Bürgerentscheid in Böhmenkirch Wie viele Bürger wollen Landkreis verlassen?

Im Rathaus von Böhmenkirch laufen die Vorbereitungen für die Doppel-Wahl: Am 26. September finden die Bundestagswahl und ein Bürgerentscheid statt. Foto: Brigitte Scheiffele

Tausende Bewohner von Böhmenkirch sollen beim Bürgerentscheid am 26. September eine wegweisende Entscheidung fällen: Soll die Gemeindeverwaltung den Wechsel des Landkreises von Göppingen in den Alb-Donau-Kreis prüfen?

Böhmenkirch - Im Rathaus Böhmenkirch laufen die Vorbereitungen für den Bürgerentscheid zu einem möglichen Kreiswechsel und die Bundestagswahl planmäßig. Am 26. September finden in der Gemeinde zwei Wahlen statt mit zwei Auszählungen, die entsprechend vorbereitet werden müssen.

 

Heide Schleicher, die zuständig für das Standesamt und das Einwohnermeldeamt bei der Gemeindeverwaltung ist, ist in diesen Tagen aufgrund der zusätzlichen Arbeit besonders gefordert. Deswegen hatte sie in den vergangenen Wochen Hilfe von Ferienjobbern. Besondere Achtsamkeit war angesagt, weil die Unterlagen für die Bundestagswahl auf weißes Papier gedruckt und nur an Bürgerinnen und Bürger mit deutscher Staatsangehörigkeit ab 18 Jahren verschickt wurden.

Bürgerentscheid-Unterlagen auf gelbem Papier

Im Gegensatz dazu wurden die Unterlagen für den Bürgerentscheid auf gelbes Papier gedruckt. Diese verschickte sie an alle Einwohner der Gemeinde Böhmenkirch mit einem Alter von 16 Jahren an. Über den möglichen Kreiswechsel dürfen außerdem Menschen abstimmen, die nicht die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen, nämlich alle EU-Bürger aus Böhmenkirch.

Ein quietschgelber Stimmzettel kennzeichnet den Bürgerentscheid. Auf diesem sollen Wähler nur eine Stimme abgeben, und zwar indem das Wort „Ja“ oder „Nein“ deutlich auf einem der beiden Felder angekreuzt wird. Die Frage, die damit beantwortet werden soll, heißt: „Sind Sie dafür, dass die Gemeinde Böhmenkirch prüft, unter welchen Rahmenbedingungen ein Austritt aus dem Landkreis Göppingen sowie ein gleichzeitiger Übertritt in einen anderen Landkreis realisiert werden kann?“

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Fünf Wahlbezirke sind am 26. September im Gemeindegebiet besetzt: In Böhmenkirch-Süd gibt es für die Bundestagswahl 1139 Wahlberechtigte und für den Bürgerentscheid 1275 Wahlberechtigte. In Böhmenkirch-Nord sind 1068 Wähler für die Bundestagswahl berechtigt und 1209 Personen für den Bürgerentscheid. Weitere Wahlbüros gibt es in den Teilorten. Insgesamt sind es 3979 Wahlberechtigte für die Bundestagswahl und 4377 für den Bürgerentscheid. „Zwei komplett eigene Abstimmungen vorzubereiten, das ist schon ein Aufwand“, sagt auch der Bürgermeister Matthias Nägele über das größere Arbeitsaufkommen. In den nächsten Tagen gebe es dann noch einen Flyer für alle Bürger.

Großes Interesse an Briefwahl

Bei der Auszählung geht der Bürgermeister davon aus, dass die Wahlhelfer noch am Sonntag mit allem fertig werden. Bemerkenswert hoch sei der Wunsch zur Briefwahl. Hierfür sind zwei Bezirke im Böhmenkircher Rathaus eingerichtet: einer im Sitzungssaal und einer im Sozialraum.

Sollten sich die Wähler für eine Prüfung über die Rahmenbedingungen zum Kreiswechsel entscheiden, hat die Gemeinde noch ein halbes Jahr Zeit, um diesen Auftrag zu erledigen. Unter Abwägung des Pro und Kontra wird dann der Gemeinderat die weiteren Schritte entscheiden.

Ärger über Klinik-Schließung

Hintergrund
Durch die mehrheitlich getroffene Entscheidung des Kreistags im Mai, die Helfenstein-Klinik in Geislingen zu schließen, regt sich in den Umlandgemeinden der Unmut. Die Mehrheit der Bürger, Gemeinderäte und Bürgermeister fühlt sich vom Kreistag nicht gebührend vertreten und spricht sich öffentlich dafür aus, den Landkreis Göppingen zu verlassen.

Bürgerentscheide
 Doch nur in Böhmenkirch und Geislingen soll es am 26. September einen Bürgerentscheid zum Kreiswechsel geben. 

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