Bürgerhospital in Stuttgart Die ersten Flüchtlinge ziehen ein

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Im Bürgerhospital wird nun doch keine vom Land betriebene Erstaufnahmestelle entstehen. Der Grund: Die Stadt benötigt den Platz selbst zur Unterbringung von Flüchtlingen. Die ersten werden schon am Dienstag einziehen.

Auf dem Gelände des Bürgerhospitals  leben bereits 220 Flüchtlinge. Foto: Achim Zweygarth
Auf dem Gelände des Bürgerhospitals leben bereits 220 Flüchtlinge. Foto: Achim Zweygarth

Stuttgart - Es ist entschieden: Auf dem Areal des Bürgerhospitals wird keine Landeserstaufnahmestelle für Flüchtlinge entstehen. Dieses Ergebnis hat ein Spitzengespräch von Stadt und Land erbracht. „Wir brauchen das Bürgerhospital selbst, um die uns zugewiesenen Flüchtlinge unterbringen zu können“, sagte Finanzbürgermeister Michael Föll (CDU) – und bestätigte damit einen Bericht der Stuttgarter Zeitung vom vergangenen Samstag.

Die Verwaltung teilte mit, dass in dem Gebäude vorübergehend bis zu 600 Flüchtlinge unterkommen sollen. Bisher war von 250 die Rede gewesen. Die Stadt geht davon aus, dass dies bis Mitte nächsten Jahres der Fall sein wird. Schon am Dienstag werden die ersten Flüchtlinge dort einziehen. Bis Ende August werden es 370 sein.

Insgesamt 900 Flüchtlinge auf dem Areal

Damit wächst die Gesamtzahl von Flüchtlingen auf dem Gelände mittelfristig auf etwa 900. In drei Gebäuden auf dem Areal, in denen die Psychiatrie vor ihrem Umzug nach Cannstatt beheimatet war, leben seit Herbst 2013 bereits 220 Menschen, die Asyl beantragt haben. Überdies hat die Stadt angekündigt, in dem großen ehemaligen Klinikgebäude dazu noch 80 sogenannte unbegleitete minderjährige Flüchtlinge unterzubringen, die vom Jugendamt eine intensive Betreuung erfahren und für die man ebenfalls händeringend nach Wohnflächen sucht.

Wie sehr die Landeshauptstadt bei der Unterbringung von Neuankömmlingen selbst unter Druck steht, zeigen die Zahlen. Noch vor wenigen Wochen lebten rund 3300 Flüchtlinge in Stuttgarter Wohnheimen. Ende des Jahres werden es 5400 sein, bis im Jahr 2016 wächst diese Zahl auf voraussichtlich knapp 7900. Um diesen Zuzug bewältigen zu können, hat man begonnen, in mehreren Schritten und an verschiedenen Stellen der Stadt sogenannte Systembauten zu errichten. Inzwischen ist die vierte Tranche dieser Modulhäuser beschlossen, im Herbst folgt eine weitere.

Bis Ende des Jahres fehlen immer noch 700 Plätze

Allerdings benötigen die kommunalpolitischen Prozesse Zeit. Deshalb braucht die Stadt Flächen als Puffer, wo sie die Flüchtlinge vorübergehend unterbringen kann. Dafür ist das Bürgerhospital vorgesehen, wo in einigen Jahren Wohngebäude entstehen sollen. Bei einer Zuweisung von durchschnittlich 300 Flüchtlingen pro Monat fehlten der Stadt bis zum Jahresende trotz der Kapazitäten im Bürgerhospital immer noch 700 Plätze, erklärte Föll.

Schon als vor einiger Zeit das Olgäle geräumt wurde, wo in absehbarer Zeit ebenfalls Wohnungen entstehen, zogen bald darauf Flüchtlinge in das im Westen gelegene ehemalige Kinderhospital ein. Vorübergehend sind es bis zu 160 Menschen gewesen. Auch Bewohner von dort werden ins Bürgerhospital umziehen.

Das Vorgehen der Stadt trifft auch auf Kritik. Der Elternbeirat einer Kindertagesstätte mit 55 Plätzen, die das städtische Klinikum weiter auf dem Gelände des ehemaligen Bürgerhospitals betreibt, lehnt die Pläne der Stadt vehement ab.

Dass die Verwaltung das ehemalige Hauptgebäude der Klinik auch für die Unterbringung von 80 unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen nutzt, wundert nicht. Die Zahl der jungen Leute, die nach dem Gesetz vom Jugendamt in Obhut genommen werden müssen, steigt rasant. Im ersten Halbjahr waren es 227, fast so viele wie im ganzen Jahr 2014, als 260 kamen.

Auch unbegleitete Minderjährige brauchen Wohnraum

Unterdessen läuft der Betrieb in der Interimsunterkunft in der Schleyerhalle gut. Seit Samstag sind dort für zwei Wochen knapp 500 Flüchtlinge untergebracht, weil die Erstaufnahmestellen des Landes überlastet sind. Immer wieder kämen Bürger mit Sachspenden, „überwiegend Spielzeug“, sagte Sabine Beck vom Regierungspräsidium. Da man über einen weiteren Hallenteil verfügen könne, sei es gelungen, Familien und Paare, die etwa ein Drittel der Flüchtlinge dort ausmachen, von den alleine reisenden jungen Männern zu trennen.

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