In Sachsenheim sollen mehrere Windräder (hier: Windpark im oberfränkischen Pegnitz) entstehen. Foto: Klaus Trenz
Am Sonntag entscheidet Sachsenheim (Kreis Ludwigsburg) darüber, ob die Stadt ihre Flächen für Windräder zur Verfügung stellt. Was macht der Bürgerentscheid mit der Stadtgesellschaft?
In Sachsenheim wird am Sonntag gewählt: Stellt die Stadt ihre Flächen in Kleinsachsenheim für Windräder zur Verfügung? Seit Monaten wird darüber diskutiert, nun wird es eine Entscheidung geben. Im Mittelpunkt stehen eine Verwaltung mit klarem Standpunkt und zwei siegessichere Bürgerinitiativen.
Worüber wird entschieden?
Vier Windräder und eine Solaranlage sollen auf Sachsenheimer Gemarkung kommen – der sogenannte Energiepark Alleenfeld soll entstehen. Im Bürgerentscheid geht es aber nur um zwei der vier geplanten Windräder. Die anderen beiden würden nicht auf städtischen Flächen, sondern auf denen der Hofkammer des Hauses Württemberg stehen. Sie können auch geplant werden, ohne dass die Stadt Sachsenheim etwas mitzureden hat.
Wichtig ist, dass mit dem Bürgerentscheid eine Entscheidung des Sachsenheimer Gemeinderats gekippt werden soll. Der hatte sich im vergangenen Jahr für den Bau des Energieparks Alleenfeld ausgesprochen. Deshalb sind auch die beiden Fragestellungen einigermaßen kompliziert: Einmal geht es darum, ob die Planungen für den Bau der Photovoltaikanlage samt Batteriespeicher unterbleiben sollen. Zweite Frage ist, ob die Stadt keine eigenen Grundstücke für Windkraftanlagen zur Verfügung stellen soll.
Wer für den Bau des Energieparks ist, muss im Bürgerentscheid also beide Fragen mit Nein beantworten. Das hängt damit zusammen, dass die Bürgerinitiative „Gegenwind Sachsenheim“ den Entscheid angestoßen hat, die das Projekt bekämpft. „Wir wollen einen Beschluss des Gemeinderats kippen, deswegen war eine andere Formulierung juristisch nicht möglich“, erklärt Initiativensprecher Daniel Manka.
Wie positionieren sich die Bürgerinitiativen?
Eine Besonderheit in Sachsenheim ist, dass sich gleich zwei Bürgerinitiativen gegenüberstehen. Immer wieder machen Daniel Manka und „Gegenwind Sachsenheim“ auf den ihrer Meinung nach ungeeigneten Standort der Windräder, die Risiken für Natur und Lebensqualität oder die unsichere Einnahmensituation aufmerksam. Demgegenüber steht die Initiative „Energie von hier Sachsenheim“, die sich für den Bau des Energieparks starkmacht und den Beitrag zur Energiewende sowie die finanziellen Möglichkeiten für Kommune und Bürger besonders betont.
„Im Laufe der Zeit haben sich viele mit dem Projekt angefreundet.“
Hans-Georg Hummel, Bürgerinitiative „Energie von hier Sachsenheim“
Eins haben beide Initiativen gemeinsam: Sie gehen absolut siegessicher in die Abstimmung am Sonntag. „Am Anfang gab es relativ viel Gegenwind, weil die Leute nicht aufgeklärt waren“, sagt Hans-Georg Hummel, der Sprecher der Pro-Windkraft-Initiative. „Aber im Laufe der Zeit haben sich viele mit dem Projekt angefreundet.“ Auch Daniel Manka glaubt an ein Ergebnis zugunsten seiner Initiative: „Wir haben unsere Argumente überzeugend offengelegt.“
Auf dem Alleenfeld bei Sachsenheim soll ein Energiepark entstehen. Foto: Gegenwind Sachsenheim
Manka und Hummel haben eine intensive Zeit mit vielen Veranstaltungen hinter sich. Sie sprechen von einer interessierten, aber nicht heillos zerstrittenen Stadtbevölkerung. Der Ton, da sind sich alle Beteiligten einig, sei immer sachlich und fair geblieben. „Das haben wir bei solchen Veranstaltungen schon ganz anders erlebt“, sagt Joachim Finkel von Vento Ludens, dem Unternehmen, das den Energiepark umsetzen will. „Es gab natürlich unterschiedliche Bewertungen an der ein oder anderen Stelle, aber das muss der Diskurs aushalten.“
Vollends zufrieden sind die beiden Initiativen mit dem Verlauf der vergangenen Monate trotzdem nicht. Hans-Georg Hummel ärgert sich über „Fehlinformationen“, die von der Gegenseite verbreitet worden seien und die seine Leute mit „sehr viel Aufwand“ hätten richtigstellen müssen.
Manka dagegen hadert auch mit der Rolle der Stadtverwaltung: Die habe zwar viel Raum für Diskussionen geboten und mehrere Veranstaltungen organisiert, „aber sie hat sich schon bevor alle Argumente auf dem Tisch lagen klar für den Energiepark positioniert, das hatte natürlich starkes Gewicht“, sagt der Initiativensprecher.
Welche Rolle spielt die Stadtverwaltung?
Sachsenheims Bürgermeister Holger Albrich und seine Verwaltung steckten in den vergangenen Monaten in einer schwierigen Situation. Einerseits mussten sie einen fairen Diskurs garantieren, in dem jede Position genügend Raum bekam. Andererseits hat die Verwaltung selbst einen klaren Standpunkt: Sie hat dem Gemeinderat den Vorschlag zum Bau des Energieparks einst selbst unterbreitet.
„Ich bin von dem Vorhaben weiterhin zu 100 Prozent überzeugt“, sagt Albrich deshalb. „Wir haben die größtmögliche Transparenz und Möglichkeit zur Information geboten, aber unsere Position ist klar.“ Er sei beeindruckt von der Arbeit der beiden Bürgerinitiativen. „Es ist ihnen gelungen, dass jeder eine umfassende Grundlage für seine Entscheidung hat. Jetzt liegt es an den Bürgern.“