Bürgerentscheid in Weil der Stadt Beim Windrad gibt es keinen Kompromiss

Bürgerentscheid? Finden die Merklinger gut. Nur, wo das Kreuzchen landen soll, haben noch nicht alle entschieden. Foto: Simon Granville

Ja oder nein? Das werden die Weil der Städter im Juni in Sachen Windkraft abstimmen müssen. Jetzt fand die erste von zwei Infoveranstaltungen statt.

Leonberg: Sophia Herzog (she)

Immerhin in einer Sache sind sich die Merklinger einig: Auf die Frage, wie sie es denn überhaupt finden, einen Bürgerentscheid zur Entwicklung von Windrädern auf Weiler Gemarkung durchzuführen, antworten viele mit einem entschlossenen „Sehr gut“. Nur darüber, wo man am 9. Juni das Kreuzchen setzten will, herrscht Unentschlossenheit bis Uneinigkeit. Einen Kompromiss, so sagt es Bürgermeister Christian Walter, könne man in dieser Frage eben schlecht schließen. „Man muss sich entscheiden, ja oder nein.“

 

„Deshalb sind war heute hier“, kommentiert eine Merklingerin am Donnerstagabend inmitten der Menge, die sich in der Festhalle versammelt hat. Die Stadt hat eingeladen, zu einer von zwei Informationsabenden. Merklingen, so könnte man sagen, ist in Sachen Windkraft vorbelasteter als andere Teilorte: Schon vor einigen Jahren sollten im Wald zwischen Merklingen und Heimsheim ein Windrad entstehen, gegen das es auch viel Auflehnung gab, und das schließlich wegen Bedenken rund um den Rotmilan scheiterte.

Auch Bürgerinitiativen wurden eingeladen

Um die Vögel, aber auch um andere Artenschutzbedenken, die Immobilienpreise, den Wald oder Infraschall drehen sich die Sorgen der Menschen, die an den zahlreichen in der Halle aufgeschlagenen Ständen diskutieren. Wie ein kleiner Basar sieht die Halle deshalb aus, und nicht nur die Stadt hat dabei Stellwände aufgestellt, etwa in Sachen Forst. Der Verband Region Stuttgart informiert über die Auswahl der Windvorranggegebiete, der Erste Landesbeamte Martin Wuttke spricht über die Genehmigungsverfahren beim Landratsamt und eine Professorin für erneuerbare Energien gibt Tipps, wo neutrale, glaubwürdige Informationen zu finden sind.

Und nicht zuletzt auch zwei Bürgerinitiativen sind dabei, die wohl sinnbildlich für die Spaltung stehen, die es in der Bürgerschaft rund um das Thema gibt: Auf der einen Seite der Halle „pro Merklingen“, die sich bereits bei der letzten Diskussion um ein Windrad in Merklingen dagegen positioniert hatten, auf der anderen Seite „Bürgerwind Heckengäu“, die einen Windpark mit Bürgerbeteiligung entwickeln wollen. Für diese Idee der Beteiligung samt Mitspracherecht gibt es ebenso Applaus wie für die Bemerkung des Pro-Merklingen-Mitglieds Christian Waschkeit, dass die Bürger entmündigt würden, sobald sie ihr Kreuzchen gesetzt haben.

„Viele haben einfach Angst, wenn die Anlagen so naherücken“, sagt Waschkeit im Gespräch. Er freut sich, dass er an diesem Abend seine Stimme in den Ring werfen kann, Lob für die Einladung der Initiative gibt es auch von einigen Besuchern. Schaut man an die Stände der beiden Bürgerinitiativen, findet man dort eine überwältigende Anzahl von Material: Flyer, QR-Codes, Zeitungsartikel, Ausdrucke aus Facebook-Gruppen. Im Dschungel der vielfältigen Quellen in Sachen Windrad müsse man Informationen ordentlich gegenchecken, sagt Waschkeit. Und in noch einer Sache ist er sich wahrscheinlich einig mit den anderen Teilnehmern im Raum: Er wolle den künftigen Generationen ein lebenswertes Merklingen hinterlassen. Sicherlich auch Ziel von Bürgerwind und Stadtverwaltung – nur wie das gehen soll, darin ist man sich noch uneinig.

Laut Bürgermeister erfolgreiche Veranstaltung

Und die Besucher? Besonders beliebt sind an diesem Abend die Stände der beiden Bürgerinitiativen, ebenso der Weiler Förster Olaf Späth, der per Vegetationskarte erklärt, an welchen Stellen der Merklinger Wald derzeit ohnehin besonders schlecht dasteht. „Als Förster gibt man eigentlich sehr ungern Wald her“, sagt er. Aber: Man müsse versuchen, die Klimaerwärmung aufzuhalten.

Ein ebenso beliebter Gesprächspartner ist an diesem Abend der Bürgermeister. „Die Veranstaltung hat ihr Ziel, nämlich ein Informationsangebot aus erster Hand zu schaffen und auch die Kritiker fair in den Bürgerentscheid einzubinden, vollumfänglich erreicht und war insofern sehr erfolgreich“, sagt Christian Walter im Nachgang zur Veranstaltung. Bei den Bürgern, mit denen er gesprochen hat, seien Vermutungen, etwa, dass die Anlagen gar nicht wirtschaftlich sein könnten, zahlreich vertreten. „Ebenfalls vertreten waren die einzelnen, aber vehementen Stimmen aus Heimsheim, die versuchen, den Weil der Städter Bürgerentscheid in ihrem Sinne zu beeinflussen“, so Walter.

Insgesamt versuche man, auf Basis wissenschaftlicher Fakten samt nachvollziehbarer Quellenangaben zu informieren. „Es wäre aber eine Illusion zu glauben, dass man damit alle Bevölkerungsteile überzeugen könnte“, so Walter. Es werde aber immer auch Menschen geben, die auf emotionaler Basis abstimmen. „Das muss man in einer Demokratie aushalten.“

Er hat das Gefühl, dass sich in den Köpfen der Menschen seit der letzten Windkraftdebatte etwas verändert hat, sagte Christian Walter unserer Zeitung vor rund eineinhalb Jahren. Ob das wirklich so ist? Im Juni wird es sich zeigen.

Tour: Am Samstag, 18. Mai, soll auf einer Tour mittels Tablet gezeigt werden, wie die Windräder am Horizont aussehen könnten. 9 Uhr: Merklinger Festhalle, 9.30 Uhr: Merklinger Ortsmitte, 10.15 Uhr: Friedhof Münklingen, 11 Uhr: Kindergarten Hausen, 11.45 Uhr: Spielplatz Häugern, 12.30 Uhr: Malersbuckel

Weitere Themen