Bürgerfest Esslingen Kollektives Schaulaufen der Stadtgesellschaft

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Das Bürgerfest am ersten Juliwochenende ist die identitätsstiftende Veranstaltung in Esslingen. Drei Tage lang ist die ganze Stadt auf den Beinen.

Beim Bürgerfest gibt ganz Esslingen wieder Vollgas. Foto:  
Beim Bürgerfest gibt ganz Esslingen wieder Vollgas. Foto:  

Esslingen - Der Esslinger Zeitungslauf am Sonntagvormittag, 7. Juli, gilt als der sportliche Höhepunkt des Esslinger Bürgerfests. An den beiden Tagen zuvor und am Sonntagnachmittag steht die Stadt dagegen ganz im Zeichen eines gesamtgesellschaftlichen Schaulaufens. „Das Bürgerfest ist das identitätsstiftende Fest in Esslingen. Nirgendwo kommt so viel Bürgerschaft zusammen. Es ist der Ausdruck der gesellschaftlichen Vielfalt in einer Stadt, in der mittlerweile 147 Nationen friedlich zusammenleben“, sagt der Esslinger Oberbürgermeister Jürgen Zieger im Vorfeld der 46. Auflage der Esslinger Nationalfeiertage.

Drei Tage, zehn Bühnen, mehr als 90 Vereine und 130 Mitwirkende in der Organisation – das sind die nackten Zahlen. „Stadt des Miteinanders“, „Küche der Welten“, „engagierte Bürgerschaft“, „Vielfalt des Vereinslebens“ – das ist der gesellschaftspolitische Bogen, unter den der Oberbürgermeister die drei Festtage in der Stadt stellt. Den Blick für die gesellschaftlichen Strömungen jenseits der Tagesaktualität zu schärfen, das ist auch die Aufgabe des Schwörtags, der am Freitag, 5. Juli, traditionell den Auftakt zum Bürgerfest markiert. Bevor der Esslinger Gemeinderat im Schwörhof feierlich das Gelübde ablegt, allzeit zum Wohle der Stadt zu wirken, spricht der Tübinger Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen um 18 Uhr zum Thema „Die digitale Revolution – Was die neue Medienwelt für die Gesellschaft und jeden von uns bedeutet“.

Es geht um den Zusammenhalt in der Gesellschaft

Auch in Pörksens Vortrag gehe es um Fragen des Zusammenhalts einer Gesellschaft, die sich den Herausforderungen von Vernetzung und Digitalisierung stellen müsse, sagt Zieger. Der Kommunikationsforscher Pörksen, Autor des Buches „Die große Gereiztheit“, beschreibt, wie die neue Medienwelt auch die Vorstellung von Autorität und Macht verändert.

Der Schwörtag geht auf eine mittelalterliche Tradition der ehemals Freien Reichsstadt zurück. Im Jahr 1990 ist er von dem damaligen Oberbürgermeister Ulrich Bauer wiederbelebt worden.

Der Samstag, 6. Juli, steht ganz im Zeichen der Vereine der Stadt. Um 10 Uhr öffnen sie ihre Stände mit einem reichhaltigen Angebot an Information, Speisen und Getränken. Auf den Bühnen in der Innenstadt spielen Live-Bands, tanzen Folk­loregruppen und zeigen Sportler ihr Können. Flohmärkte laden zum Stöbern ein, und im Hof des Amtsgerichts wartet eine Experimentiermeile auf junge Forscherinnen und Forscher. Frei nach dem Motto „Wissenschaft zum Anfassen“ kann dort die Sonne per Sonnenteleskop beobachtet, die Geheimnisse der Architektur erfahren oder die Funktion des Amateurfunks ergründet werden.

Luftartisten und Musiker erzählen die Geschichte der Stadt nach

Neu dieses Jahr ist das Programm in Klein-Venedig: Zwei Luftartisten und zwei Musiker inszenieren dort, unterstützt von einem Sprecher, besondere Geschichten der Stadt – vom Gründungsmythos und der ersten Erwähnung im Jahr 777 über die Bürgerpflichten im Mittelalter bis hin in die heutige Zeit. „Das passiert im Boot auf dem Rossneckar, aber auch am Bergsteigerseil an der Mauer“, sagt Dominique Caina vom städtischen Kulturamt. Den Abschluss bildet am Sonntag eine Musikbühne auf dem Rathausplatz, die ab 18 Uhr von verschiedenen Formationen aus der Region bespielt wird.

Und noch eine bisher unveröffentlichte Zahl hat der Oberbürgermeister zum Abschluss der Auftaktpressekonferenz am Dienstag im Alten Rathaus parat. Seine Laufstrecke, die Zehn-Kilometer-Runde durch die Innenstadt, sei mit 24 897 Pflastersteinen gesät, verrät der Ratschef schmunzelnd. Als passionierter Läufer muss er das wissen, hat doch die Teilnahme am Stadtlauf seit seinem Amtsantritt im Jahr 1998 ihren festen Platz in seinem Terminkalender.