Bürgerentscheid Herrenberg Wichtiges, basisdemokratisches Signal
Die Wählerinnen und Wähler haben das Vorgehen von Verwaltung und Gemeinderat bestätigt. Sie zeigen aber auch: Windkraft muss als Option ernstgenommen werden.
Die Wählerinnen und Wähler haben das Vorgehen von Verwaltung und Gemeinderat bestätigt. Sie zeigen aber auch: Windkraft muss als Option ernstgenommen werden.
Der Ausgang des Bürgerentscheids in Herrenberg ist ein starkes Signal. Vor allem an Gemeinderat und Stadtverwaltung. Das Ergebnis zeigt: Der von ihnen eingeschlagene Weg wird basisdemokratisch unterstützt.
Es zeigt aber auch zwei weitere Dinge. Erstens: Das Thema ist in der Stadt zwar sehr präsent und wird viel diskutiert. Zur Wahl gegangen sind aber nur knapp die Hälfte der Wahlberechtigten. Zweitens: Dem Thema Windkraft scheinen trotzdem viele positiver und aufgeschlossener gegenüber zu stehen als es manchmal den Anschein hat.
Der Bürgerentscheid in Herrenberg ist der zweite im Kreis Böblingen, bei dem sich die Bürgerinnen und Bürger grundsätzlich für Windkraft ausgesprochen haben. Bereits vor einem Jahr stimmten die Weil der Städter dafür, städtische Flächen für die Entwicklung von Windenergieanlagen zur Verfügung zu stellen. Nun sind die Herrenberger gefolgt.
Das wirft die Frage auf, wie wohl ein Bürgervotum zum interkommunalen Windpark zwischen Böblingen, Holzgerlingen und Ehningen ausgefallen wäre? Doch so weit haben es die politisch Verantwortlichen nicht kommen lassen. Indem das Gebiet verkleinert wurde, scheint ein Windpark dort derzeit vom Tisch.
Ob und wie viele Windräder jemals im Herrenberger Spitalwald stehen werden, ist auch noch ungewiss. Der Ausgang des Bürgerentscheids erlaubt jetzt vor allem, diese Möglichkeit weiter zu prüfen. Auf Flächen, bei denen die Stadt den Ton angeben kann, unter kritischer Beobachtung der Öffentlichkeit.
Dass der Prozess – nach mehrmonatiger Unterbrechung – weitergeht, ist gut. Nicht, weil sich um jeden Preis Windräder im Spitalwald drehen sollen. Sondern weil der Klimawandel und die weltpolitische Lage eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Windenergie verlangen – auch und gerade im eigenen Hinterhof. Der Bürgerentscheid in Herrenberg hat gezeigt, dass eine Mehrheit für diese Auseinandersetzung ist.