Bürgerhaushalt in Stuttgart Kickers haben Konzept für eine neue Halle

Sportvereine klagen über geringe  Hallenzeiten. Darunter würden besonders  Kinder und Jugendliche leiden. Foto: imago images//Thonfeld
Sportvereine klagen über geringe Hallenzeiten. Darunter würden besonders Kinder und Jugendliche leiden. Foto: imago images//Thonfeld

Sporthallen sind in Stuttgart Mangelware. Das bekommen insbesondere die Vereine zu spüren. Die Handballer der Kickers wollen die Sache nun selbst in die Hand nehmen. Sie haben konkrete Pläne in Möhringen, die sie im Bürgerhaushalt bewerben.

Filderzeitung: Alexandra Kratz (atz)

Möhringen - Das Ziel ist definiert. Die Handballer der Stuttgarter Kickers wollen mit ihrem Vorschlag unter die Top 100 beim Stuttgarter Bürgerhaushalt kommen. Dafür haben sie sich bereits mächtig ins Zeug gelegt und unter anderem eine eigene Internetseite zusammengestellt. Die Sportler fordern eine neue Halle im Rembrandt-Schulzentrum in Stuttgart-Möhringen.

„Die Hallenkapazitäten in Möhringen sind äußerst knapp. Die Stadt kann den Vereinen nach eigenen Angaben derzeit nur 75 Prozent der erforderlichen Hallenzeiten zur Verfügung stellen“, sagt der Abteilungsleiter Dietmar Hauber. In Möhringen sei die Rembrandthalle derzeit die einzige wettkampftaugliche Halle. „Und die ist in die Jahre gekommen. Es regnet immer wieder rein. Sie muss dringend saniert werden“, sagt Hauber und ergänzt: „Unter dieser Situation leiden der Sport und die Entwicklungsmöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen.“

Auch Schüler sollen die neue Halle nutzen können

Die Lösung sei der Neubau einer Trainingshalle neben der alten Rembrandthalle. „Dort ist genug Platz, das Grundstück gehört der Stadt, es gibt genug Parkplätze und eine gute ÖPNV-Anbindung“, nennt Dietmar Hauber einige Argumente. Er und seine Mitstreiter haben bereits die Initiative ergriffen, sich im Umland umgeschaut und in Knittlingen ein Paradebeispiel gefunden. Dort stehe eine Halle in Leichtbauweise, die nur etwa eine Million Euro gekostet habe. „Die Halle hat alles, was es braucht. Es gibt keine Zuschauerränge, aber als Trainingshalle würde es reichen“, sagt Dietmar Hauber.

Zusammen mit einem Architekten haben die Handballer Pläne entwickelt. Demnach würde die Halle maximal drei Millionen Euro kosten. Erste Gespräche mit dem Sport- und dem Schulverwaltungsamt gab es bereits. Mit der Schulleitung des Königin-Charlotte-Gymnasiums ziehe man an einem Strang. Die zusätzliche Halle könnte vormittags den Schulen und nachmittags den Vereinen zur Verfügung stehen.

Die Handballer brauchen die neue Halle möglichst schnell

Die Sportler können sich sogar vorstellen, die Halle in Eigenregie bauen zu lassen, wenn sie das Grundstück dafür in Erbbaupacht zur Verfügung gestellt bekommen. Dann könnte es schneller gehen, denn die Personalressourcen bei der Stadtverwaltung, um so ein Projekt voranzutreiben, sind knapp. „Wir wollen die Halle aber möglichst schnell haben, der Bedarf ist jetzt da. Wir als Verein haben auch eine gesellschaftliche Aufgabe. Deshalb können wir uns vorstellen, dieses Projekt zu übernehmen“, sagt Hauber.

Zunächst einmal gilt es aber, Werbung für das Anliegen zu machen. Auf der dafür eigens eingerichteten Internetseite sind Argumente für die Halle zu finden, in Form von kleinen Videos von Vereinsmitgliedern. Zudem erläutern die Kickers ihr Konzept, und sie verweisen auf den Bürgerhaushalt. Dort ist der Vorschlag unter dem Titel „Sporthalle für Möhringen“ unter der Nummer 60038 eingestellt.

Beim Bürgerhaushalt abstimmen

Noch bis zum 24. März kann jeder Stuttgarter dem Projekt seine Stimme geben. „Mit einer breiten Unterstützung aus dem gesamten Stadtbezirk kann es gelingen, das Ziel zu erreichen und die Hallensituation in Möhringen nachhaltig zu verbessern“, wirbt der Verein. Die Kickers hatten vor zwei Jahren im Bürgerhaushalt einen ähnlichen Vorschlag gemacht. Damals war das Projekt nicht sehr erfolgreich. „Doch damals war es auch erst einmal ein Versuchsballon. Dieses Mal geben wir Vollgas“, betont Dietmar Hauber.

Studie belegt, das Stuttgart mehr Sporthallen braucht

Wie groß der Mangel an Hallen insgesamt in Stuttgart ist, zeigt eine Untersuchung des Sportamts aus dem Jahr 2019. Demnach fehlten zum damaligen Zeitpunkt mindestens 30 Sport- und Turnhallen. Zwar konnte die Nachfrage der Schulen zu 100 Prozent gedeckt werden, bei den Vereinen waren es aber eben nur 75 Prozent. Und besonders mau sah es auf der Filderebene aus. Birkach landete nach Stuttgart-Mitte auf dem vorletzten Platz, dort konnte die Stadt den Vereinen nur 43,5 Prozent der benötigten Hallenkapazitäten zur Verfügung stellen, es folgten Plieningen und Möhringen mit gut 60 Prozent. Der Gemeinderat gab daraufhin mehr Geld als ursprünglich geplant für den Bau neuer Hallen frei.

Auf der Waldau in Stuttgart-Degerloch steht bereits eine neue Halle. Zusammen mit dem benachbarten Action-Platz kostete diese 18,2 Millionen Euro. Die Eröffnung der Halle verzögerte sich mehrfach. Zuletzt hieß es, dass das Gebäude nutzbar sein werde, sobald der Sportbetrieb wieder anlaufe. Derweil nehmen die Pläne für eine neue Mehrzweckhalle in Plieningen gerade erst wieder Fahrt auf. Sie sind im Bürgerhaushalt unter der Nummer 61460 zu finden.

Der Bürgerhaushalt

Verfahren - Beim Bürgerhaushalt können die Stuttgarter Ideen einbringen, wofür die Stadt Geld ausgeben soll und wofür nicht. Diese Phase ist bereits abgeschlossen. Noch bis zum 24. März sind nun alle Stuttgarter dazu aufgerufen, die Ideen zu bewerten. Anschließend ermittelt die Verwaltung die 100 Vorschläge mit den meisten positiven Stimmen. Um insbesondere kleinere Stadtbezirke beim Bürgerhaushalt nicht zu benachteiligen, werden zudem die zwei am besten bewerteten Vorschläge jedes Stadtbezirkes in die Liste aufgenommen. Sie werden geprüft. Die mit den Stellungnahmen der Fachverwaltungen und der Bezirksbeiräte ergänzten Vorschläge werden in einer Gemeinderatsvorlage zusammengefasst und den Kommunalpolitikern vorgelegt, die dann entscheiden.

Mitmachen - Beim Stuttgarter Bürgerhaushalt darf jeder mitmachen, der einen Wohnsitz in Stuttgart hat – unabhängig vom Alter. Im Jahr 2019 machten 40 620 Einwohnerinnen und Einwohner insgesamt 3753 Vorschläge für den Haushaltsplan und bewerteten diese mit mehr als 1,4 Millionen Stimmen.

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