Donzdorf - Gut zwei Stunden nach Schließung der Wahllokale war beim ersten jemals in Donzdorf organisierten Bürgerentscheid klar: 67,3 Prozent der abgegebenen Stimmen waren gegen den Gewerbepark Lautertal ausgefallen, 32,7 Prozent dafür, und dies bei einer recht hohen Wahlbeteiligung von 60,4 Prozent. Von den gut 8400 Berechtigten waren also fast 5100 zur Wahl gegangen, das für eine bindende Entscheidung nötige Quorum einer Zustimmung von 20 Prozent aller Wahlberechtigten zum „siegreichen Anliegen“ wurde mit 3414 gültigen Ja-Stimmen deutlich erreicht. Für den von vier Städten und Gemeinden geplanten Gewerbepark – 28 Hektar Fläche ausschließlich auf Donzdorfer Gemarkung Richtung Süßen – bedeutet dies nach langer Planung das Aus.
Bürgermeister Stölzle ist enttäuscht, der Regionalverband verärgert
Die Reaktionen ließen am Montag nicht lange auf sich warten. Damit hätten die Bürger nicht nur den Gewerbepark „abgewählt“, sondern auch einen „Regionalen Gewerbeschwerpunkt“, kritisierte der Verband Region Stuttgart mit deutlichen Worten. „Kommunale Bürgerentscheide und ebenfalls demokratisch legitimierte regionale Planung stehen hier faktisch im Widerspruch“, sagte die Regionaldirektorin Nicola Schelling. „Die systematische überörtliche Planung läuft ins Leere, wenn am Ende vor Ort über die Entwicklung eines gesamten Wirtschafts- und Lebensraums entschieden wird.“
Regionale Gewerbeschwerpunkte seien mit Bedacht ausgewählt und in teils langwierigen Prozessen mit den Gremien der beteiligten Kommunen abgestimmt. Zudem erfolge bei der Erarbeitung des Regionalplans und seiner Fortschreibung bereits intensive Bürgerbeteiligung. Bei der Standortabwägung spielten etwa Aspekte der verkehrlichen Erschließung, aber auch der Intensität der Eingriffe in Natur und Landschaft eine Rolle. Zudem gehe es darum, einen Ausgleich in der Entwicklung der Landkreise zu schaffen und Chancen zu eröffnen. Der Landkreis Göppingen sei regelmäßig im unteren Bereich bei den wirtschaftlichen Kenngrößen, was mit hohen Auspendlerzahlen verbunden sei – und damit hohen Verkehrsbelastungen. „Der Gewerbepark Lautertal wäre eine sehr gute Gelegenheit gewesen, die Wirtschaftskraft des Kreises mit Zukunftsoptionen zu versehen“, so Schelling in einer Pressemitteilung.
Schon am späten Sonntagabend hatte sich auch Bürgermeister Martin Stölzle enttäuscht gezeigt. Als Vorsitzender des entsprechenden Zweckverbandes hatte er bis zur Abstimmung für den Gewerbepark geworben, und kurz nach der Schließung der Wahllokale um 18 Uhr auch noch „ein gutes Bauchgefühl“. Doch schon 40 Minuten später zeigte sich, wohin die Reise ging. An beiden Auszählungsorten – die Briefwahlstimmen wurden im Rathaus, die Stimmen aus den Wahllokalen in der Stadthalle ausgezählt – waren die Stapel mit den „Ja“-Stimmen, die sich gegen den Gewerbepark richteten, höher.
Die deutliche Entscheidung überrascht
„Mein Bauchgefühl hat mich getäuscht“, gab Stölzle zu. „Das Votum ist für uns bindend. Die Stadt und der Zweckverband beenden die Projektplanung.“ Jetzt müsse mit den anderen Kommunen – neben Donzdorf noch Süßen, Gingen und Lauterstein – geklärt werden, wie es weitergeht. Faktisch laufe es auf eine Auflösung des Zweckverbandes hinaus, ohne Donzdorfer Beteiligung „geht es praktisch nicht“, sagte Stölzle. Eine Ursache für das Veto aus seiner Sicht: „die Veränderungsbereitschaft in der Bevölkerung nimmt ab“, sagte er. Zufrieden waren derweil die Macherinnen und Macher der Bürgerinitiative „Kein Gewerbepark Lautertal“. „Wow, Wahnsinn“, sagte Simone Flohr vor dem Roten Saal im Rathaus. Auch ihre Mitstreiterin Nadja Müller war angesichts der deutlichen Entscheidung überrascht: „Ich bin sprachlos, und auch gerührt.“