Bürgerentscheid über Industriegebiet Endspurt am Dettinger Hungerberg
Am 26. September entscheiden die Bürgerinnen und Bürger der Teckgemeinde, ob sie ein Industriegebiet vor ihrer Haustüre bekommen oder ob am Hungerberg Acker Acker bleibt.
Am 26. September entscheiden die Bürgerinnen und Bürger der Teckgemeinde, ob sie ein Industriegebiet vor ihrer Haustüre bekommen oder ob am Hungerberg Acker Acker bleibt.
Dettingen - Am Sonntag, 26. September, dem Tag der Bundestagswahl, werden nicht nur national, sondern auch regional wichtige Weichen gestellt. In Dettingen entscheiden die Bürgerinnen und Bürger der 6200 Einwohner zählenden Gemeinde, ob im Gewann Hungerberg auf 21,6 Hektar Freifläche ein zukunftsweisendes Gewerbegebiet entstehen darf oder ob die entlang der Autobahn und der neuen ICE-Trasse gelegenen Felder weiterhin landwirtschaftlich genutzt werden können.
Die Fronten im Vorfeld des Bürgerentscheids sind verhärtet. Auf der einen Seite stehen die Befürworter, die in dem Zwickel zwischen der A 8 und der Bundesstraße 465 einen Hochtechnologie-Standort sehen, der für das wirtschaftliche Überleben der Region in Zeiten des Technologiewandels unverzichtbar ist. Zu ihnen zählt eine Mehrheit im Regionalparlament, der Dettinger Bürgermeister Rainer Haußmann und die Industrie- und Handelskammer in der Region. Und natürlich die Nachbarn Kirchheim und Notzingen, die mit der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart in einem Boot sitzen, wenn es darum geht, die Planung umzusetzen.
Auf der anderen Seite stehen die Bürgerinitiative Hungerberg, die im Kreisbauernverband Esslingen organisierten Landwirte und die Umweltverbände. Sie wollen den regionalen Grünzug am Hungerberg erhalten und eine weitere Versiegelung von Flächen im Außenbereich verhindern. Zwischen den Fronten laviert der Gemeinderat, in dem sich Befürworter und Gegner die Waage halten.
Mit dem Bürgerentscheid wird der Ratsrunde die Entscheidung ohnehin abgenommen. Ohne große Mühe war es der Bürgerinitiative gelungen, die für einen Entscheid notwendige Anzahl von Unterschriften beizubringen. Formal geht es um ein Ja oder ein Nein zu dem Bebauungsplan, den die Gemeinde Dettingen neu aufstellen muss, um einer Unternehmensansiedlung am Hungerberg den Boden zu bereiten.
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An genau diesem Boden haben sich zuletzt die Geister geschieden. Mit mehr als 60 Traktoren und anderen landwirtschaftlichen Zugmaschinen hatten vor Wochenfrist nicht nur die Dettinger Landwirte, sondern auch aus Kirchheim und den angrenzenden Ortschaften angereiste Bauern gegen die drohende Bebauung der Ackerflächen in Sichtweite der Teck protestiert.
Am Freitag nun hat der Kreisbauernverband öffentlichkeitswirksam nachgelegt. Einmal mehr würden sich die Bauern dem Vorwurf ausgesetzt sehen, sie würden die gewerbliche und technologische Entwicklung blockieren, heißt es in einer Pressemitteilung. Dem sei nicht so. Die Bauern würden sich nicht gegen gewerbliche Entwicklungen stellen – so sie denn sinnvoll und flächenschonend umgesetzt würden. Alleine im Umfeld von nur wenigen Kilometern um die Kirchheimer Autobahn-Ausfahrten befänden sich zahlreiche große versiegelte Flächen, die ausschließlich als Parkplätze oder Stellflächen dienten. Solche Flächen könnten zeitnah und durch eine sinnvolle Vernetzung auch wirtschaftlich lohnend umgesetzt werden. Der Kreisbauernverband drängt deshalb darauf, diese Überlegungen als wirklich innovative Planungen und Entwicklungen anzustoßen und mit modernen Joint-Ventures in der Region nicht nur Arbeitsplätze zu erhalten, sondern innovative und zukunftsweisende Technologien voranzutreiben. So ließe sich der Raum als Musterregion und Zukunftswerkstatt entwickeln.
Angesichts einer Versiegelung von jährlich 100 Hektar Freifläche im Kreis Esslingen könne aus Sicht des Kreisbauernverbands niemand mehr ruhigen Gewissens einem „Weiter so“ beim Flächenverbrauch zustimmen. Abschließend fordert der Kreisbauernverband die Regionalversammlung, die kommunalen Planungsträger und die Wirtschaft „dringend dazu auf, ihre Planungsgrundsätze zu überdenken und im Bestand nach Flächen und Möglichkeiten für Ansiedlungen zu suchen, um unseren Lebensraum und die Grundlagen für eine regionale Landwirtschaft mit einer nachhaltigen Perspektive für zukünftige Generationen zu erhalten“.
„Natürlich bringt ein solches Industriegebiet erhebliche Eingriffe mit sich“, hatte Thomas Kiwitt, der Chefplaner des Verbands Region Stuttgart, in der jüngsten Planungsausschusssitzung eingeräumt. Er sehe aber die Chance, „jetzt einmal zu zeigen, wie wir das ausgleichen können – und was passieren kann, wenn alle an einem Strang ziehen.“ Man könnte das neue Industriegebiet mit Bäumen kaschieren, einen Landschaftspark anlegen, Aufenthaltsorte mit Sitzmöglichkeiten und Naturbeobachtungszonen schaffen und ein optimales Mobilitätskonzept für Radfahrer und Fußgänger entwickeln. Das könne man annehmen – oder eben auch nicht, so die Botschaft des Regionalplaners an das Dettinger Wahlvolk.
Die Entscheidung liegt jetzt in der Hand der Bürgerinnen und Bürger
Planung
Die Kommunen Dettingen unter Teck, Kirchheim unter Teck und Notzingen planen gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH, im Bereich Hungerberg auf der Gemarkung der Gemeinde Dettingen einen Vorhaltestandort für Gewerbe zu entwickeln. Der Vorhaltestandort steht für das Ziel, die Region Stuttgart als einen führenden Hochtechnologiestandort zu erhalten. Neben der Autobahn soll nach dem Willen der Planer der Boden bereitet werden, um gute Ideen in innovative Produkte und Dienstleistungen umzusetzen.
Bürgerentscheid
Um die Pläne umzusetzen, muss die Gemeinde Dettingen den Bebauungsplan für das 21,6 Hektar große Gebiet, das bisher als regionaler Grünzug ausgewiesen war, ändern. Der Bürgerentscheid legt diese Richtungsentscheidung in die Hände der Bürgerinnen und Bürger. Die Abstimmung ist am Sonntag, 26. September, angesetzt.