Die Sachsenheimer haben entschieden: Der „Energiepark Alleenfeld“ zwischen Hohenhaslach und Kleinsachsenheim soll so gebaut werden, wie es der Gemeinderat ursprünglich beschlossen hatte. Vier Windräder und eine Freiflächen-PV-Anlage sollen dort entstehen. Im Bürgerentscheid stimmten jeweils rund 3500 Bürger für Windräder und Solaranlage, demgegenüber standen je rund 3000 Gegenstimmen.
Welche Rolle dabei der Wohnort der Wählerinnen und Wähler spielte, zeigt eine Auswertung der Wahlergebnisse auf Wahlbezirksebene unserer Redaktion. Weil die Briefwahlstimmen in Häfnerhaslach, Ochsenbach, Spielberg und Hohenhaslach nicht eindeutig den Ortsteilen zuzuordnen sind, beschränkt die Analyse sich auf die drei Gebiete Großsachsenheim, Kleinsachsenheim sowie die vier weiteren Ortsteile.
In welchem Stadtteil wohnen die Windkraft-Kritiker?
Am deutlichsten für Windkraft und PV abgestimmt haben die Bürgerinnen und Bürger in Großsachsenheim: 60,5 Prozent der Wahlberechtigen stimmten dort für die Windkraftanlagen, rund 62 Prozent für die PV-Anlage. Das waren rund 20 Prozentpunkte mehr als es Gegenstimmen gab.
Mehrheitlich gegen Windkraft und Photovoltaik gestimmt wurde hingegen in den vier Ortsteilen Häfnerhaslach, Ochsenbach, Spielberg und Hohenhaslach, wie auch unsere Grafik zeigt.
Im Teilort Kleinsachsenheim, das am nächsten an den Windrädern gelegen sein wird, war man sich dagegen am wenigsten einig, allen voran in Sachen Photovoltaik – wenn auch beide Entscheidungen knapp zu Gunsten von Windkraft und PV ausgingen: Beim Thema Windkraft trennen Befürworter und Kritiker in Kleinsachsenheim rund drei Prozentpunkte, in Sachen PV war es etwas mehr als ein Prozentpunkt.
Dass es durchaus knapp werden könnte, hatte sich bereits im Vorfeld angedeutet. Bei keiner der Informationsveranstaltungen zeichnete sich eine deutliche Mehrheit in der Bürgerschaft ab, die Bürgerinitiativen für und die Bürgerinitiative gegen den Energiepark gingen jeweils siegessicher in die Abstimmung.
Die Wahlbeteiligung beim Sachsenheimer Bürgerentscheid lag bei 45 Prozent, die Stadt nannte das in einer Pressemitteilung „ordentlich“. Zum Vergleich: Bei der Sachsenheimer Bürgermeisterwahl 2019 hatten rund 50 Prozent der Wahlberechtigten gewählt, bei der Gemeinderatswahl 2024 waren es etwa 61 Prozent.
Generell ziehen Bürgerentscheide viele Bürgerinnen und Bürger an die Urnen: Eine Auswertung der 15 Bürgerentscheide in Baden-Württemberg in der ersten Jahreshälfte 2025 durch die Beratungsstelle Bürgerbegehren/entscheide von Mehr Demokratie e.V. zeigt, dass im Durchschnitt 61 Prozent der Wahlberechtigten an Bürgerentscheiden teilnahmen.
In Sachen Wahlbeteiligung fallen erneut die vier Ortsteile Häfnerhaslach, Ochsenbach, Spielberg und Hohenhaslach auf: Dort lag die Beteiligung bei rund 56 Prozent, also deutlich über dem städtischen Durchschnitt. Am wenigsten Menschen gingen in Großsachsenheim zur Wahl (37 Prozent). Allerdings: In absoluten Zahlen gesprochen stimmten dort trotzdem noch die meisten Menschen ab (2922) – die vielen Stimmen der Großsachsenheimer für Windkraft und PV-Anlage hatten also trotz der verhältnismäßig geringen Wahlbeteiligung noch großen Anteil am Endergebnis.
„Es ist gelungen, die Menschen davon zu überzeugen, dass der Energiepark gut für Sachsenheim ist.“
Holger Albrich, Bürgermeister Sachsenheim
„Es freut mich, dass es gelungen ist, die Menschen davon zu überzeugen, dass der Energiepark Alleenfeld mit der Freiflächenphotovoltaikanlage und Batteriespeicher und Windkraft gut für Sachsenheim ist“, ließ sich Sachsenheims Bürgermeister Holger Albrich in einer Pressemeldung zitieren. Automatisch gebaut wird der Energiepark durch das Ergebnis des Bürgerentscheids aber noch nicht – dafür ist noch die Genehmigung des Landratsamts Ludwigsburg erforderlich.
Die höchste Wahlbeteiligung gab es im Kirbachtal
Auch die Sachsenheimer Bürgerschaft wird weiterhin aktiv bleiben. Die Gegner des Energieparks haben bereits angekündigt, das Projekt weiterhin kritisch begleiten zu wollen. Die Unterstützer wollen nun nach Ingersheimer Vorbild eine Bürgerenergiegenossenschaft gründen und so auch finanziell vom Projekt profitieren.