mobilität und Verkehrsinfrastruktur.

Sebastian Hettwer berichtete für die Themeninsel „ÖPNV“, dass oft gewünscht wurde, Verbindungen zu verbessern. „Die Verwaltung tut alles dafür, die Wünsche zu erfüllen, aber es muss wirtschaftlich darstellbar sein“, sagte er. „Aktuell reichen die Mittel nicht für alles aus.“ Kommunikation war auch für Manfred Gottwald, Leiter des Dezernats für Recht, Ordnung und Mobilität, das richtige Stichwort. Er begleitete eine Diskussion zur rettungsdienstlichen Versorgung im Landkreis Göppingen.

Gutachterin Ursula Völker-Stahl hatte zuvor erklärt, wieso nach Geislingen ein zusätzlicher Rettungswagen kommt und Dürnau als neuer Standort dient. „Viele Teilnehmer sagten danach, dass sie es verstanden haben. Das heißt aber, dass wir in der Vergangenheit nicht verständlich genug kommuniziert haben“, sagte Gottwald.

Landrat: Alle 38 Gemeinden im Kreis sind gleich wichtig

Über eine „Diskussion auf hohem Niveau mit vielen Fachleuten und Impulsen“, freute sich Gesundheitsamtsleiter Heinz Pöhler. Zur Gesundheitsversorgung im Kreis kamen einige Anregungen, etwa zur Landarzt-Gewinnung. Fachpersonal war auch in der Diskussion um den Klinik-Neubau und die Nachnutzung der Helfenstein-Klinik ein Punkt. Matthias Heim, Bürgermeister aus Bad Überkingen sagte abschließend: „So eine Veranstaltung ist der Auftakt, um zu sagen: Wir krempeln die Ärmel hoch und machen etwas aus unserer Raumschaft“.

Das Format habe – zwar spät –, aber dennoch gezeigt, dass der Kreis zum Dialog bereit ist. „Ich sehe es als erste Handreichung, verloren gegangenes Vertrauen wieder herzustellen“.

Landrat Edgar Wolff betonte schließlich, es sei an der Zeit, die Auskreisungsdebatte zu beenden. Die Kreisverwaltung bemühe sich, klarzustellen, dass alle 38 Gemeinden im Landkreis gleich wichtig sind.

Von der Klinik bis zum Müll

Themen
 Zwölf Schlüsselthemen gibt es für die Kreisentwicklung. Vier davon griff die Kreisverwaltung beim Bürgerdialog in Bad Überkingen am 19. November auf. Neben dem Kreisbewusstsein waren das die Abfallwirtschaft, die Verkehrsinfrastruktur und umweltgerechte Mobilität sowie die Gesundheitsversorgung und Kliniken.

Diskussion
 Sechs Themeninseln konnten die Teilnehmer des Bürgerdialogs besuchen. Diskutiert wurde der Klinik-Neubau in Göppingen und die Nachnutzung der Helfenstein-Klinik, die Gesundheitsversorgung im Kreis und die rettungsdienstliche Versorgung. Themen waren auch Abfallwirtschaft, ÖPNV sowie B 10 und A 8.

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