Bürgerhaushalt Stuttgarter wollen Fellbach eingemeinden

Schon früher hat es Verhandlungen zwischen den Nachbarstädten gegeben. Foto: Brien
Schon früher hat es Verhandlungen zwischen den Nachbarstädten gegeben. Foto: Brien

In der Landeshauptstadt dürfen Bürger Vorschläge für die Haushaltsplanung machen. Eine Idee: Fellbach eingemeinden. Diese Überlegung ist nicht neu, bereits im Jahr 1932 gab es Verhandlungen zwischen den Nachbarstädten.

Fellbach: Gerhard Brien (bri)
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Fellbach -

Mehr Einwohner, mehr Steuereinnahmen, mehr Arbeitsplätze, mehr Bauplätze – davon träumt jeder Bürgermeister. Weil das nicht so einfach ist, hat der Stuttgarter Oberbürgermeister seine Bürger um Vorschläge für die Haushaltsplanung gebeten. Und prompt taucht in diesem Bürgerhaushalt eine geniale Idee auf, wie man alle Sorgen wegputzt: Fellbach eingemeinden. Kann ja so schwer nicht sein.

Stuttgart würde mehr Gewicht in Deutschland bekommen

„Die Verwaltung sollte Gespräche mit der Stadtverwaltung Fellbach aufnehmen und klären ob eine Eingemeindung beiden Seiten Vorteile verschaffen könnte“, schlägt da einer der Bürgerexperten vor. Fellbach sei sowieso schon mit Bad Cannstatt zusammengewachsen, die U1 der SSB fährt dorthin. Mit der S-Bahn ist das Stadtzentrum schnell zu erreichen, schneller als etwa von Vaihingen. „Daher würde es Sinn machen, im Einvernehmen das Stadtgebiet in diese Richtung auszudehnen.“ Die Stadt würde dadurch mehr Gewicht in Deutschland bekommen. Und durch die neue Gemarkungsgrenze wäre es außerdem einfacher, einen Nordostring zu verwirklichen oder etwa Windräder hinter der Grabkapelle zu verhindern, meint ein Ratgeber.

Die Eingemeindung ist keine neue Idee

Nun ist das mit der Eingemeindung keine so neue Idee. Schon 1932 gab es Verhandlungen zwischen den Nachbarstädten, ein Vertrag war schon fix und fertig formuliert. An Wünschen hat es unterm Kappelberg nicht gefehlt. So sollte Stuttgart nicht nur die Vieh-, Schweine- und Holzmärkte, die Farren- und Bockhaltung sowie die Gemeindekeltern weiterführen, sondern auch eine neue Volksschule, eine Turn- und Festhalle, eine Realschule und eine Kinderkrippe bauen, die Straßen kanalisieren und teeren, die Feldwege chaussieren, für die Straßenbahn einen Sechs-Minuten-Betrieb in den Hauptverkehrszeiten einführen und das Gleis bis zum Bahnhof verlegen, die Freiwillige Feuerwehr mit einer Autodrehleiter auszustatten sowie drei öffentliche Bedürfnisanstalten erstellen. Außerdem müsste Stuttgart innerhalb von fünf Jahren ein Hallenbad und ein Freibad bauen und noch ein paar Kleinigkeiten mehr.

Damals wollten die Stuttgarter nicht. Fellbach war ihnen schlicht zu teuer. Später, im Juni 1945, versuchten sie’s dann mit Waffengewalt, allerdings waren die sieben Kriminalbeamten aus Stuttgart, die das Fellbacher Rathaus besetzen und die Kasse mitnehmen wollten, als Streitmacht nicht mächtig genug.

Fellbach ein Schnäppchen?

Jetzt stehen die Stuttgarter also wieder ante portas. „Fellbach ist eine schöne Stadt, die direkt an Bad Cannstatt grenzt und sich gut als Stuttgarter Stadtteil machen würde“, schlägt einer vor, ein anderer freut sich: „Keine Investitionen in Infrastruktur notwendig“. Ein Schnäppchen also. Freilich sind auch die Kommentare zu solchen Vorschlägen auf der Bürgerhaushalt-Internetseite deutlich genug: „Gerade habe ich mal einen alteingesessenen Fellbacher gefragt, was er denn davon hält (die wären dann ja nicht so ganz unbeteiligt). Ich zitiere wörtlich: Wir Fellbächer behalten unsere Steuern schön selber…Der Typ hat doch Lack gesoffen…!“

Interessant in diesem Zusammenhang ist eine Meinungsäußerung aus einem Stuttgarter Teilort: „Wenn man, wie ich, seit 1956 im engeren Umkreis und seit 1990 direkt in Untertürkheim wohnt, dann ist man erschüttert, was aus dem Ortskern mittlerweile geworden ist. Das Ladensterben hat sich wie eine Epidemie ausgebreitet, und als Ersatz scheinen sich Spielhallen auszubreiten. Wenn ich es nicht vermeiden kann und zum Bahnhof Untertürkheim muss, habe ich das Gefühl, nur noch ‚fremd’ zu sein und mich in einer zwielichtigen Gegend zu bewegen. Mittlerweile ‚flüchten’ wir nach Fellbach, und dies soll auch mein Vorschlag sein. Wie ist es möglich, dass die Verantwortlichen in Fellbach es schaffen, ein Ladenkonzept zu verfolgen, mit dem sich der Bürger wohlfühlen kann? Vielleicht können Verantwortliche aus dem Stadtbezirk Untertürkheim sich mit den Fellbacher Kollegen austauschen, damit man wieder gerne und ohne Graus nach ‚Untertürkheim’ zum Einkaufen und zum Bummeln gehen kann.




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