Mönchweiler - Rudolf Fluck ist mit einem gesunden Schlummer gesegnet. Dem Bürgermeister von Mönchweiler im Schwarzwald-Baar-Kreis raubt so schnell nichts den Schlaf, das behauptet der Christdemokrat jedenfalls. Am Sonntag aber will der Schultes von seinen 3000 Mönchweilern wissen, was die Stunde geschlagen hat. Dann soll ein Bürgerentscheid klären, ob die Glocke der evangelischen Antoniuskirche auch nachts jede Viertelstunde schlagen soll oder nicht. Einige Anwohner – es sollen zwei Familien sein – wünschen sich endlich eine stille Nacht. Der Mönchweiler Dennis Mattutat wirbt hingegen dafür, dass die Glocken weiterhin süß klingen. Ein Streit, der auch schon andere Gemeinden im Land spaltete.
Aber von vorn. Mehrere Anwohner, sagt Fluck, hätten darum gebeten, den nächtlichen Glockenschlag auszusetzen. Alle 15 Minuten bimmelt das Geläut zur Viertelstunde, vier Mal zeigt die volle Stunde an, dann folgt die Stundenzahl. Die Glocke der Antoniuskirche tut das mit Wumms. Eine Messung ergab, dass der Glockenschlag 80 Dezibel (dB) erreicht. Das ist nach Angaben der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) tagsüber in Ordnung. Die Lärmschutzrichtlinie schreibt am Tag eine Obergrenze von 60 bis 90 dB in der Spitze vor. Die nächtlichen Grenzwerte aber überschreitet der heilige Bimbam. Da gelten 45 dB als Regel, 65 dB als Spitzenpegel.
Bürger: Kultur, die nie verloren gehen darf
Bereits Ende Juli beschloss der Gemeinderat deshalb, den Glockenschlag zwischen 22 Uhr und 5.59 Uhr auszusetzen. Dass die bürgerliche Gemeinde dafür zuständig ist, hat historische Gründe. Schließlich zeigte der Schlag der Kirchturmglocken früher den Bauern auf dem Feld die Zeit und im Notfall den Einwohnern auch ein Feuer an.
Jetzt schlägt’s dreizehn, dachte sich jedoch Dennis Mattutat. Er initiierte eine Unterschriftensammlung, eröffnete eine Facebookgruppe und trommelte für die Erhaltung einer Tradition und Kultur, die nie verloren gehen dürfe, wie er auf Facebook schreibt. Es sei nicht angebracht, „Einzelne über dieses uns am Herzen liegende Thema entscheiden zu lassen“. Gerade nachts sei „der Glockenschlag ein Segen, der durch Mönchweiler geht“, der Sicherheit und Geborgenheit bringe und Trost spende.
Bürgermeister: Manche finden keinen Schlaf
„Das ist so laut, da finden manchen einfach keinen Schlaf“, sagt dagegen der Bürgermeister. Dabei mag es eine göttliche Fügung gewesen sein, dass nach einem Blitzeinschlag im vergangenen Jahr die Steuerungstechnik erneuert werden musste und seither eine Nachtabschaltung technisch überhaupt erst möglich wurde. „Wir haben versucht, einen Kompromiss zu finden“, so Fluck. Die Gemeinde beauftragte Fachleute, die Seilzüge des mechanischen Glockenwerks so zu entlasten, dass der Hammer weniger stark auf die Glocke trifft. Damit ließe sich der Lärmpegel auf 63 dB reduzieren – ein erlaubter Wert. Damit indes seien die Anwohner nicht einverstanden gewesen, sagt Fluck. Sie pochten auf Einhaltung der 45 dB. Daraufhin schaltete er das Geläut ab: Beschluss ist Beschluss.
Einen Tag später hatte der Schultes ein von 274 Unterstützern unterzeichnetes Bürgerbegehren für die Beibehaltung des nächtlichen Glockengeläuts auf seinem Schreibtisch. 177 Unterschriften wären notwendig gewesen, um das Quorum zu erreichen. Keine Woche später beschloss der Gemeinderat, einen Bürgerentscheid durchzuführen. Das Thema „ist bei uns in einer Art und Weise aufgeschlagen, wie ich es nie erwartet hätte“, sagt Fluck. Im Zweifel, davon ist er überzeugt, habe in dieser Angelegenheit ohnehin ein Richter das letzte Wort, also ein weltlicher.