Bürgerentscheid in Weinstadt Schwimmen - oder untergehen?

Mit öffentlich aufgehängten Badeanzügen und -hosen warnt eine Gruppe vor der Badschlappe in Weinstadt. Foto: Stoppel
Mit öffentlich aufgehängten Badeanzügen und -hosen warnt eine Gruppe vor der "Badschlappe" in Weinstadt. Foto: Stoppel

Am Sonntag entscheiden die Bürger über ein neues Freibad. Die Gegner des Projekts warnen vor einer Überschuldung der Kommune.

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Weinstadt - Der Streit über ein neues Freibad im Teilort Endersbach lässt die Emotionen in Weinstadt (Rems-Murr-Kreis) hochgehen. Inzwischen tun sich innerhalb der Ratsfraktionen tiefe Gräben auf, und auch zwischen den einst selbstständigen Ortsteilen der Reformkommune regen sich neue Animositäten. Beim ersten Bürgerentscheid in der Geschichte der Stadt am Sonntag geht es um die folgende Alternative: Soll das marode Mineralhallenfreibad Cabrio durch ein neues Sport- und Familienbad für sechs Millionen Euro ersetzt werden, wie dies der Gemeinderat Mitte Mai nach mehrjährigen Debatten äußerst knapp beschlossen hat? Oder sollen die Pläne für den Badbau aus Sorge um die städtischen Finanzen für die nächsten Jahre auf Eis gelegt werden, wie dies die Initiative Kein Bad auf Pump fordert?

Neben den Kämpfern gegen das neue Bad in Endersbach, die Ende Juni anstelle der nötigen 2000 gleich gut 5000 Unterschriften für den Bürgerentscheid präsentiert haben, hat sich in den vergangenen Monaten auch eine Initiative Pro Bad zusammengetan, die unter anderem von Sportvereinen, der DLRG, dem Roten Kreuz, der Versehrtensportgruppe oder der Rheumaliga unterstützt wird. "Wer schwimmt, gewinnt", argumentieren diejenigen, die ein für Vereine, Schulen, Familien und Senioren nutzbares Hallenbad für absolut unerlässlich halten.

Die Finanzierung sei gesichert, meinen sie. Und jene 39 Millionen Euro Schulden im Jahr 2013, mit denen die Gegner vor vier Monaten in ihre Kampagne gezogen seien, hätten sich als schlichte Panikmache erwiesen.

Die erwarteten Schulden sind geringer


Angesichts eines Schuldenstandes von 17,6 Millionen Euro zum Ende des laufenden Jahres, in dem der Badbau bereits inbegriffen sei, und zudem noch verbleibenden Rücklagen von gut acht Millionen Euro sei die finanzielle Lage der Stadt keineswegs so besorgniserregend wie behauptet.

Vor allem das Motto "Kein Bad auf Pump" sei Unsinn, argumentieren die Badbefürworter. "Ohne Kredite", so heißt es in einem dieser Tage verbreiteten Pro-Bad-Flyer, "gäbe es in Weinstadt kein Bildungszentrum, kein Stadion, keine Sporthallen, keine Kinderhäuser, keine Freibäder, und ein Cabrio hätte es auch nie gegeben."

Die Gegner gestehen inzwischen ein, dass sich der Schuldenstand der Stadt bis 2013 nur auf 28 statt der befürchteten 39 Millionen Euro erhöhen würde. Die Kosten von sechs Millionen Euro für das neue Bad belasteten den Etat dennoch: "Das zieht für jeden Bürger spürbare Einschnitte in anderen Bereichen nach sich", heißt es in einem Flyer der Gegner.

Gegner fordern andere Investitionen


Der Badbau blockiere voraussichtlich anderweitige Investitionen. Sie haben von der Toilettenerneuerung in der Beutelsbacher Grundschule bis hin zu neuen Tischen und Stühlen in der Großheppacher Halle eine Liste dessen angefügt, was momentan nicht im städtischen Investitionsplan bis 2013 steht. Außerdem bekomme man für die sechs Millionen nur "ein Hallenbad ohne Attraktionen", das angesichts der Belegungen durch Schulen und Vereine für die Öffentlichkeit nur begrenzt zur Verfügung stehe. Im Übrigen gebe es im Remstal schon genügend Bäder.

Hier allerdings machen die Neubaubefürworter eine ganz andere Rechnung auf: Laut einem Badgutachten sei der Schwimmbetrieb im Stiftsbad nur noch provisorisch möglich, ansonsten drohten dort Millioneninvestitionen für eine Sanierung. Zusammen mit gut zwei Millionen, die dann für Planungskosten und den Rückbau des Cabrios fällig würden, stehe man mittelfristig trotz Millionenkosten badtechnisch quasi mit leeren Händen da. Derlei Zahlenspiele haben wiederum jene jüngeren Badgegner wenig beeindruckt, die sich als Gruppe namens "Badschlappe" kreativ eingebracht haben. Zunächst haben sie die Skulptur des Armen Konrads vor dem Beutelsbacher Rathaus mit Badezeug versehen und OB Jürgen Oswald sinnbildlich für das aus ihrer Sicht "eine Nummer zu groß" geratene Bauvorhaben eine Badehose in Übergröße spendiert.




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